Bauausschuss besucht BVG-Betriebshof Spandau
Wo auf der Busspur der Schuh drückt

Bei der Einsatzleitung holen sich die Busfahrer die Linienschilder und Schlüssel ab, wie Michael Malkowski vorführt.
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Wo übernachten eigentlich die Spandauer Busse, werden repariert und gewaschen? Wie kann die BVG die wachsende Zahl der Fahrgäste stemmen? Und worüber klagen die Busfahrer? Beim Besuch des Bauausschusses auf dem BVG Betriebshof Spandau gab es Antworten.

Überfüllte Busse, hektische Fahrgäste, Baustellen und Verkehrschaos: Linienbusfahrer stehen ständig unter Stress. In Spandau transportieren die großen Gelben rund 250.000 Fahrgäste und das jeden Tag. Denn die meisten Spandauer sind auf den Bus angewiesen, um von A nach B zu kommen. Außerhalb des Zentrums mit Rathaus und Altstadt ist das quasi überall: im Falkenhagener Feld, Staaken, Wilhelmstadt, Haselhorst, Gatow und Kladow. Die Folge: Dort, wo weder die U-Bahn noch die S-Bahn fährt, herrschen in den Stoßzeiten fast schon chinesische Verhältnisse. Die Busse sind voll und das Gedränge groß. Das nervt nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Busfahrer, die im täglichen Verkehrschaos eh schon extremer Belastung ausgesetzt sind.

Vekehrliche Infrastruktur
dringend nötig

Und es wird nicht besser. Im Bezirk entstehen neue Stadtquartiere mit zigtausend neuen Wohnungen. „Da fallen mir die letzten grauen Haare aus, wenn ich daran denke, wie wir die Menschen alle befördern sollen“, sagte Thomas Faust, Produktmanager bei der BVG. Denn außer dem Bus werde in Spandau vor 2035 sehr wahrscheinlich kein anderes Verkehrsmittel dazukommen. „Das heißt, wir als BVG müssen das Bevölkerungswachstum im Nahverkehr allein mit Bussen abdecken.“ Eine schnelle Lösung forderte deshalb auch BVG-Bezirksmanager Gerd Freitag. „Wir brauchen dringend die nötige verkehrliche Infrastruktur, wenn wir den Busverkehr in Spandau auch künftig bedarfsgerecht abdecken wollen.“

Der Appell der beiden BVG-Experten ging an den Bauausschuss der BVV. Der tagte neulich auf dem Betriebshof der BVG in Wilhelmstadt – drei Wochen nach dem Warnstreik am 14. März in Berlin. Beim Vor-Ort-Besuch erfuhren die Bezirksverordneten, wo den Busfahrern noch so der Schuh drückt. Am zentralen Verkehrsknoten Rathaus Spandau zum Beispiel – laut BVG der am stärksten frequentierte Umsteigepunkt in ganz Berlin. Dort haben die Busse jetzt schon arge Platzprobleme, weshalb sie häufig in zweiter Reihe stehen müssen, weil andere Busse gerade in den Einfahrten zu den Haltestellen vor der Ellipse stehen. Für mehrere „Bushäfen“ hintereinander wie etwa am Hardenbergplatz fehlt aber der Platz. „Auch hier brauchen wir dringend eine Lösung und zwar noch bevor in sechs Jahren die Straßenbahn durch Spandau bis Jungfernheide fährt“, sagte Gerd Freitag. Im Gegensatz zu anderen Bezirken habe Spandau aber viele Haltestellen mittlerweile barrierefrei ausgebaut. Hier gab’s von der BVG ein „dickes Lob“.

Wenn der Bus
nicht auf die Straße zurückkommt

Ein weiteres Problem für die Busfahrer sind die Haltebuchten auf vielen Straßen, vor allem auf der Heerstraße. Die kosten die Fahrer viel Zeit, vor allem beim Rausfahren, wenn sie sich wieder in den Verkehr einfädeln müssen, von Autofahrern aber nicht vorgelassen oder von Falschparkern auf der Spur blockiert werden. Die BVG setzt deshalb lieber auf die sogenannten Haltestellenkaps, also das Halten direkt am Fahrbahnrand. Zwei solcher Kaps gibt es am Blasewitzer Ring, einer entsteht gerade an der Obstallee.

Nächstes Problem: die fehlende Infrastruktur für Elektrobusse. 30 solcher Busse hat die BVG für Berlin bestellt. „Nur, dafür braucht unser Betriebshof in Spandau die nötige Ladeinfrastruktur. So ein Bus lässt sich schließlich nicht an der Haussteckdose laden“, sagte Freitag. Auch zusätzliche Stellflächen seien erforderlich, wofür der Betriebshof jedoch zu klein sei. Alternative Standorte, die groß genug wären, kann der Bezirk der BVG aber nicht anbieten.

Auch neue Buslinien nach Brandenburg (Potsdam oder Falkensee) und kürzere Taktzeiten wurden angesprochen. Um flächendeckend alle zehn Minuten fahren zu können, so wie es das Land Berlin als Aufgabenträger neuerdings vorgibt, braucht die BVG mehr Personal. Gerd Freitag: „Wir wollen 500 bis 800 neue Busfahrer einstellen, aber woher sollen wir sie nehmen.“ Derweil führt die BVG Gespräche mit brandenburgischen Landkreisen und dem VBB über neue Expressbusse ins Umland und zurück. Ergebnis: offen.

Knapp 27.000 Kilometer am Tag

Weil die Busfahrer aber nicht nur klagen wollten, gab’s zum Ende der Ausschusssitzung noch einen gemütlichen Rundgang über den Betriebshof mit BVG-Gruppenleiter Michael Malkowski. Seit Januar 1967 existiert der  Betriebshof Am Omnibushof 13. Damals einer der größten in Berlin ist er heute der kleinste der insgesamt sechs BVG-Betriebshöfe in der Hauptstadt. 145 Gelenkbusse, von denen jeder 40 Tonnen wiegt und 18,7 Meter lang ist, 37 Eindecker (Kleinbusse) und 33 Doppeldecker starten und enden hier. Nicht alle gleichzeitig, manche stehen im Depot und warten auf ihre Schicht oder müssen repariert oder betankt werden. Zum Personal gehören 338 Busfahrer und 64 Busfahrerinnen, pro Schicht sind zwölf Festangestellte im Einsatz, inklusive Einsatzleiter und Rangierer. Die tägliche Fahrleistung liegt wochentags bei 26.953 Kilometern. Jeder gefahrene Bus wird abends auf dem Betriebshof gewaschen, alle drei Monate steht eine Grundreinigung an. Dann werden die Scheiben geputzt, die Böden gesäubert, Kaugummis entfernt, die Haltestangen gewischt und die Polster gesaugt.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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