Siemens kündigt überraschend letzten Pächtern im „Alter Exer“
Mit grünem Idyll in Siemensstadt ist nun endgültig Schluss

Gekündigt: Bis Ende April müssen Michaela Lauterbach und ihr Mann ihr grünes Refugium verlassen.
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Siemens hat jetzt auch den letzten Pächtern in seiner Kleingartenkolonie „Alter Exer“ gekündigt. Eigentlich sollten rund 40 Parzellen erhalten bleiben. Doch mit der „Siemensstadt 2.0“ ist auf dem Lauben-Land Wohnungsbau geplant.

Der Rausschmiss hat die Lauterbachs überrascht. „Man hat uns lange in Sicherheit wiegen lassen“, sagt Michaela Lauterbach. Wasserleitungen wurden repariert, das Tor erneuert und ein Schutzzaun gebaut. Auch die Pacht für 2020 hat das Ehepaar bereits gezahlt. Doch nun flatterte plötzlich die Kündigung ins Haus. Bis zum 30. April müssen die Lauterbachs ihre Parzelle 380 verlassen. Die Räumung, sprich den Abriss der Laube mit allem Drum und Dran übernimmt Siemens auf eigene Kosten.

Ein schwacher Trost für Michaela und Christian Lauterbach. „Wir sind im Sommer jeden Tag hier draußen, unsere zwei Kinder sind hier quasi aufgewachsen. Jetzt wird das alles platt gemacht.“ Die alten Obstbäume, die Blumen, die Fliederbüsche und das Gemüsebeet, das die Siemensstädterin so liebevoll pflegt – das alles kommt unter die Baggerzähne. „Ich bin so traurig“, sagt Michaela Lauterbach. „Der Garten war nicht nur unser grünes Refugium, sondern auch Paradies für Bienen, Schmetterlinge, Vögel, Molche, Eidechsen, Füchse und Waschbären.“

Das "Roseneck" wurde bereits abgerissen

Der rund 300 Quadratmeter große Garten der Lauterbachs ist nicht die einzige Parzelle, deren Pachtvertrag Siemens gekündigt hat. 14 Pächter hat die Kolonie „Paul- stern“ – besser bekannt als „Alter Exer“ – noch. Die Anlage liegt auf dem alten Siemens-Betriebsgelände zwischen Saatwinkler Damm, Gartenfelder Straße und Paulsternstraße. Die Parzelle der Lauterbachs gehört zum Teil „Neuer Exer“. Das „Roseneck“ ist bereits großflächig abgerissen. Schon im März 2017 waren 74 der insgesamt rund 130 Pächter in der Kleingartenkolonie gekündigt worden. Siemens wollte seine Fläche dem Wohnungsbau zur Verfügung stellen. Allerdings hatte der Konzern damals angekündigt, etwa 40 Parzellen erhalten zu wollen. Weshalb die letzten Pächter, darunter die Lauterbachs, das Angebot bekamen, auf das verbleibende Gelände mit 40 Gärten zu wechseln.

800 Wohnungen sollen auf Lauben-Land entstehen

Bis zu 800 Wohnungen sollen auf dem Lauben-Areal entstehen. Die plant Siemens dort im Zuge seines neuen Stadtquartiers „Siemensstadt 2.0“. Im Oktober 2018, als Siemens sein Großprojekt offiziell verkündete, seien die Pläne aber noch nicht so weit fortgeschritten gewesen, sagt Guido Jagusch, Sprecher der Siemens Real Estate Berlin. Mit dem städtebaulichen Wettbewerb für die Siemensstadt 2.0, den das Berliner Architekturbüro „O&O Baukunst“ wie berichtet im Januar dieses Jahres gewonnen hat, seien die Gärten dann jedoch überplant worden, so Jagusch. „Wir wollen mit der Wohnbebauung nördlich der Schaltwerkshallen beginnen, genau dort, wo die Mietergärten liegen.“ Weil vorher jedoch auch Bodenuntersuchungen im Zuge der vorgeschriebenen Altlastenprüfung stattfinden, müssten die Parzellen noch vor dem Sommer frei sein. Nach Ablauf der Vegetationsperiode soll dann im Herbst der Rückbau der letzten Parzellen beginnen, um das Baufeld freizumachen.

"Kleingärten sind rar geworden"

„Wir wussten ja, dass wir irgendwann auch runter müssen“, sagt Michaela Lauterbach. Nur nicht, dass es so schnell sein würde. „Wir hatten gehofft, diesen Sommer noch bleiben zu können.“ Viele ihrer Nachbarn wüssten auch gar nicht, wie sie den Auszug logistisch stemmen sollen. Denn mit dem Auto kommt man an einige Parzellen gar nicht ran, sagt die 48-Jährige. Ob sie und ihr Mann sich einen neuen Kleingarten suchen, wissen die Lauterbachs nicht. „Nochmal von vorne anfangen? Wohl eher nicht.“ Wo sollen die Lauterbachs den auch finden. „Kleingärten sind rar geworden, auch in Spandau.“

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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