Unter den Linden, Prinzessinnen Palais: PalaisPopulaire
Unter den Linden: Ein altes Medium im neuen Haus – THE WORLD ON PAPER

Ausstellung im Palais Populaire. Plakat mit Werk von Raqib Shaw, 2003. Foto: Anne Schäfer-Junker
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Unter den Linden: Ein altes Medium im neuen Haus – das neue PalaisPopulaire zeigt THE WORLD ON PAPER
- Im Le Populaire mit Cafégarten lässt sich Köstliches genießen -

Die Alten Ägypter hatten den Papyrus, die Chinesen erfanden das Papier. Durch alle Zeitschichten gilt dieses Medium als Informationsträger und Beschreibmaterial mit Pinsel, Feder und Stift. Unsere Kulturgeschichte und die der Welt ist ohne Papier nicht zu denken – keine historischen Überlieferungen, keine Liebesbriefe, keine Zeichnungen, keine Malereien – kurz keine künstlerischen und kulturellen Techniken in Vergangenheit und Gegenwart. Keine Erinnerungskultur, keine Fotographien, kein Origami und last but not least – keine der bezaubernden Papierkleider wie von Stephan Hann oder Kleider, Schuhe und Schmuck aus Papier von Noèmie Reichert. Doch um all dies geht es in der Ausstellung nicht.

Sondern – mit der Eröffnung des sanierten ehemaligen Opern Palais im Prinzessinnenpalais Unter den Linden als nunmehr „PalaisPopulaire“ benanntes Kunsthaus, im Eigentum von Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer SE, erhielt die Deutsche Bank einen neuen Ausstellungsort. Hier öffnet sie mit ihrem Team um Friedhelm Hütte, Josephine Ackermann und Svenja von Reichenbach ihre Kunstsammlungen weit in die Stadtgesellschaft hinein. Damit sind die bis dato an der Ecke Charlottenstraße/Unter den Linden – als Deutsche Guggenheim - über viele Jahrzehnte erfolgreich gezeigten Kunstausstellungen am neuen Ort zwischen Humboldt Forum und Staatsoper, direkt neben Schinkel, der Friedrichswerderschen Kirche, der noch immer nicht wiedererstandenen Bauakademie, dem Deutschen Historischen Museum und dem UNESCO-Welterbe Berliner Museumsinsel zu sehen.

Papier ist universell nutzbar und hat viele Qualitäten – von hauchdünn wie beim Japanpapier bis leicht und schwer, bei Ingres Bütten oder Chamois-Karton – aber immer haptisch erfahrbar und für die Augen zuweilen als schöne Oberfläche wahrnehmbar. Alle KünstlerInnen haben es benutzt und benutzen es. So ist es ein wunderbares Erlebnis, diese noch bis 7. Januar 2019 geöffnete Ausstellung mit rund 300 künstlerischen Arbeiten auf Papier aus der Sammlung Deutsche Bank zu sehen: The World on Paper, besonders von KünstlerInnen der Nachkriegsmoderne.

In den 3 Galerien, erreichbar über den wunderbar nachempfundenen barocken Treppenaufgang im Inneren mit der assoziativen Video-Installation von Zilla Leutenegger „Moondriver II“, 2018, sind herausragende Werke auf Papier vieler bekannter und unbekannter KünstlerInnnen zu sehen – Maria Lassnig, Hermann Glöckner, Doug Aitken, Lorna Simpson, Joan Mitchell, Basim Magdy, Marcel Dzama, Joseph Beuys, Gerhard Richter, Ellen Gallagher, Sigmar Polke, Dieter Roth und Atsuko Tanaka, um nur einige zu nennen. Die früheste Arbeit in der Ausstellung ist eine Zeichnung von 1948 aus der Hand der, von Udo Kittelmann wiederentdeckten, Maria Lassnig, während das jüngste Werk von Zilla Leutenegger 2018 fertig gestellt wurde.

Für die Kunst nach 1945 zählt die Sammlung Deutsche Bank unter dem Aspekt der Arbeiten auf Papier zu den bedeutendsten Kollektionen weltweit. Im PalaisPopulaire wird mit THE WORLD ON PAPER die Diversität und Geschichte dieser außergewöhnlichen Sammlung gezeigt. Und nach dem Ausstellungsbesuch lässt sich im Café|Restaurant Le Populaire by Kofler & Kompanie mit Dessert & Käse Köstliches entdecken: besonders zu empfehlen sind „Birne Helene“ oder der Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern.

Diese Eröffnungs-Ausstellung verdeutlicht die weltweite Ausrichtung der Sammlung Deutsche Bank – insgesamt umfasst diese Auswahl 133 Künstlerinnen und Künstler aus 34 Ländern. Gleichzeitig wurde ein neues Kunst-, Kultur- und Sport-Programm aufgelegt. Hier kommt das schöne Umfeld des ehemaligen Prinzessinnenpalais ins Spiel: die 180jährige Platane auf dem großen Rasenstück mit den 5 preußischen Generälen, die beim Blick hinüber zur Staatsoper doch recht „durcheinander“ dastehen. Diese Denkmäler als Sinnbilder geschichtlich zu werten und entsprechend ihrer historischen Herkunft und Bedeutung aufzustellen wäre Sache der Berliner Kulturverwaltung. Jetzt stehen sie beziehungslos da. Spätestens bei einem Besuch in der Alten Nationalgalerie/Museumsinsel auf dem Gemälde Franz Krügers „Parade auf dem Opernplatz„ (1822) sind die authentischen Standorte zu vergegenwärtigen.

Anne Schäfer-Junker (anne.junker@gmx.de )

Autor:

Anne Schäfer-Junker aus Französisch Buchholz

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