Moderne Neubauten statt Plattenbau
Zwei Investoren planen gemeinsam ein neues Quartier

Kevin Hönicke, Ulrich Schiller, Michael Grunst, Thorsten Nehls und Martin Schäfer (von links nach rechts) stehen im Lichtenberger Rathaus mit gebotenem Abstand an einem Modell des geplanten Quartiers.
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  • Kevin Hönicke, Ulrich Schiller, Michael Grunst, Thorsten Nehls und Martin Schäfer (von links nach rechts) stehen im Lichtenberger Rathaus mit gebotenem Abstand an einem Modell des geplanten Quartiers.
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Nach jahrelangem Leerstand soll sich auf dem Gelände der ehemaligen DDR-Vertragsarbeitersiedlung endlich etwas tun.

Auf den Grundstücken an der Gehrensee-, Wartenberger, Haupt- und Wollenberger Straße entstand Anfang der 1980er-Jahre ein Wohnquartier, in dem Vertragsarbeiter aus Vietnam, Mosambik und Angola lebten. 1994 wurden die Häuser leergezogen. Seitdem ist diese Siedlung eine Stadtbrache, ein städtebaulicher Missstand, wie es Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke) nennt. In den vergangenen Jahren versuchten sich mehrere Projektentwickler an der Siedlung. Aber keinem gelang es, tatsächlich ein umsetzbares Konzept vorzulegen. Das soll sich nun ändern.

Auf dem Gelände soll ein neues Quartier mit bis zu 2200 Wohnungen, zwei Kitas, einer Grundschule sowie Gewerbe und Kultur entstehen. Dieses Vorhaben gehen der private Investor Belle Époque Gesellschaft für behutsame Stadterneuerung und die Wohnungsbaugesellschaft Howoge gemeinsam an. Für Thorsten Nehls, Geschäftsführer von Belle Époque, ist klar, dass das für einen Investor kaum allein zu stemmen ist. Auch Howoge-Geschäftsführer Ulrich Schiller ist froh, dass beide Unternehmen das Projekt gemeinsam angehen. „Schon die Kosten für den Abriss der alten Gebäude könnten wir als städtische Gesellschaft kaum allein finanzieren“, sagt er.

Umbau wäre zu teuer

„Wir prüften gemeinsam mit den Fachabteilungen vom Bezirksamt und Senat, ob ein Erhalt der alten Gebäude möglich ist“, berichtet Thorsten Nehls. „Dagegen sprachen mehrere Aspekte. In den Häusern gibt es bis zu 40 Meter lange Flure, relativ niedrige Decken und es fehlen Brandschutzanlagen. Ein Umbau und eine Sanierung wären viel zu teuer. Deshalb entschieden wir uns für einen Abriss und den Bau neuer Häuser.“ Die Bauherren entschieden sich für ein sehr nachhaltiges Vorgehen. Abrissmaterialien werden für den Bau des neuen Quartiers wiederverwendet. Außerdem sollen neue Gebäude mit Holz aus Brandenburger Wäldern entstehen. Im Quartier wird es viele Grün- und Freiflächen geben.

Aus einem städtebaulich-architektonischen und freiraumplanerischen Werkstattverfahren ging das Architektenbüro MLA+ in Zusammenarbeit mit dem Atelier Loidl als Gewinner hervor. Beide entwickelten den Masterplan für das Quartier. Um weitere Anregungen zu erhalten, luden die Investoren Ende August außerdem 70 internationale Experten aus den Fachgebieten Stadtplanung, Architektur und Immobilienwirtschaft zu einem zweitätigen Workshop ein. Auch Stadtentwicklungsstadtrat Kevin Hönicke (SPD) war dabei. „Ich bin froh, dass sich nach 17 Jahren Leerstand und Zerfall auf dieser Fläche endlich etwas tut und mit neuen Ideen ein städtebaulicher Missstand beendet werden soll“, sagt er. Bereits in Arbeit ist im Bezirksamt ein Bebauungsplan für das Quartier.

Auch Anregungen von Anwohnern wurden erfragt. Am Stadtteildialog im vergangenen Jahr nahmen 150 Bürger teil. Ihnen wurde der Masterplan präsentiert und sie konnten sich dazu äußern. Weitere Bürgerbeteiligungsveranstaltungen sind, je nach Planungsfortschritt, vorgesehen.

Keine Schule "von der Stange"

Bürgermeister Michael Grunst ist sicher, dass die Umsetzung ein Highlight für den Bezirk wird. „Lichtenberg wächst. Wir brauchen weitere Wohnungen“, sagt er. Derzeitiger Stand ist, dass die Howoge im neuen Quartier 600 Wohnungen, die Hälfte davon im mietpreisgebundenen Segment, und Belle Époque 1600 Wohnungen, davon ein Drittel ebenfalls im mietpreisgebundenen Segment, baut. Von beiden Vorhabenträgern wird dem Land Berlin die Fläche für eine dreizügige Grundschule zur Verfügung gestellt. „Das wird allerdings keine Schulgebäude von der Stange. Es wird extra für dieses Quartier konzipiert“, sagt Schulstadtrat Martin Schaefer (CDU).

2021 soll der Bebauungsplan beschlossen werden. Sobald das absehbar ist, kann mit dem Rückbau begonnen werden, so Belle-Époque-Geschäftsführer Nehls. Nach Baubeginn rechnet er mit etwa dreieinhalb Jahren bis zur Fertigstellung. Mit Blick auf die aktuellen Baukosten gehen die Investoren von einer Investitionssumme zwischen 250 bis 300 Millionen Euro aus.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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