Ein Abend mit dem Chef der Tegel Projekt GmbH
Was kommt, wenn der Flughafen geht?

Essbares mit Tegel-Motiv. Philipp Bouteiller (Mitte), zusammen mit Andreas Enders (links) und Jürn Jakob Schultze-Berndt, Vorsitzender der Initiative Reinickendorf und CDU-Abgeordneter.
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  • Essbares mit Tegel-Motiv. Philipp Bouteiller (Mitte), zusammen mit Andreas Enders (links) und Jürn Jakob Schultze-Berndt, Vorsitzender der Initiative Reinickendorf und CDU-Abgeordneter.
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15 Personen waren zu der Veranstaltung zugelassen. Das Interesse war um einiges größer. Organisiert hatte sie die „Initiative Reinickendorf“, laut Eigenbeschreibung, Netzwerk und Informationsbörse für Menschen aus Wirtschaft, Kultur und sozialem Bereich.

Das Treffen fand in den Räumen der Firma Vermdok statt. Einem Unternehmen für Vermessungsdienstleistungen. Die Dachterrasse bot einen Blick auf den Flughafen Tegel. Was nach dem Ende des Flugbetriebs dort passiert, war Thema an diesem Abend. Eingeladen war Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH. Sie managt die Zukunft des Riesenareals, das „fünf Prozent der Stadtfläche von Paris, neun Prozent der von Manhatten oder ein Zehntel Tel Aviv“ ausmache, ordnete Bouteiller die Dimension ein. Großes und vor allem Zukunftsweisendes könnte und werde dort passieren.

5000 Wohnungen, viel Grün
und ein Straßenbahndepot

Drei Hauptcluster. Zum einen geht es um die Nachnutzung des bisherigen Flughafengebäudes. Es wandelt sich zum Wissenschafts- und Forschungszentrum, vor allem genutzt durch die Beuth-Hochschule.

Südlich davon das Industriegebiet, als Heimstatt für neue und innovative Produktionen. Stichworte sind hier unter anderem Umwelt und Klima, Mobilität, Digitalisierung. Dazu kommt das neue Schumacher-Quartier mit geplanten 5000 Wohnungen für bis zu 10.000 Menschen. Darüber hinaus bleibt noch Platz für Grünflächen. Weitere Angebote soll es auch in Richtung Sport und Freizeit geben. Dazu soll ein Straßenbahndepot im Südwesten entstehen. Der Umbau der Hangars zum zentralen Standort für die Feuerwehr, einschließlich einer Akademie, ist auch möglich.

Vorzeigeunternehmen
aus dem Holzgewerbe gewünscht

Auf Holz gebaut. Alles soll in der künftigen Tegel-City am besten mit allem zusammen hängen. Philipp Bouteiller machte das unter anderem am Beispiel Holz deutlich. Dieses Material werde beim Bauen eine immer größere Bedeutung bekommen. Schon deshalb sollen im Schumacher-Quartier Holzhäuser entstehen. Auch bei höheren Gebäuden wäre das heute technisch kein Problem mehr. Ein großer Player aus dem Holzgewerbe ist daher als Vorzeigeunternehmen im Industriegebiet gewünscht. Angelehnt an die Dombauhütten der Vergangenheit sollen hier Experten weitere Ideen in Sachen Holzbau entwickeln. Der Forschungsbereich wäre dann ebenfalls mit eingeschlossen.

Auf der Höhe der Zeit. Die Bedeutung neuer, heute gerne unter dem Begriff „smart“ summierter Technologien, sei der Tegel Projekt GmbH schon sehr früh bewusst gewesen, nahm der seit 2012 amtierende Geschäftsführer für seine Gesellschaft in Anspruch. Noch vor kurzem wären viele dieser Ideen eher belächelt worden, inzwischen sind sie eher Allgemeingut und bedeuteten deshalb einen Standortvorteil. So gesehen sah Bouteiller die vergangenen acht Jahre auch nicht als verlorene Zeit. Vieles wäre heute weitaus konkreter und fortgeschrittener als damals beim BER-Fehlstart. Die „smarte“ Zukunft lässt sich nicht nur wegen der Holzgebäude am Schumacher-Quartier ganz gut durchdeklinieren. Sogar von einer „Schwamm-City“ sprach der Gast. Was zum Beispiel bedeutet: Das Regenwasser soll in den Wiederverwertungskreislauf eingespeist werden. Außerdem wird das Viertel nahezu durchgehend autofrei sein. Parkflächen für Autos soll es in sogenannten Hubs an bestimmten Stellen in seinem Außenbereich geben. Sie sollen so gelegen sein, dass der Weg zur eigenen Wohnung nicht allzu weit ist. Und es soll möglichst eine direkte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr geben.

Vorfreude auf die Reaktivierung
der Siemensbahn

Verkehrsfragen. Bei allen Vorarbeiten ist vieles noch ungelöst oder bewusst offen gehalten – gerade beim Thema Verkehr. Natürlich soll er im Zeichen der Mobilitätswende organisiert werden. Aber wie, das findet sich bisher vor allem in Skizzen. Straßenbahnen, dazu ein Abzweig der U-Bahnlinie 6? Die U7, ab Jakob-Kaiser-Platz, ebenfalls nicht zu vergessen. Kommt möglicherweise eine Schwebebahn? Philipp Bouteiller könnte einer Verlängerung der bisher brachliegenden Siemensbahn ins Tegel-Quartier einiges abgewinnen. Bis 2029 soll der schon vorhandene Abschnitt bis Gartenfeld reaktiviert werden. Von dort wäre es nicht mehr weit zum ehemaligen Flughafenareal. Aber der Bezirk Spandau kämpfe für ein Weiterführen über die Havel nach Hakenfelde, machte er seinen Reinickendorfer Zuhörern deutlich.

Blick in die Nachbarschaft. Das Siemensbahn-Beispiel hatte der Tegel Projekt Chef nicht ganz zufällig erwähnt. Vielmehr wollte er damit darauf hinweisen, was im unmittelbaren Umfeld seiner Großbaustelle noch passiert. Da ist der Siemens-Campus das bekannteste Beispiel. Es gibt aber auch Bauvorhaben, etwa auf der Insel Gartenfeld. Zusammen mit seinem Bereich ergebe das ein Investitionsvolumen von rund 13 Milliarden Euro in den kommenden gut 20 Jahren. Und weitere Arbeitsplätze zu den avisierten etwa 20.000 in Tegel. Schon deshalb stelle sich die Frage, „wie wir es schaffen, diese Projekte institutionell zusammen zu bringen“.

Fertigstellung des Quartiers
kann Jahrzehnte dauern

Weit in die Zukunft. Auch an diesem Abend wurde deutlich. Das neue Quartier auf dem alten Flughafengelände wird sich in vielen Etappen entwickeln. Die Zeiträume umfassen Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte. Ein Vorhaben, dessen Ende wahrscheinlich auch Philipp Bouteiller nicht mehr in seinem Job erlebt. Auch wenn er mit 52 noch einige Arbeitsjahre vor sich hat.

Die nahe Zukunft ist jetzt erst einmal das endgültige Ende des Tegel Airports. Aber kommt das jetzt wirklich? Angekündigt war es ja schon häufiger. Vermdok-Chef Andreas Enders stellte bereits bei der Begrüßung diese Frage. Auch der Gast erinnerte an viele wieder aufgehobene Schließungstermine. Nach dem Betriebsbeginn am BER bleibe das Areal noch ein halbes Jahr Ausweichstandort, erinnerte er. Nach den bisherigen Vorgaben exakt gerechnet ab dem 4. November, wenn in Schönefeld die Startbahn Süd startklar sei. Sechs Monate später wäre dann der 3. Mai 2021 der letzte Tegel-Tag als Flughafen. „An meinem Geburtstag“, sagte Philipp Bouteiller.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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