Einsatz in der Cruising-Szene
Polizei startet Charmeoffensive unter Homosexuellen im Großen Tiergarten

„Hier ist ständig was los, auch bei schlechtem Wetter“, schwärmt der schwule Szene-Führer „Gay-Szene.net“ im Internet von der „wohl größten Cruising-Area der Stadt“, dem Großen Tiergarten. Doch der schwule Sex unter freiem Himmel ist nicht ungefährlich.

Immer häufiger werden die Cruiser, homosexuelle Männer, die Sex mit anderen Männern suchen, Opfer von Diebstählen, Schlägen, Raubüberfällen und anderen Delikten. Auch andere Besucher nehmen den Park zunehmend als unangenehm und gefährlich wahr. Daher haben Beamte des Polizeiabschnitts 33 unlängst einen Einsatz in der Cruising-Szene gehabt; aber nicht gegen die Homosexuellen, es sei denn, es handelt sich um männliche Prostituierte. Diese hat die Polizei seit rund zwei Jahren fester im Blick.

Der jüngste Einsatz bestand vielmehr aus einem Infostand und mehreren mobilen Teams zu dem Zweck, mehr Vertrauen bei den Männern aufzubauen und sich als Ansprechpartner für jene zu empfehlen, die Opfer von Kriminalität geworden sind. 15 Polizeibeamte, zwei bezirkliche Ordnungsamtsmitarbeiter und zwei Beteiligte des schwulen Anti-Gewalt-Projekts „Maneo“ des Informations- und Beratungszentrums für schwule Männer und Jugendliche „Mann-o-Meter“ führten von 19 bis 23 Uhr Beratungsgespräche und verteilten Informationsmaterial. Am Nachmittag hatten die Einsatzteilnehmer bereits Szeneörtlichkeiten in Mitte besucht.

Anzeige werden eher selten erstattet

„Der Stand war fast immer belegt. Die Kollegen führten viele Gespräche", sagt Karl Bösel, Präventionsbeauftragter des Polizeiabschnitts 33. Viele Cruiser hätten sich von der Aktion angenehm überrascht gezeigt und die „gute Wirkung unserer Präsenz“ gelobt, resümiert Bösel. Eine Anzeige zu erstatten sei in der Cruising-Szene nicht sehr ausgeprägt, weiß er. Viele hätten Diskriminierung erfahren. Viele wollten einfach nicht, weil ihre Homosexualität noch nicht bekannt sei.

„Weil diese Menschen weniger mit uns reden wollen, aber genauso unseren Schutz vor Straftaten erhalten sollen, müssen wir sie mit Charme einfangen“, erläutert der Moabiter Präventionsbeauftragte. Wenn sein Polizeiabschnitt genug freie Kollegen hat, sollen in Zukunft ähnliche Einsätze erneut stattfinden.

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