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Öder Ort an der Spree: Oberschöneweide: Bürger wollen den Platz am Kaisersteg aufwerten

Der Stadtplatz am Kaisersteg ist eine riesige leere Fläche.
Der Stadtplatz am Kaisersteg ist eine riesige leere Fläche. (Foto: Ralf Drescher)
von Ralf Drescher

Der Platz am Kaisersteg sollte eigentlich ein Anziehungspunkt im Areal rund um die Wilhelminenhofstraße werden. Daraus geworden ist eine zugige Fläche, über die Nutzer der nahen Fußgängerbrücke im Eilschritt laufen.

„Damit wollen wir uns nicht länger abfinden und haben eine Anwohnerinitiative gegründet“, erzählt Renate Auer. Die Rentnerin ist vor ein paar Jahren hierher gezogen. Im Kiez gefällt es ihr, auf dem 2007 für 1,45 Millionen Euro hergerichteten Stadtplatz gefällt es ihr nicht. Gemeinsam mit Freunden hat sie die Bürgerinitiative „Politischer Marktplatz“ gegründet. Die graue, verwahrloste Betonwüste soll "ein sozialer und politischer Treffpunkt werden. Ein grüner Platz für Spiel und Sport, ein Ort zum Gespräch, auf dem lokale und internationale Themen der Politik und Verwaltung diskutiert werden und wo politische und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt werden“, wünscht sich Renate Auer. Dafür setzen sie und ihre Mitstreiter auf Umgestaltung. Und dabei sind sie bereits auf ein Problem gestoßen. Auf eine entsprechende Anfrage von Abgeordnetenhausmitglied Katalin Gennburg (Die Linke) teilt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen mit, dass für den Platz am Kaisersteg das lebenslange Urheberrecht der Architekten gilt. Somit könne er nur mit deren Einverständnis umgestaltet werden.

„Familien sitzen mit Picknickkörben auf der Wiese, Kunstliebhaber strömen in die Schauhallen, Spaziergänger flanieren am Spreeufer entlang ...“ so beschrieb die Berliner Zeitung im März 2005 die vorgestellten Pläne für den Stadtplatz. Bürger durften zwar ihre Meinung sagen. Sie forderten eine hügelige Landschaft und mehr Grün. Im Siegerentwurf der Landschaftsarchitektin Ulrike Böhm kam das dann aber nicht mehr vor. Als der Platz im Dezember 2007 eingeweiht wurde, blickten die Anwohner auf eine große Fläche mit viel Stein, unbequemen Bänken und einigen wenigen Bäumen am Rand der Kranbahn.

Obwohl die Bürgerinitiative erst wenige Monate besteht, hat sie bereits einen Entwurf für einen neuen Stadtplatz vorgelegt. Darin kommen Hochbeete, Pflanzkästen, eine Toilette nebst Wickelraum, ein WLAN-Hotspot und sogar ein Trinkwasserbrunnen vor. Gedacht wurde sogar an eine kleine Bühne für politische Gespräche, eine Art Speakers Corner und einen Spielbereich mit Großfeldschach, Tischtennisplatte und Spielgeräten.

„Wir müssen zuerst die Sache mit dem Urheberrecht klären und suchen Unterstützung von örtlichen Akteuren und Politikern. Anwohner sind ebenfalls als Mitstreiter willkommen“, sagt Renate Auer.

Bei unserem Besuch Mitte November machte der Stadtplatz am Kaisersteg tatsächlich einen trostlosen Eindruck. Glasscherben, beschmierte Bänke, Müll und Unrat – ein Platz zum Flanieren ist hier ganz sicher nicht entstanden.

Infos unter www.politischer-marktplatz.de

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