Berlins größte WG im Sprengelkiez

Karoliina Pietrato mit Mama Anne zieht in das neue Holzhaus im Sprengelkiez, Berlins größter WG.
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In diesem Haus haben sich alle lieb. Die Bewohner des innovativen Projekts der Wohnungsbaugenossenschaft „Am Ostseeplatz“ in der Lynarstraße 38 wurden vorher „gecastet“.

Sie kennen sich schon und umarmen sich herzlich, als sie bei der Baustellenführung über die Rüstung in ihre Rohbauwohnungen klettern und einen Blick in das neue Zuhause werfen. Das Richtfest für die siebengeschossigen Wohnhäuser ist wie ein Familienfest. Der dreiteilige Gebäuderiegel neben der Bahntrasse ist nicht irgendein Wohnhaus, sondern ein „experimentelles Gruppenwohnprojekt“, wie die Genossenschaft sagt. Hier ziehen nur Menschen ein, die mit anderen gemeinschaftlich wohnen wollen. Eine Riesen-WG sozusagen mit 98 Wohneinheiten. Auf den Etagen gibt es sogenannte Wohn-Cluster. Es gibt mehrere Wohneinheiten mit eigenen Bädern und Küchen, aber immer zentrale Bereiche wie Wohnküchen und Flure, die alle nutzen.

Rein kommt man in seine Wohnung nur über den Eingang zum Gemeinschaftsbereich. Ob da ein Kicker aufgestellt wird oder lieber ein Esstisch, handeln die Mitbewohner aus. Damit die perfekt zusammenpassen, gab es im Kiez Vorbereitungstreffen, um sich zu beschnüffeln. Tore Dobberstein hat die Gruppenfindung im Auftrag der Genossenschaft moderiert und dabei geholfen, dass sich die richtigen Wohnteams finden. Es gab viele Bewerber, aber viele waren auch schnell wieder weg, als sie von dem WG-Prinzip erfuhren.

Begeistert und überglücklich, hier im Oktober einziehen zu können, ist Karoliina Pietrato. Die 27-jährige Arzthelferin zieht mit der halben Familie ein. Ihre Mama Anne (66) bezieht ein Ein-Zimmer-Appartement. Karoliina hat eine 60 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung bekommen und sucht noch einen Mitbewohner. Schwester Maruschka zieht im Nebenhaus auch in die vierte Etage. Da die Häuser über Brücken verbunden sind, gehört sie quasi mit zur Etagen-WG. Der Lärm der Bahntrasse direkt daneben stört Karoliina Pietrato nicht. „Ich wohne an der lauten Pankstraße“, sagt sie. Ihr fehle dort „das Gemeinschaftliche mit den Nachbarn und dass man sich gut versteht“. Für das Riesen-WG-Projekt nimmt sie die Züge vorm Balkon gern in Kauf. „Wir nennen unsere Gruppe die S-Bahn-Flieger, weil wir quasi über der Bahntrasse schweben“, sagt Pietrato.

Das Gewerbegrundstück galt früher als unverwertbar, wie Richard Schmitz, Vorstandsvorsitzender der 2000 gegründeten Genossenschaft „Am Ostseeplatz“ beim Richtfest sagte. Auf dem Areal wollte der private Investor, der das Gelände von der Bahn erworben hatte, ein Selfstorage-Lager errichten. Die Genossenschaft kaufte ihm das Grundstück ab und schaffte es mit den Architekten, die hohen Lärmschutzauflagen zu erfüllen und eine Genehmigung für ein Wohnhaus zu bekommen. Durch den billigen Baugrund und 2,5 Millionen Euro Fördergelder aus dem Senatsprogramm „Experimenteller Geschosswohnungsbau“ sind günstige Mieten möglich. 47 Wohneinheiten sind für Leute mit Wohnberechtigungsschein und kosten 6,50 Euro pro Quadratmeter. Die anderen werden für acht bis neun Euro vermietet. Nur die Bewohner im siebten Staffelgeschoss zahlen 12 bis 13,50 Euro.

Das Haus ist ab dem ersten Stock ein kompletter Holzbau. Alle tragenden Balken und Decken bleiben in Holzoptik, nur die Trockenbauwände werden mit Gipskarton gebaut. Das ist der bislang höchste Holzgeschossbau in Deutschland, sagt Till Degenhardt vom WBG-Vorstand.

Im Erdgeschoss soll es auch soziale Einrichtungen wie die Küche einer Obdachlosenhilfe, eine Demenz-WG oder eine Kita geben, außerdem ein Laden-Café. Rund um das Haus gibt es Spielplätze, Kicker und Tischtennis und Gemeinschaftsbeete. Die Architekten vom Berliner Büro Schäferwenningerprojekt führen freitags durch das Haus und erklären die Holzbauweise. Anmeldung unter www.neunzehnminuten.de

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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