Riesige Turbinenhalle wird Kunst- und Konzertort
Künstler Ralf Schmerberg hat die „MaHalla Berlin“ gepachtet

Künstler Ralf Schmerberg entdeckte die ehemalige Turbinenhalle, als er auf Ateliersuche mit dem Motorroller durch die Stadt fuhr.
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  • Künstler Ralf Schmerberg entdeckte die ehemalige Turbinenhalle, als er auf Ateliersuche mit dem Motorroller durch die Stadt fuhr.
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Die Farbe bröckelt von den Wänden. Treppen und Geländern hat der Rost zugesetzt. Die ehemalige Industriehalle in der Wilhelminenhofstraße 76 hat schon bessere Tage gesehen. Genau dieser raue Charme aber fasziniert Ralf Schmerberg besonders. Für 20 Jahre hat der preisgekrönte Künstler und Filmemacher die Halle von einem privaten Unternehmer gepachtet.

Schon bald sollen in der sogenannten "MaHalla" Berlin bis zu 100 Menschen zusammenkommen, um ihre künstlerischen Vorstellungen ausleben zu können. In Zukunft soll es Ausstellungen und Konzerte geben. Frühere Büros werden in Ateliers umgewandelt. Die ersten Künstler könnten sich dort noch in diesem Jahr einrichten und loslegen. Ralf Schmerberg (56), der in seiner Karriere unter anderem mit einem Grimme Award und einem Cinema for Peace Award ausgezeichnet sowie für einen Emmy nominiert wurde, ist sicher, dass sich Schöneweide zur angesagten Gegend entwickelt. „Auf der Suche nach einem Atelier bin ich mit dem Motorroller durch Berlin gefahren. Hier war ich sofort gefangen“, erzählt er. „Ich habe vergessen, wie gewaltig das ist.“ Derzeit versucht er, eine Wohnung in der Gegend zu finden, nachdem er lange in Mitte gelebt hat.

Starkstrom für Europa

Bei der seit Anfang der 90er-Jahre leerstehenden Halle handelt es sich um die 1895 erbaute, mehr als 5500 Quadratmeter große Turbinenhalle des Kraftwerks Oberspree. Architekt war seinerzeit Paul Tropp. Die AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft) nutzte sie als Showroom. Dort wurden Turbinen ausgestellt und die Menschen konnten sich von der Leistung der modernen Technik überzeugen. Vom damals ersten Drehstrom-Kraftwerk Europas aus begann die Verbreitung von Starkstrom und damit die Elektrifizierung der Städte. Zusammen mit der Turbinenhalle wuchs das Gründerzentrum der Elektroindustrie, das sich zu Hochzeiten zweieinhalb Kilometer entlang der Spree ausdehnte. Bis zu Wende 1990 herrschte reger Betrieb. Bis zu 25 000 Menschen in fünf Volkseigenen Betrieben arbeiteten dort.

Das Lichtspiel in der Halle sei im Sommer einmalig, meint Ralf Schmerberg. Die Schönheit, die Einzigartigkeit und die Größe der Möglichkeiten hätten ihn von dem Standort überzeugt. Die Firma Kärcher unterstützt ihn bei seinen Plänen im Rahmen eines Kultursponsorings. In dieser Hinsicht hat der Hersteller von Reinigungsgeräten bereits große Erfahrung. Seit 1980 hat er weltweit mehr als 140 Denkmäler restauratorisch gereinigt, wie das Brandenburger Tor, Kolonnaden des Petersplatzes in Rom, die Christusstatue im Süden Rio de Janeiros, die über 3300 Jahre alten Memnonkolosse in Ägypten sowie die Präsidentenköpfe des Mount Rushmore National Memorial in den USA.

In der Turbinenhalle kümmert sich Kärcher um die Reinigung der inneren Backsteinfassade. „Auf der bislang nie professionell gereinigten Oberfläche befinden sich jahrzehntealte Farb- und Lackschichten, die teilweise bis in die Bauzeit im Jahr 1895 zurückreichen“, berichtet das Unternehmen. Gemeinsam mit einem Restaurator und dem Landesdenkmalamt sei eine wirksame und zugleich schonende Methode festgelegt worden, mit der die Verschmutzungen entfernt und die Originalsubstanz zugleich geschont werden könne. Drei Wochen sind die Mitarbeiter beschäftigt, mittels Heißwasser-Hochdruck- sowie anschließendem Trockeneisstrahlverfahren die Ablagerungen zu beseitigen. Ungewöhnlich: Mit der Reinigung wird zugleich Kunst erschaffen, ein „Reverse Graffiti“. Durch das gezielte Abtragen von Verschmutzungen auf einer der Hallenwände entsteht mithilfe von Schablonen der Schriftzug „The world is full of pain“. Der wird durch den Hell-Dunkel-Kontrast zwischen gereinigten und ungereinigten Flächen sichtbar.

Diese Arbeit soll aber nur der Anfang sein, Ralf Schmerberg hat die nächsten Ideen längst im Kopf. „Derzeit arbeite ich mit polymerer Plastik“, erläuterte er bei der Vorstellung der „MaHalla“. An dem Tag nahm er zugleich ein Musikalbum auf. Schon bald sollen auch die Anwohner, sofern es die Pandemie zulässt, einen Einblick in die denkmalgeschützte Industriehalle bekommen.

Weitere Informationen gibt es auf www.mahalla.berlin und unter @mahallaberlin bei Instagram.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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