"Mich fasziniert die Loyalität"
In fünf Jahren formte Daniel Kübler den Mädchen- und Frauenfußball beim SCC

Im sechsten Jahr Trainer ein Frauenfußballmannschaft und noch kein bisschen müde - wie schafft Daniel Kübler das bloß?
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Von einer „Wald- und Wiesenmannschaft“ bis zu einer Sparte mit Teams in jeder Altersstufe dauert es im Frauenfußball nur etwa fünf Jahre – zumindest beim SC Charlottenburg. Dafür brauchte es natürlich auch auf der Julius-Hirsch-Sportanlage ein bisschen Glück und eine konstant treibende Kraft: Daniel Kübler.

Ob der Berliner Frauenfußball in seiner Entwicklung nun lahmt oder nicht, ist schwer zu sagen. Klar, die Zeiten sind vorbei, in denen kickende Mädels ausschließlich belächelt wurden. Auf der anderen Seite gleichen selbst attraktive Partien auf Verbands- oder Regionalliga-Niveau meist eher Geisterspielen als gut besuchten Events. Daniel Kübler glaubt, man müsse differenzieren: Zwischen dem leistungsbezogenen Fußball und dem Breitensport. Weil sich in Berlin die Qualität auf mehrere Clubs verteile, gebe es zwar fünf Regionalligisten, aber eben keine Profimannschaft. Der Breitensport, da ist sich Kübler sicher, hat sich gut entwickelt.

„Alle müssen alles spielen“

Er muss es wissen. Mittlerweile ist er im sechsten Jahr Trainer der Frauen des SC Charlottenburg, seit einiger Zeit auch Abteilungsleiter. Mit seiner Elf geht er seither in der Bezirksliga, der untersten Klasse Berlins, auf Tore- und Punktejagd. In manchen Spielzeiten klopfte der SCC schon an die Tür der Landesliga, der Aufstieg gelang aber nicht. Nicht schlimm, findet Kübler. „Bei uns läuft das nicht leistungsbezogen“, sagt er. Und konkretisiert: „Alle müssen alles spielen.“ So finden sich die vermeintlich Besseren auch mal in der Zweiten wieder – eine Kleinfeldmannschaft –, während Spielerinnen mit weniger Potenzial Erfahrung in der Bezirksliga-Elf sammeln dürfen. Kübler rotiert also gerne. Oft kommt er auch gar nicht drum herum. Der SCC ist ein Sammelbecken für Studentinnen, die auch während ihres Studiums Fußball spielen wollen, sich nach einem Verein in der Nähe umgucken und beim Probetraining vorbeischneien. Das spült dem Coach ab und an sehr talentierte Kickerinnen in den Kader, wie zum Beispiel Lisa Remmele, die bereits in der ersten Liga der Schweiz gespielt hat. Es hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: „An verlängerten Wochenenden fahren die natürlich gerne in die Heimat. Mein Team besteht zu 80 Prozent aus Auswärtigen, an manchen Spieltagen haben wir echt Probleme, unsere beiden Mannschaften zu besetzen.“

„In der B-Jugend steckt richtig Qualität"

Derzeit rangiert die Kübler-Truppe auf dem zweiten Platz in einer der beiden Bezirksliga-Staffeln, fünf Punkte hinter dem SC Concordia. Die jeweiligen Meister steigen direkt auf, die Zweitplatzierten bestreiten ein Aufstiegsspiel gegeneinander. Weckt das tatsächlich keine Ambitionen? „Noch nicht“, sagt der 39-Jährige, der einst über den Job des Pressesprechers beim 1. FC Union Berlin dem Frauenfußball näher kam. „Wenn es dieses Jahr passiert, nehmen wir das natürlich gerne mit. Wenn nicht, ist das kein Beinbruch. Aber spätestens nächstes Jahr müssen wir rauf.“ Diesen Druck macht sich Kübler nicht selber auf, sondern der Nachwuchs. „In der derzeitigen B-Jugend steckt richtig Qualität, den würde ich schon gerne wenigstens die Landesliga anbieten, wenn sie in den Frauenbereich kommen.“

Die Gunst der Stunde genutzt

Noch vor zwei Jahren hätte Kübler solche Überlegungen nicht anstellen müssen, da war der SCC von einer durchgängig qualitativen Ausbildung von den Bambinas bis zu den B-Juniorinnen ein ganzes Stück entfernt. Ein Glücksfall bescherte der Frauenabteilung den Unterbau. Bei Tennis Borussia Berlin gab es vor eineinhalb Jahren Differenzen zwischen der Vereinsführung und der Mädchenabteilung. Weil beide Vereine auf der gleichen Anlage trainieren, nutzten Kübler und die Nachwuchsabteilung des Nachbarn die Gunst der Stunde und fusionierten, ein halbes Dutzend TeBe-Trainer und ihren fast 80 Nachwuchs-Fußballerinnen wechselten den Verein, aber nicht den Ort. Mittelfristig traut Kübler dem SC Charlottenburg sogar den Sprung in die Berlin-Liga zu. „Wir haben da aber keinen Zeitplan, wer bei uns spielt, möchte das aus Spaß machen und nicht unter Druck.“

Mittlerweile wird der Frauenfußball wertgeschätzt

Wer als Ein-Mann-Betrieb aus einer "Wald- und Wiesenmannschaft" – wie es Kübler selber nennt – eine voll funktionierende Abteilung macht, hat viel Herzblut und Kraft investiert. Vor drei Jahren war Kübler auch tatsächlich ein wenig amtsmüde, gibt er zu. Er hatte sogar schon einen würdigen Nachfolger an der Angel, doch als der absprang, machte er weiter und heute hat er so viel Lust auf den Frauenfußball im Westen des Messegeländes wie zu Beginn. Mittlerweile wird der Frauenfußball auch wertgeschätzt beim SCC. Er ist in die Diskussion um die Trainingszeiten integriert; wenn es an Material fehlt, reicht eine E-Mail und die zweite Herrenmannschaft geht gern mal freiwillig in den Wald zum Laufen, um den Frauen ihren Trainingsplatz zu überlassen. In der kommenden Saison wird die zweite Mannschaft aller Voraussicht nach auch eine Großfeldmannschaft, auch ein untrügliches Zeichen für Aufschwung.

Wer Lust hat, meldet sich beim Coach

Nach seinem Engagement bei Union war Daniel Kübler zum ersten Mal in die Rolle des Frauentrainers geschlüpft – das war in der Saison 2005/2006 bei dem Verein, für den er selber lange die Kickschuhe geschnürt hatte: Blau-Weiß Spandau. Warum er dem Frauenfußball noch immer so verbunden ist, verrät er auch: „Zum einen beeindruckt mich die Fairness und ich glaube, dass die Mädels dankbarer sind als es im Männerbereich der Fall ist. Beim SC Charlottenburg fasziniert mich die unglaubliche Loyalität des Teams.“

Wer Lust hat, sich den Frauen oder Mädchen des SC Charlottenburg anzuschließen, ist jederzeit willkommen. Daniel Kübler freut sich über Post in seiner Mailbox unter danielkuebler@gmx.net.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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