Kapelle der Versöhnung sucht ehrenamtliche Helfer für den Besuchsdienst

Kirchenhüterin Nadine Faßbender und Pfarrer Thomas Jeutner am Infomobil, an dem es gegen eine Spende kleine Säckchen mit Roggen gibt, der jedes Jahr als Zeichen des Gedeihens und Wachsens neben der Kapelle geerntet wird.
  • Kirchenhüterin Nadine Faßbender und Pfarrer Thomas Jeutner am Infomobil, an dem es gegen eine Spende kleine Säckchen mit Roggen gibt, der jedes Jahr als Zeichen des Gedeihens und Wachsens neben der Kapelle geerntet wird.
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Mitte. Die Kapelle der Versöhnung ist ein Ort des Gedenkens und der Zuversicht. Seit zwei Jahren sorgen ehrenamtliche Kirchenhüter dafür, dass das weltweit bekannte Gotteshaus im früheren Todesstreifen an der Bernauer Straße geöffnet ist. Doch Pfarrer Thomas Jeutner braucht dringend Verstärkung.

Dieser schlichte Lehmbau mit der Holzfassade ist eine Kirche? Das merken die bis zu 2000 Gäste, die täglich aus aller Welt hierher kommen, meist erst, wenn sie das Kreuz und den Altar im Inneren des Rundbaus sehen. Aber die Kapelle der Versöhnung, die 1999 auf den Fundamenten der 1985 gesprengten Versöhnungskirche errichtet wurde, ist auch viel mehr als eine Kirche. Sie ist vor allem ein spiritueller Ort, ein Ort des Gedenkens und der Zuversicht. Und ein Symbol der Teilung, mitten im einstigen Todesstreifen in der Mauergedenkstätte Bernauer Straße.

Lust auf Kommunikation

20 Kirchenhüter kümmern sich derzeit um den Besuchsdienst. Sie beantworten Fragen zur Geschichte des Ortes, sorgen für Ruhe in der Kapelle, wenn größere Reisegruppen kommen. Sie zünden die Altarkerze an oder läuten die Glocken. „Ohne die Kirchenhüter könnten wir die Kapelle nicht Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr offenhalten“, sagt Thomas Jeutner, Pfarrer der Evangelischen Versöhnungsgemeinde. Er sucht weitere Mitstreiter für den Besuchsdienst. Einzige Bedingung für den Einsatz: Lust auf Kommunikation. Zwei Stunden dauert eine Hüterschicht. Es gibt keine starren Dienstpläne, jeder kommt, wie er kann und möchte. Unter den Hütern ist eine Journalistin, eine medizinische Angestellte und ein Hotel-Concierge – querbeet wie die Besucher; egal, ob kirchlich oder nicht.

Geschichte der Mauer

Nadine Faßbender sagt von sich, dass sie Atheistin ist und „mit Kirche eigentlich nichts am Hut hat“. Sie ist seit dem Start des Hüterprojektes 2014 dabei, kommt zwei Mal die Woche. Die 37-Jährige wohnt in Wedding und hat bei einem Gitarrenkurs von den Hütern gehört. „Ich wollte etwas zurückgeben“, sagt sie. Die Geschichte der Versöhnungskapelle kannte sie bis dahin nicht und war fasziniert. Als Kind war die Leipzigerin mit ihren Eltern bei den Montagsdemos; jetzt erklärt sie gern die Teilungsgeschichte an diesem Ort der Mauertoten.

„Der coolste Pfarrer der Welt“

Mittlerweile läutet sie sogar manchmal die Kirchenglocken oder hält die biografische Andacht, die zum Gedenken an die Grenzopfer täglich um 12 Uhr stattfindet, inklusive Gebet danach. „Anfangs hatte ich Probleme damit“, sagt Faßbender. Obwohl sie nicht an Gott glaubt, macht ihr das hier riesigen Spaß. „Thomas ist der coolste Pfarrer der Welt“, sagt Nadine. Für Jeutner ist seine atheistische Hüterin ein gutes Beispiel dafür, worauf es ihm ankommt: auf die bunte Mischung, auf das Verbindende, auf Gemeinsamkeit.

„Der Gottesgedanke hat sehr viel mit Freiheit, Begegnung und Offenheit zu tun“, sagt Pfarrer Jeutner. „Hier, wo an der Grenze Schluss war, ist wieder Anfang und Begegnung.“ DJ

Wer das ehrenamtliche Kirchenhüterteam verstärken möchte, meldet sich im Kirchenbüro bei Rainer Just unter  463 60 34 oder per E-Mail: kirche.versoehnung@berlin.de.
Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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