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Septum-Piercing: Immer mehr Frauen tragen Nasenringe

Celina (19) trägt privat stets den Septum. Die Hotelfachfrau modelt auch mit ihrem Nasenring.
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BERLIN - Ob im Supermarkt an der Kasse, Rezeption oder im TV: Auch unsere Berlinerinnen tragen immer häufiger Nasenschmuck. Im Alltag ist der sogenannte Septum ein echter Hingucker. Aber wie reagieren Arbeitgeber? Nicht nur das erzählte mir Model Celina Borowski, die es wissen muss.

In der U-Bahnlinie 5 saß mir letztens eine Dame gegenüber und trug diesen Nasenring, ihr Freund daneben auch. Im Supermarkt sagte mir "meine" Verkäuferin, die selbst ein solches Piercing trug, dass man diesen Schmuck Septum nennt. Den trugen schon die Azteken (mesoamerikanische Zivilisation zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert) und Mayas aus religiösen Gründen. Heute hat der Körperschmuck in Afrika und Asien weiterhin eine besondere Tradition. Und von Hellersdorf bis runter nach Lichterfelde tragen vor allem immer mehr junge Frauen den einstigen Trendschmuck der 90er wieder stolz in ihrer Nase. Selbst wenn ihn manche als "Rotzglocke" verpöhnen - der Septum bleibt ohne Frage ein tolles Accessoire. Allerdings auch im Job? Dieser und andere Fragen bin ich nachgegangen und traf ein Septum-Model.

Celinas erstes Piercing hatte sie mit 13 

Wenn Celina Borowski von Friedrichshain rüber in den Kreuzberger Wrangelkiez läuft, schaut sie keiner komisch an. Freunde und Teile der Familie leben in Berlin, ihre Arbeit hat sie in einer beschaulichen hessischen Kleinstadt; geboren wurde Celina auf dem Land in Thüringen. Doch die 19-Jährige sorgt nicht mal mehr in kleinen Örtchen mit ihrem Nasenring für Aufsehen. "Mittlerweile muss ich sagen, find' ich den Septum nicht mehr besonders. Jede zweite trägt ihn jetzt", erzählte mir Celina. "Ich kann es aber nicht übers Herz bringen, ihn raus zu machen. Alle meine Freunde sagen dann, dass ich ohne komisch aussehe."

Celina hat sehr früh mit Tattoos und Piercings angefangen. Mit 13 bekam sie ihr erstes Piercing, ein Helix (werden an der Kante des Ohres getragen). Es folgte das selbst gestochene Tattoo "MAMA" am Bein. "Weil ich nicht durfte, musste ich es damals heimlich machen." Das Wort "MAMA" hat sie nicht überstechen lassen, sondern daraus ein Bild gemacht. Celina fing mit 18 an zu modeln, unter ihrem Shirt viele gestochene Tattoos. Ihre Hautbilder ästhetisch, sexy, aber nie zu frivol. "Gerade durch meine Hautkrankheit mache ich gerne Bilder, die etwas freizügig sind, auch um Menschen mit Hautkrankheiten zu beweisen, dass sie sich auch mit kaputter Haut nicht verstecken brauchen und schön sind."

Mit Septum Nase putzen - klappt das?

Ihren auffälligen Nasenring trägt Celina schon seit drei Jahren. "Mein Septum habe ich mir mit 16 machen lassen. Normalgröße ist 1,2 Millimeter, aber da ich gerne auffalle, habe ich mir meinen Septum auf 2,5 Millimeter gedehnt." Tut das nicht weh, fragte ich Celina. "Von 21 Piercings war das das einzige, was ich nicht gemerkt habe, obwohl das sehr schmerzhaft sein soll."

Wie ist das eigentlich bei Schnupfen und Nase putzen beim Septum? "Ob man es glaubt oder nicht, beim Septum putzt man sich trotzdem normal die Nase (lacht). Was nur komisch ist: Wenn es kalt ist, wird der Septum feucht und fängt an zu tropfen. Nein, das ist kein Nasenschleim, einfach nur Feuchtigkeit. Das ist halt ziemlich ekelhaft für manchen und sehr komisch. Aber da kann ich mit umgehen."

Manche Gäste beschweren sich schon

Heute rät Celina übrigens Jugendlichen ab, schon zu früh mit dem Septum anzufangen. "Davon, dass sich viele schon unter 18 stechen lassen, halte ich nichts. Ich habe diesen Fehler gemacht." Celina empfiehlt jungen Menschen, die sich in die Nase stechen lassen wollen, erstmal zu schauen, was man beruflich machen möchte und ob Nasenschmuck in der Branche erlaubt ist. "Wenn nämlich nicht, musst du den Nasenring wieder raus nehmen und das Loch wird wahrscheinlich wieder zu wachsen oder man hat die sichtbaren Löcher, was auch nicht so gerne gesehen wird."

Celina ist Angestellte in einem Hotel, hat kürzlich ihre Prüfung bestanden und arbeitet dort im Restaurant und an der Rezeption. "Während der Arbeitszeit klappe ich meinen Septum in die Nase, den Rest meiner Piercings lasse ich drinnen." Ihr Arbeitgeber habe damit kein Problem. Und die Gäste? "Die einen finden es mega interessant und fragen mich viele Sachen dazu. Andere Gäste beschweren sich auch. Aber besonders in der Hotelbranche ist es mittlerweile so, dass vieles nicht mehr auf die Goldwaage gelegt wird - ansonsten könnten sie, glaube ich, auch dicht machen (lacht)." 

Das sagen Arbeitgeber zum Nasenring

Und wie handhaben es andere Unternehmen mit dem Nasenschmuck ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Dürfen Angestellte in Berlin ein Septum tragen? 

Hierzu antwortete mir der Sprecher der Rewe Group: "So unterschiedlich wie unsere Kunden sind auch unsere Mitarbeiter. Aus diesem Grund haben wir keine Vorgaben hinsichtlich Haarfarbe, Piercings, Tattoos etc. Die einzige Vorgabe, die wir unseren Mitarbeiter machen, ist ein gepflegtes Äußeres."

Phillip Winter, CMO / Marketing-Chef von a&o Hostels schrieb mir: "a&o stellt gerne die richtige Balance zwischen persönlichem Stil und sicherer und angemessener Arbeitskleidung her. Piercings und Schmuck sind erlaubt, sofern Hygiene- oder Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften nicht dagegen sprechen, was zum Beispiel in der Küche - also in Bereichen, wo Lebensmittel eine Rolle spielen - der Fall sein kann. Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter ihren eigenen Stil haben und gleichzeitig die richtige Atmosphäre für unsere Gäste schaffen und den Anforderungen eines Dienstleistungsumfeldes gerecht werden." 

Auch Kaufland gibt sich sehr tolerant beim Septum - eine Sprecherin per E-Mail: "Für Kaufland stehen die Kunden und ein angenehmes Einkaufserlebnis im Mittelpunkt. Solange dies und die Einhaltung von Hygienevorschriften gewährleistet sind, gibt es bei uns keine Einwände zu Piercings. Bei Mitarbeitern, die mit Maschinen arbeiten, sind die Arbeitsschutzvorschriften zu beachten. Dies gilt aber genauso für lange Ketten, Haarschmuck, Ringe, lose Kleidung etc. und ist eine Selbstverständlichkeit."

Für die Promis sind Nasenringe voll in

Vor der Kamera sind Piercings und Ringe längst angesagt. Liza Waschke ist bekannt aus der RTL2-Serie "Berlin - Tag & Nacht" und trägt nicht nur in ihrer TV-Rolle den Nasenring. Die 29-jährige Influencerin sieht man auf fast jedem Foto auf Instagram mit ihrem Nasenschmuck. Ein Markenzeichen ist der Nasenring für Sara Pétursdóttir - bekannt unter ihrem Künstlernamen Glowie - längst: Die 22-Jährige tritt in ihren Clips und auf Livekonzerten stets mit einem Schmuck in der Nase auf.

Autor:

Marcel Adler aus Friedrichshain

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