„Ich bin glücklich hier“: Flüchtling spricht von seiner Flucht und dem Alltag in Berlin

Der 19-jährige Afghane Haseebullah Aryan teilt sich mit seinem Bruder ein Etagenbett in der zur Notunterkunft umgebauten Sporthalle am Efeuweg.
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  • Der 19-jährige Afghane Haseebullah Aryan teilt sich mit seinem Bruder ein Etagenbett in der zur Notunterkunft umgebauten Sporthalle am Efeuweg.
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Gropiusstadt. Im Herbst letzten Jahres kam der 19-jährige Haseebullah Aryan mit seinem älteren Bruder aus Afghanistan nach Deutschland. Seit November bewohnen sie mit fast 180 weiteren Flüchtlingen die zur Notunterkunft umfunktionierte Sporthalle im Efeuweg.

Eigentlich will Haseebullah Aryan gerade zum Beten in die Moschee fahren, als ihn die stellvertretende Heimleiterin Merle Amelung gerade noch vor dem Ausgang erwischt. An die Verabredung mit einer Reporterin, die seit zwei Wochen gemeinsam mit seinem 23-jährigen Bruder Hafeezullah vereinbart ist, hat er gar nicht mehr gedacht. Der Bruder ist auch prompt weg, aber Haseebullah lässt sich noch überreden, sein Gebet zu verschieben. Und so erzählt der junge Mann, der in Afghanistan noch kurz vor seiner Flucht sein Abitur gemacht hat, doch noch eine ganze Menge aus seinem Leben.

Zum Beispiel von der Flucht der beiden Brüder aus Afghanistan, die gefährlich und anstrengend war. Weil sein Asylverfahren derzeit läuft, möchte er nichts über die Gründe erzählen, die sie aus der Heimat wegtrieben. Nur so viel verrät er, dass es der dringende Wunsch der Mutter war und der Rest der Familie später nachkommen wollte, aber nicht mehr konnte. „Zum einen reichte das Geld nicht mehr und dann war die Balkanroute zu“, erzählt der junge Muslim. Ihre Flucht, die zwei Monate andauerte, führte die Brüder über Pakistan, Iran, Türkei, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Österreich – mit dem Auto oder zu Fuß.

Oft mussten sie im Freien übernachten, hatten Hunger und Durst. In Deutschland angekommen, wurden sie zunächst in einer Flüchtlingsunterkunft in Neumünster einquartiert. Während sich die Brüder dort ein eigenes Zimmer mit einem Freund teilen konnten, sah es einen Monat später in Berlin anders aus. Die Matratzen wurden gerade in der Sporthalle am Efeuweg angeliefert, als die Flüchtlinge eintrafen. „Wir waren enttäuscht und konnten uns zunächst gar nicht vorstellen, hier zu bleiben, mit so vielen Menschen in einem Raum“, sagt Haseebullah. Mittlerweile haben sich die beiden Afghanen an den Alltag in der Notunterkunft gewöhnt.

Seit vier Monaten lernt Haseebullah Deutsch, fährt jeden Morgen mit der U-Bahn nach Haselhorst. Sein Bruder muss damit noch warten. „Für Afghanen ist es schwierig. Sie kommen meist erst in einen Integrationskurs, wenn sie ein Bleiberecht haben“, erklärt Dirk Palachowski, Leiter der Notunterkunft von der Beschäftigungsagentur Berlin Brandenburg. Für die Bewohner gibt es aber immerhin auch ein ehrenamtliches Deutschkurs-Angebot im Hause. „Es wäre toll, wenn sich noch mehr freiwillige Helfer fänden, die unseren Bewohnern Deutsch beibringen“, sagt der Leiter.

Haseebullah hat Spaß am Deutsch lernen. „Das Lerntempo könnte noch schneller sein“, findet er, der insgesamt sechs Sprachen spricht, darunter indische Dialekte und Farsi. Nach der Schule macht er jeden Tag seine Hausaufgaben, dreimal die Woche spielt er Fußball. „Ich bin glücklich hier“, sagt Haseebullah. „Die Leute sind nett und sympathisch. Nur mein Schlafplatz gefällt mir nicht. Man hat hier nie seine Ruhe.“ Er hofft, bald eine Wohnung beziehen können. Haseebullah möchte bald gern Informatik und Wirtschaft studieren, sein Bruder mit dem Studium der Zahnmedizin fortfahren. Welche Pläne haben sie, wenn sie doch zurück nach Afghanistan müssen? „Keine Ahnung“, sagt er. „Für diesen Fall haben wir keinen Plan gemacht.“ SB

Autor:

Sylvia Baumeister aus Neukölln

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