Erzieher sollen nur noch Deutsch reden
Schulleiterin erteilt Hortbetreiber ungewöhnliche Auflagen – Keine Fremdsprache mehr erlaubt

Eltern und Kinder wollen, dass ihr Hort in den Händen des Kleinen Fratz bleibt.
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„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsern Kleinen Fratz klaut“, riefen Kinder und Erwachsene am 21. Oktober vor der Zürich-Grundschule an der Wederstraße 49. Grund der Empörung: Die Schulleiterin hatte dem Hortbetreiber nach fast zehn Jahren Arbeit mit Kündigung gedroht.

Gleichzeitig hatte sie den Erzieherinnen und Erziehern die Auflage gemacht, sich künftig nur noch auf Deutsch mit Eltern, Kindern und untereinander zu unterhalten. „Das ist ein enormer Druck für die Kollegen“, sagt Nuran Kara. Sie ist die Leiterin des Hauses der Familie an der Glasower Straße, das ebenfalls von der gemeinnützigen Gesellschaft Kleiner Fratz betrieben wird. Sie trat bei der Demonstration als Unterstützerin und Sprecherin auf.

Interkulturelle Kompetenz ungenutzt

Rund 160 Kinder besuchen den Hort nach dem Unterricht, betreut werden sie von zehn Mitarbeitern. Fünf von ihnen haben einen türkischen Hintergrund, eine Erzieherin spricht daneben auch Arabisch. Selbstverständlich sei die alltägliche Umgangssprache deutsch, betont Kara. Doch was ist, wenn ein Flüchtlingskind aus der Unterkunft an der Karl-Marx-Straße noch kein Wort davon versteht? Was, wenn einer türkischen Mutter das pädagogische Konzept des Horts erklärt werden soll? Liegt es nicht nahe, die ihr vertrautere Sprache zu nutzen? Klare Sache für Nuran Kara, aber die Erzieher würden inzwischen in solchen Fällen lieber mit dem Elternteil nach draußen gehen. „Neulich hat sich ein Kind verletzt, der Vater musste angerufen werden. Der hat kaum verstanden, was passiert war, aber die Kollegin hat sich nicht getraut, mit ihm Arabisch zu reden.“

Sie hält das Verbot für diskriminierend und glaubt, dass es der Schulleitern Heike Esterle, die seit rund einem Jahr im Amt ist, nur um eine bestimmte Gruppe gehe, nämlich die türkisch-arabische. Diese beiden Sprachen habe sie anfangs in Gesprächen auch ausdrücklich genannt. Von anderen, beispielsweise Bulgarisch oder Polnisch, sei keine Rede gewesen. Kara hat sich nun in dieser Sache an die Antidiskriminierungsstelle des Senats gewandt.

Schulkonferenz bleibt dem Träger treu

Eins scheint festzustehen: Der Kleine Fratz wird Träger des Horts bleiben. Das hat die Schulkonferenz, in der Lehrer und Eltern sitzen, vor wenigen Tagen beschlossen. Ob die Regelung, nur noch deutsch zu reden, bestehen bleibt, sei derzeit unklar, so Kara. In ihren Augen ist jedoch weder das Sprachverbot noch die Haltung der Schulleiterin vertretbar.

So sieht das auch der Bezirksverordnete Bertil Wewer (Grüne). „Es ist doch ein echter Vorteil, wenn viele Sprachen gesprochen werden“, sagt er. Er will bei der Bezirksverordnetenversammlung am 30. Oktober eine Anfrage zu der Sache stellen. Schulleiterin Heike Esterle wollte gegenüber der Berliner Woche keine Stellung nehmen.

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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