Erstaunliche Persönlichkeiten
Ausstellung über jüdische Ärzte und Apotheker im Meerbaum-Haus eröffnet

Thomas Abel vor den Schautafeln für Käte Frankenthal (1889-1976). Von ihr, die als junge Militärärztin während des Ersten Weltkriegs freiwillig in der österreichischen Karpatenarmee diente, weil Preußen sie als Frau nicht einstellen wollte, ist er am meisten beeindruckt.
  • Thomas Abel vor den Schautafeln für Käte Frankenthal (1889-1976). Von ihr, die als junge Militärärztin während des Ersten Weltkriegs freiwillig in der österreichischen Karpatenarmee diente, weil Preußen sie als Frau nicht einstellen wollte, ist er am meisten beeindruckt.
  • Foto: KEN
  • hochgeladen von Karen Noetzel

Dass jemand wie Thomas Abel Hunderte Stunden opfert, um so eine Ausstellung zu verwirklichen, sei nicht selbstverständlich, sagte Angelika Grigat vom Meerbaum-Haus zur Eröffnung von „Jüdische Ärzte und Apotheker in Tiergarten“.

Die Schau im Familienzentrum der evangelischen Kirchengemeinde Tiergarten widmet sich bis zum 17. Januar erstaunlichen Persönlichkeiten. Dafür haben Thomas Abel, Vorstand des Vereins „Gleis 69“ und selbst Kinderarzt, und seine Vereinsfreundin Gisela Poser in 1200 Recherchestunden vielfältige Beiträge jüdischer Menschen zur Medizin in Tiergarten/Moabit und in der Welt in beeindruckender Fülle gesammelt. Die Ausstellung wird von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert.

Der Verein will jüdisches Leben einst und heute wieder sichtbar machen. Im Sommer zeigte „Gleis 69“ eine Ausstellung zu den Synagogen in Tiergarten. Im Mai will Thomas Abel eine Wanderausstellung zu Juden in Brandenburg nach Berlin und in die Johanniskirche in Moabit holen. Und jetzt eben Wirken und Schicksal jüdischer Mediziner und Apotheker, eine Exposition, die auf erschreckende Weise zeige, wie wissenschaftlicher Fortschritt und Existenzen von den Nazis zerstört wurden.

Das Thema habe ihn seit Jahren beschäftigt, sagt Thomas Abel über die Ausstellung. Nicht zuletzt aufgrund der Lektüre der Studie „nicht misshandeln. Das Krankenhaus Moabit: 1920-1933. Ein Zentrum jüdischer Ärzte in Berlin, 1933-1945, Verfolgung – Widerstand – Zerstörung“ von Christian Pross und Rolf Winau.

Weitere Anstöße hätten ihm Berliner Gedenktafeln gegeben, so für den Kinderarzt Heinrich Finkelstein am ehemaligen Kinderkrankenhaus Wedding in der Reinickendorfer Straße, die im Sommer 2016 feierlich enthüllt wurde. Oder die Gedenktafel für den Biochemiker Ernst Boris Chain am ehemaligen „Haus der Gesundheit“ in der Turmstraße 22, heute Sitz der Berliner Staatsanwaltschaft. Chain erhielt 1945 gemeinsam mit Sir Alexander Fleming und Sir Howard Walter Florey den Medizin-Nobelpreis für die Entwicklung des Penicillins.

Oder jene für Salo Drucker, die sich am "Haus der Gesundheit Weding" befand. Er war der erste Stadtarzt des Bezirks Wedding von 1922 bis 1933. Die Nazis jagten ihn aus dem Amt und ermordeten ihn 1940 im KZ Sachsenhausen. Finkelstein, Chain und Drucker sind in der Ausstellung mit Dokumentationen vertreten.

Aus diesen Erfahrungen habe sich quasi der Auftrag ergeben, die Ausstellung zu verwirklichen, so Thomas Abel. „Um der Geschichtsvergessenheit und -verlorenheit etwas entgegenzusetzen.“ Beim Recherchieren habe er dann rasch Feuer gefangen. „Menschen mögen Geschichten von Einzelpersonen.“

Ganz bewusst beschränkt sich die Ausstellung auf Persönlichkeiten aus Moabit und Tiergarten, um an das persönliche Wohnumfeld von Besuchern anzuknüpfen. Zu ihnen werden Konfirmanden aus den örtlichen Kirchengemeinden ebenso gehören wie Schüler der Theodor-Heuss-Schule. Zu ihnen pflegt der Verein „Gleis 69“ engen Kontakt.

„Jüdische Ärzte und Apotheker in Tiergarten“, Meerbaum-Haus, Siegmunds Hof 20, montags bis donnerstags 10 bis 13 Uhr, donnerstags, 17 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung findet sich auch auf www.gleis69.de.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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