Werke eines vergessenen Künstlers
Digitale Ausstellung erinnert an den Reinickendorfer Maler Max Grunwald

Eines von mehreren Bildern Max Grunwalds von der Dorfkirche Alt-Wittenau.
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  • Eines von mehreren Bildern Max Grunwalds von der Dorfkirche Alt-Wittenau.
  • Foto: Copyright: Evangelische Kirchengemeinde Wittenau
  • hochgeladen von Thomas Frey

Das Werk des Reinickendorfer Malers Max Grunwald (1889-1960) reicht von Ölgemälden, Aquarellen, Zeichnungen und seine Motive von Portrait- und Landschaftsmalerei über Architektur und Bauwerke und nicht zuletzt christliche oder kirchliche Themen. Als "Kirchenmaler" hatte er zwar deshalb in Fachkreisen einen Namen, ansonsten waren Grunwald und sein Werk bisher nahezu vergessen.

Das könnte sich jetzt ändern. Denn die evangelische Kirchengemeinde Wittenau sitzt seit 20 Jahren auf einem Kunstschatz, den sie erst jetzt wirklich zu heben beginnt. In ihrem Besitz befindet sich der größte Teil des künstlerischen Nachlasses von Max Grunwald: mehr als 600 seiner Bilder.

Verkaufserlös zum Erhalt der Dorfkirche

Der Maler wohnte bis zu seinem Tod gegenüber der Dorfkirche Alt-Wittenau. Schon deshalb hat er sich auch mit ihr immer wieder künstlerisch beschäftigt. Alleinerbin seiner Werke war seine einzige Tochter Christine, die 2001 starb. Zuvor hatte sie bestimmt, dass die Arbeiten ihres Vaters der Kirchengemeinde zugute kommen sollen. Auch den Schenkungszweck hatte sie festgelegt: Durch den Verkauf der Bilder solle der Erhalt des denkmalgeschützten Gotteshauses sicher gestellt werden.

Die Gemeinde schien damals mit dem Geschenk und seiner Handhabe überfordert. Einige der ursprünglich knapp 700 Gemälde und Zeichnungen wurden veräußert, in der Regel deutlich unter ihrem eigentlichen Wert. Sehr schnell verebbte auch das Interesse an einer weiteren Beschäftigung mit dem Werk. Der Nachlass wurde sicher verwahrt und geriet mehr oder weniger in Vergessenheit. Erst knapp 20 Jahre später wurde er wieder gehoben. Dank einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin, die die Arbeiten entdeckte und ihre Bedeutung erkannte.

Online-Ausstellung mit Werken

Was jetzt in eine Online-Präsentation auf der Website der Galerie Waidmannslust mündete. Dort werden zunächst etwa 100 Beispiele von Max Grunwalds Schaffen gezeigt. Weitere können auf Wunsch ebenfalls zur Verfügung gestellt werden.

Diese zunächst netzöffentliche Ausstellung ist vor allem Wolfgang Nieschalk zu verdanken. Er betreibt die Website und steht außerdem dem Förderverein der Königin-Luise-Kirche in Waidmannslust vor. Verein und Gemeinde pflegen auch enge Kontakte nach Wittenau. So erfuhr Wolfgang Nieschalk von dem Fund.

Es gibt oder besser gab auch einen direkten Bezug zwischen Max Grunwald und der Königin-Luise-Kirche. Einer seiner ersten öffentlichen Aufträge war 1913 die Gestaltung von Retabeln für den dortigen Altar. Sie wurden während eines Umbaus in den 1960er-Jahren herausgerissen und sind seither verschwunden.

Bereits zwei Jahre zuvor hatte er an noch prominenterer Stelle im heutigen Bezirk gewirkt. Von ihm stammte ein dreiteiliges Wandgemälde für den großen Sitzungssaal des neu erbauten Rathauses am Eichborndamm.

Zu seinen Lehrern gehörte Max Slevogt

Erste Erfolge in jungen Jahren, die eigentlich den Grundstock für eine ganz große Karriere hätten legen können. Zumal bei der Ausbildung zum Dekorationsmaler am Königlichen Schauspielhaus auch Koryphäen jener Zeit wie Max Slevogt zu seinen Lehrern gehörten.

Dass es dazu nicht gekommen ist, führt Wolfgang Nieschalk auf seine schlechte Eigenvermarktung zurück. "Max Grunwald war ein begabter Maler und ein genialer Zeichner, der es aber nicht verstand, sein Können ins rechte Licht zu rücken." Er hätte nur wenige Gönner gehabt und "es gelingt ihm nicht, seine Kunst professionell genug zu vermarkten, so dass er sehr oft in finanziellen Schwierigkeiten steckt". Diesem Umstand sei es jetzt zu verdanken, dass sein Lebenswerk weitgehend zusammengeblieben sei.

Mit Auftragsarbeiten Geld verdient

Wenn der Maler Geld verdient, dann meist mit Auftragsarbeiten. Auch während des "Dritten Reichs", als er zum Beispiel Brückenbauten für die Reichsautobahnen ins Bild setzt. Voraussetzung für solche und weitere Arbeiten ist die Zwangsmitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste. Der kommt auch Max Grunwald nach, ist gleichzeitig aber nur bei zwei großen Kunstausstellungen jener Jahre vertreten. 1934 in Berlin und fünf Jahre später in Dresden. Distanz zum Regime zeigte sich vor allem dadurch, dass er 1934 eine Wittenauer Gruppe der evangelischen Oppositionsbewegung "Bekennende Kirche" gründet, die sich in seinem Wohnzimmer zu verbotenen Gottesdiensten trifft. 1944 wird er mit 55 Jahren noch zum Militärdienst eingezogen und kommt bei Kriegsende in Schleswig-Holstein in britische Gefangenschaft.

Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg liegt Grunwalds Schwerpunkt auf religiösen Themen. Etwa teilweise verfremdete biblische Szenen. Dazu gehört zum Beispiel ein Jesus mit Dornenkrone im Berliner Lustgarten. Berliner, auch Reinickendorfer, Orte und Motive sind auch darüber hinaus stark vertreten.

Die digitale Ausstellung kann man sich unter www.galerie-waidmannslust.de nicht nur anschauen, sondern die Werke auch kaufen. Der Erlös kommt dem Erhalt der Dorfkirche Alt-Wittenau zugute.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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