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„Das ist eine bessere Blechkiste": Baudenkmal contra Schulneubau: Denkmalschützer lehnen Anbau von der Stange ab

Das Schulgebäude an der Ecke Hasselwerderstraße/Schnellerstraße steht unter Denkmalschutz.
Das Schulgebäude an der Ecke Hasselwerderstraße/Schnellerstraße steht unter Denkmalschutz. (Foto: Ralf Drescher)

Niederschöneweide. Wir hatten es Ende Juni berichtet. Die Schule an der alten Feuerwache bekommt einen Erweiterungsbau. Nun schlagen Denkmalschützer Alarm.

Denn neben das 1899 errichtete denkmalgeschützte Schulgebäude soll ein so genannter Modularer Ergänzungsbau. „Das ist eine bessere Blechkiste, die niemals zu dem Bau im Stil märkischer Backsteingotik passen wird“, meint Stefan Förster, der Vorsitzende des Bezirksdenkmalrats und Abgeordnetenhausmitglied der FDP.

Erst im vorigen Jahr war an der Schule am Buntzelberg ein ähnlicher Bau errichtet worden. Module Ergänzungsbauten sind keine Containerschulen, sondern aus Fertigteilen errichtete vollwertige Unterrichtsgebäude.

16 Räume für 3,3 Mio. Euro

Rund 3,3 Millionen Euro hat das Abgeordnetenhaus für den Neubau an der Schnellerstraße zur Verfügung gestellt, im Bau sollen 16 Klassen- und Horträume Platz finden. „Wir brauchen dort dringend mehr Platz für Schüler. Bis 2020 werden an diesem Standort 137 weitere Schulplätze benötigt. Der Ausbau ist nötig, um die Erfüllung der Schulpflicht am Standort zu sichern, andere Schulstandorte stehen dort nicht zur Verfügung“, teilt die für Schulen zuständige Stadträtin Cornelia Flader (CDU) mit. Nach Angaben der Stadträtin dauert die Entwicklung eines komplett neuen Schulstandorts mit Finanzierung über die Investitionsplanung des Bezirks viele Jahre, auch deshalb blieb als Lösung nur die Errichtung eines Ergänzungsbaus.

Genehmigung kommt

Die Untere Denkmalschutzbehörde wird den Ergänzungsbau trotz der berechtigten Einwände des Bezirksdenkmalrats wohl genehmigen. „Aus denkmalpflegerischer Sicht verbleibt hier bei Vorliegen eines übergeordneten dringenden öffentlichen Interesses nur die Möglichkeit, die Unverträglichkeit mit dem Baudenkmal mittels Farbauswahl und Fassadengestaltung zu minimieren“, teilt der für den Denkmalschutz verantwortliche Stadtrat Rainer Hölmer (SPD) auf Nachfrage mit.

Beim Vorsitzenden des Bezirksdenkmalrats kommt das nicht gut an. „Die Ergänzungsbauten verschwinden ja nicht wieder in ein paar Jahren, sie sollen mindestens 60 Jahre halten. Ein Gebäude von der Stange ist kein angemessener Umgang mit einem Baudenkmal. Ein Architektenwettbewerb mit Vorgaben des Bezirks wäre der bessere Weg zum Bau der durchaus nötigen Schulplätze gewesen“, ärgert sich Stefan Förster. RD

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