Als die Kanäle plötzlich tabu waren
Vor 60 Jahren eröffnete das Sportbad Britz / Feuer vernichtete viele Erinnerungen

Das Sportbad im Jahr 1960. Das Foto wurde mit Blick gen Johannisthaler Chaussee aufgenommen.
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  • Das Sportbad im Jahr 1960. Das Foto wurde mit Blick gen Johannisthaler Chaussee aufgenommen.
  • Foto: SG Neukölln
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In diesen Tagen feiert das Sportbad Britz am Kleiberweg 3 seinen 60. Geburtstag. Genutzt wird das Bad von der Neuköllner Schwimm-Gemeinschaft, mit rund 4400 Mitgliedern der größte Verein seiner Art in ganz Berlin. Er kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Begonnen hat alles im Jahr 1898, als sich die Schwimm-Union Rixdorf gründete. Wie auch viele andere Berliner Sportler trainierten sie noch in Flüssen und Kanälen. Veranstaltungen wie der Schwimmwettkampf „Quer durch Berlin“, der in den Zwanzigerjahren auch an der Lohmühlenbrücke vorbeiführte, zogen scharenweise Besucher an.

Ihre erste feste Trainingstätte fanden die Neuköllner in der Stolzenburg’schen Volksbadeanstalt, auch „Die Wanne“ genannt. Sie lag an der Canner Chaussee – heute Neuköllnische Allee – nahe dem heutigen Unterhafen. Das auch bei der Bevölkerung enorm beliebte Freibad musste 1914 dem Ausbau der Hafenanlage weichen.

Verbot wegen Seuchen

Inzwischen war zwar das prächtige Hallenbad an der Ganghoferstraße fertig und es taugte hervorragend für die kalte Jahreszeit. Aber die Schwimmer sehnten sich in den Sommermonaten nach einer Anlage unter freiem Himmel. Zwei Jahre lang, von 1920 bis 1922, pachteten sie ein Gelände neben der Grenzalleebrücke, dann zogen sie ans Sieversufer. Doch auch hier währte das Sportlerglück nicht lange, denn 1928 begann der U-Bahn-Bau. So wanderten sie weiter.

Im Jahr 1956 untersagte das Bundesgesundheitsamt das Baden und Schwimmen in Kanälen – die Seuchengefahr war zu groß. Mehr als ein Viertel aller Berliner Schwimmvereinsmitglieder standen nun ohne Trainingsstätte da. Zusammen mit dem Betriebsverein der Rudower Eternit-Werke schafften die Neuköllner es, das Sportbad Britz im Sommer 1959 zu eröffnen. Was die Temperaturen anging, durfte niemand zimperlich sein: Das Wasser war ungeheizt, erst nach elf Jahren wurde das Freibad ans Fernwärmenetz angeschlossen.

Völlig ausgebrannt

Ein Unglück geschah am 7. Oktober 1972: Das Vereinsheim, die Umkleiden und alle Unterkünfte brannten ab. Ein großer Verlust, auch unter sportgeschichtlichem Aspekt. Fast alle Dokumente, Fotos und Urkunden wurden vernichtet. Fünf Jahre später standen dann neue Bauten.

Vom Herbst 1994 bis zum Sommer 1996 folgte eine Zwangspause. Das alte Bad hatte die normale Nutzungsdauer längst überschritten, die Reparaturen nahmen überhand, ein neues wurde gebaut.

Heute gibt es am Kleiberweg ein Sportbecken, ein Lehrschwimmbecken und ein Babybecken. Neben den Vereinsmitgliedern nutzen Schulen und Kitas das Bad. Außerdem dient es dem Betriebs- und Gesundheitssport und dem „Dienstschwimmen“, das beispielsweise Polizisten und Feuerwehrleute zu absolvieren haben.

Wer Interesse hat, tiefer in die Geschichte der Schwimm-Gemeinschaft Neukölln einzutauchen, dem steht das Archiv dienstags von 17 bis 19 Uhr in der Geschäftsstelle zur Verfügung. Infos unter 603 50 10 und info@sg-neukoelln.de.

Das Sportbad im Jahr 1960. Das Foto wurde mit Blick gen Johannisthaler Chaussee aufgenommen.
Schwimmer an der Lohmühlenbrücke - bereit für den Wettbewerb "Quer durch Berlin".
Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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