Im Gruselkabinett ist eine Schlüsselposition zu besetzen

Erschrecker Robin Kiewe (ganz rechts mit Maske) zusammen mit Marlit Friedland (links) und zwei Horrorpuppen aus dem Gruselkabinett.
  • Erschrecker Robin Kiewe (ganz rechts mit Maske) zusammen mit Marlit Friedland (links) und zwei Horrorpuppen aus dem Gruselkabinett.
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  • hochgeladen von Thomas Frey

Kreuzberg. Robin Kiewe hatte in den vergangenen 14 Monaten einen ungewöhnlichen Beruf. Der 25-Jährige arbeitete als Erschrecker im Berliner Gruselkabinett im Bunker an der Schöneberger Straße 23a.

Aber zum 1. Dezember wird Robin seinen Job aufgeben. Deshalb braucht seine Arbeitgeberin Marlit Friedland einen neuen Erschrecker, nach dem sie inzwischen kräftig sucht. Vielleicht sollte man an dieser Stelle zunächst das Anforderungsprofil dieser ja nicht gerade massenhaft nachgefragten Tätigkeit darstellen. Ein Erschrecker hat, klar, die Aufgabe, dem Publikum, abseits der ohnehin vorhandenen Horror-Exponate, noch zusätzlich das Fürchten zu lehren. Etwa, indem er, selbstverständlich entsprechend maskiert, überraschend aus einer dunklen Ecke auftaucht.

Für solche Auftritte sei im Gruselkabinett körperliche Fitness ganz wichtig, erklärt Robin Kiewe. Der Erschrecker ist nämlich in dem weitläufigen Bunker an der Schöneberger Straße fast durchgehend und für mehrere Gruppen unterwegs. Eine weitere, eigentlich die entscheidende Voraussetzung: Der Erschrecker darf selbst nicht schreckhaft sein. Denn natürlich gebe es Besucher, die sich durch seine Anwesenheit zu Albernheiten herausgefordert fühlen. Ein gewisses Durchsetzungsvermögen ist deshalb nötig, um das Schreckensmonopol nicht aus der Hand zu geben.

"Deshalb kommen für diese Aufgabe leider keine Frauen in Frage", sagt Marlit Friedland. Gerade ihnen gegenüber, so sei zu befürchten, würden sich manche männlichen Gäste nicht gerade Gentlemanlike benehmen.

Robin, so lobt sie, habe die Aufgabe optimal erledigt. Vor seinem Erschrecker-Job war der 25-Jährige bei der Bundeswehr, zu der er jetzt wieder zurückkehrt. Wie haben eigentlich seine Freunde reagiert, als er von seinem neuen Beruf erzählt hat? "Für die meisten war das nichts besonderes. Denn viele von ihnen waren selbst schon im Gruselkabinett tätig."

Die Arbeit sei auf jeden Fall abwechslungsreich gewesen und habe viel Spaß gemacht, findet der noch Amtsinhaber. Außerdem handle es sich hier um eine Festanstellung, betont Marlit Friedland. "38,5 Stunden pro Woche mit Steuern und Sozialabgaben." Mit seinem Gehalt könne der Erschrecker zwar nicht reich werden, aber davon leben. Wobei Robin zugibt, dass das finanziell bessere Angebot bei der Armee ein Argument gewesen sei, den Posten zu quittieren. Außerdem noch ein weiterer Grund: "Ich wollte nicht mehr immer nur im dunkeln arbeiten, sondern mal wieder ans Licht."

Ähnlich denkt inzwischen übrigens auch Marlit Friedland. "Ich werde den Laden verkaufen und mich zurückziehen", verkündet die 65-Jährige. Das Gruselkabinett soll zwar weiter existieren, aber unter neuer Leitung. 15 Jahre betreibe sie die Touristenattraktion inzwischen. "Während dieser Zeit kam ich nie dazu, mein Enkelkind zu besuchen, das in Amerika lebt." Erste Gespräche mit möglichen Nachfolgern habe es bereits gegeben, spätestens im kommenden Jahr soll die Übergabe über die Bühne gehen. "Der neue Erschrecker wird der letzte sein, den ich noch einstelle."

Das Gruselkabinett ist Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 19, Montag, 10 bis 15 und Sonnabend von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9.50 Euro, Kinder bis 13 Jahre bezahlen 5,50, zwischen 13 und 17 Jahren 6,50 Euro.

Thomas Frey / tf
Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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