Wasser und Schimmel im Wohnhaus: Seit einem Jahr ist Baustopp in der Geibelstraße

Die Spuren, wo das Wasser heruntergelaufen ist, sind an vielen Stellen deutlich zu sehen. Bei Regen stellen die Bewohner Auffangbehälter ins Treppenhaus.
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  • Die Spuren, wo das Wasser heruntergelaufen ist, sind an vielen Stellen deutlich zu sehen. Bei Regen stellen die Bewohner Auffangbehälter ins Treppenhaus.
  • Foto: Philipp Hartmann
  • hochgeladen von Silvia Möller

Wenn es regnet, beschleicht die Bewohner der Geibelstraße 71 ein mulmiges Gefühl. Dann besteht die Gefahr, dass das Regenwasser wieder durch die Decke kommt. Seit einem Jahr leben sie in einem Haus mit offenem Dach, das lediglich mit einer Plane abgedeckt wird.

Im Treppenhaus haben die Bewohner schon mehrfach Plastikbehälter aufgestellt, um Regenwasser aufzufangen. Dessen Spuren sind dennoch deutlich zu sehen. In den Ecken haben sich Schimmelflecken gebildet. Auch in die Wohnungen drang das Wasser mehrfach ein und lief an den Heizungsrohren entlang. Bei einem heftigem Sturm im Herbst wurde es sogar lebensgefährlich, als sich einer der Betonsteine löste, der zum Beschweren der Plane auf dem Dach vorgesehen war. Er krachte direkt vor dem Hauseingang herunter.

„Da ist nicht mal jemand gekommen und hat sich das angesehen“, erzählen zwei Bewohnerinnen, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen möchten. „Im Winter haben wir unsere Wohnungen nicht mehr warm bekommen, weil es durchzieht und wir ja praktisch kein Dach mehr haben“, schildern sie ihre Erlebnisse.

Die Odyssee begann vor anderthalb Jahren. Am 23. August 2016 stellte die Immobiliengruppe „KaGa Parkgärten Lichtenrade GmbH“ einen Antrag auf Aufstockung des Gebäudes um ein Vollgeschoss. Ab November 2016 – so schildern es die Bewohner der Eigentumswohnungen in dem Haus – begannen Arbeiter, zunächst das Dach abzutragen und anschließend im Treppenhaus neue Stahlträger einzusetzen. Die Bauaufsicht des Bezirks stellte jedoch fest, dass die Standsicherheit und der Brandschutz der geplanten Maßnahmen nicht gewährleistet waren und die dafür erforderlichen Prüfberichte fehlten. Dennoch, so schildert es die Bauaufsicht in einem Schreiben an die Wohnungsinhaber, sei ohne Genehmigung mit dem Bau begonnen worden.

Daher wurde am 22. Mai 2017 mit Ausnahme von Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes die Einstellung der Bauarbeiten angeordnet. Das Dach, das bereits aufgerissen und während der Arbeiten mit einer Plane abgedeckt war, blieb aufgrund des Baustopps in genau diesem Zustand – bis heute. Eine Anfrage der Berliner Woche an die Bauaufsicht ergab, dass die für eine bauaufsichtliche Zustimmung erforderlichen Unterlagen von der KaGa noch immer nicht eingereicht wurden. Die KaGa sei Teil der Wohnungseigentümergemeinschaft, heißt es. „Wir nehmen an, dass die Wohnungseigentümergemeinschaft auch die Dächer an die KaGa veräußert hat, sodass davon auszugehen ist, dass diese Streitigkeiten privatrechtlich gelöst werden müssen“, so die Bauaufsicht. Die betroffenen Wohnungseigentümer haben bereits mehrfach um Hilfe gebeten und die KaGa sogar mit Sammelunterschriften auf den aus ihrer Sicht „desolaten Zustand“ der Gebäudesubstanz hingewiesen. In einem Antwortschreiben wies die KaGa die Beschuldigungen von sich und schrieb von „Unterstellungen und Provokationen“. Die Bewohner sollten mit Sammelunterschriften demnach „sehr vorsichtig sein“, sonst müssten sie „mit einer Strafanzeige wegen Verleumdung rechnen“. Die Substanz des Gebäudes sei „in keinem desolaten Zustand“.

Es habe, so schreibt die KaGa weiter, „Lieferengpässe bei unserem Lieferanten“ gegeben. Als Liefertermin sei die Zeit zwischen Juli und August genannt worden. Die Arbeiten in der Geibelstraße würden dann fortgeführt, erklärt die Immobiliengruppe. Die Eigentümer bleiben dieser Ankündigung gegenüber misstrauisch. „Wir werden schon seit einem Jahr vertröstet“, sagen sie. Die Bauaufsicht teilte auf unsere Anfrage hin mit, innerhalb der nächsten beiden Wochen mit der KaGa das weitere Vorgehen erörtern zu wollen. „Dort wird dann auch das Thema undichte Baustelle/Wasser in den darunter liegenden Wohnungen angesprochen.“

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