Die Zukunft der "Stasi-Stadt": Idee vom "Campus der Demokratie" schafft Uneinigkeit

Der "Campus der Demokratie" wird nicht mehr nur auf lokaler, sondern auch auf Bundesebene besprochen.
3Bilder
  • Der "Campus der Demokratie" wird nicht mehr nur auf lokaler, sondern auch auf Bundesebene besprochen.
  • Foto: Wrobel
  • hochgeladen von Karolina Wrobel

Lichtenberg. Das einstige Ministerium für Staatssicherheit an der Normannenstraße könnte ein einzigartiger Bildungs- und Forschungsort sein. Doch welches Konzept umgesetzt werden soll, ist umstritten.

Einst als "Stasi-Stadt" von den Anwohnern gemieden, bleibt das Areal des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit ein Ort, der an die SED-Diktatur erinnert. Hier gibt es das Stasi-Museum und den Sitz des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU). Im Sommer 2016 kommt die Open-Air-Ausstellung "Friedliche Revolution 1989/1990" hinzu. Doch vom Anspruch, ein Ort der gesellschaftlichen Aufklärung zu sein, ist das Areal aber noch weit entfernt. "Die historische Kraft dieses Ortes könnte mehr genutzt werden", findet nämlich Roland Jahn. Seit Jahren engagiert sich der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde für einen umfassenden "Lern- und Erinnerungsort" – und gab der Idee einen Namen: "Campus der Demokratie". So könnten die bestehenden Einrichtungen auf dem Gelände mit einem Forschungszentrum, einer Bibliothek und einem Informationszentrum ergänzt werden.

Doch die Politik fasst das Thema nur mit Fingerspitzen an. Jahns Pläne vom Campus stießen bei der SPD im Bundestag nicht auf Wohlwollen. Bis heute sind sich die Parteien selbst über den Namen "Campus der Demokratie" uneinig. Seit Juni 2014 gibt es auf Bundebene eine Kommission, die über die Zukunft des Geländes entscheidet. Voraussichtlich im März 2016 wird dazu eine Empfehlung veröffentlicht, wie das Areal künftig für die Aufarbeitung der SED-Diktatur genutzt werden kann.

Viele Überlegungen

Über die Zukunft des "Campus" machten sich aber auch Roland Jahn und der ehemalige Bundestagabgeordnete (Bündnis 90/ Die Grünen) Wolfgang Wieland im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung am 8. Dezember Gedanken. Mit dabei war der Landesabgeordneter Danny Freymark (CDU), Geschäftsführerin der "Stattbau Berlin" Constance Cremer und Tom Sello von der Robert-Havemann-Gesellschaft, die sich dazu im Bezirk trafen.

"Es ist nicht einfach, ein einheitliches Konzept für das Areal zu entwickeln", weiß Constance Cremer. Mehr als die Hälfte der Flächen liegen in privater Hand, den Rest teilen sich Bund und Land, was die Entwicklung nicht einfacher macht, erklärt sie. Denn es gibt Uneinigkeit, wer die Entwicklung finanziell tragen wird. "Wichtig ist es, einen gemeinsamen öffentlichen Raum zu schaffen. Bis heute meiden viele Anwohner das Areal aus Gewohnheit, ein zukunftsfähiges Konzept sollte auch überregional Besucher anziehen", fügt sie an.

Auch der ehemalige Politiker Wolfgang Wieland sieht die Notwendigkeit, die einstige "Stasi-Stadt" zu einem solchen Anziehungspunkt zu entwickeln. Noch gibt es keine Einigkeit, wie die politische Deutung für die Nutzung des historischen Ortes ausgelegt wird. Deshalb herrschen in der Expertenkommission des Bundestages selbst über den Namen ganz verschiedene Ansichten, ergänzt Wieland. Denn der von Roland Jahn ins Spiel gebrachte Name "Campus der Demokratie" ist in der Kommission längst vom Tisch. Die Vertreter der Parteien gerieten schon darüber in Streit, ob es "Campus der Demokratie" oder nicht doch "Campus für Demokratie" lauten sollte. "Der Arbeitstitel der Kommission lautet erst einmal 'Gedenkort der Diktatur und des Widerstands'."

Eine weitere Idee der Komission: Die künftige Nutzung des Geländes soll eine Stiftung übernehmen. "Die Stiftung als Träger des Ortes würde als Dach für die Institutionen fungieren", erklärt Wieland weiter. Nicht zuletzt debattiert die Expertenkommission darüber, die Akten-Verwaltung der Behörde für Stasiunterlagen unter das Dach des Bundesarchivs zu geben. Das würde die Umwandlung der dort befindlichen Behörde und des Archivs bedeuten. Wieland: "Dann müssen wir klären, was mit dem Aktenbestand auf lange Sicht passiert." KW

Autor:

Karolina Wrobel aus Lichtenberg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Damit auch Sie ausgeruht aufwachen, ist ein auf Sie individuell angepasstes Bett samt Lattenrost, Matratze und Bettgestell notwendig.
3 Bilder

Volkskrankheit Rückenschmerzen
Häufig sind schlechte Matratzen die Ursache

Laut einer Auswertung von Statista aus dem Jahr 2017 klagt beinahe jeder dritte Erwachsene öfter oder ständig über Rückenbeschwerden. Vor allem viele Berufsfelder führen zu Überlastungen und Fehlstellungen. Nicht selten ist jedoch einfach eine schlechte Schlafstätte die Ursache für die häufigen Schmerzen. Die Lösung bietet daher oftmals der Kauf eines neuen Bettes. Betten wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt Es kommt nicht oft im Leben vor, dass wir über die Anschaffung einer neuen...

  • Lankwitz
  • 27.10.20
  • 61× gelesen
Wirtschaft
Vertrauen Sie auf Qualität und Kompetenz für Ihre persönliche Sicherheit!
2 Bilder

RWT-Bauunternehmung GmbH
Für Ihre Sicherheit!

Sie wollen Ihren Privatbesitz oder Ihr Firmengebäude sichern und schützen? Wir sind ihr Ansprechpartner für Privat- oder Geschäftskunden: "... für mehr Sicherheit!" Zu Neubau, Nachrüstung, Austausch und Wartung sind wir ihr Fachbetrieb zu mechanischer und elektronischer Sicherheitstechnik in den Bereichen aufgesetzte Sicherungsmechanik nach DIN 18104 Teil 1 oder verdeckte Sicherungsmechanik nach DIN 18104 Teil 2, neueste Alarmmeldetechnik und Video-Überwachung zum Nachrüsten, Austausch oder...

  • Grünau
  • 28.10.20
  • 17× gelesen
WirtschaftAnzeige
Sofern Sie beabsichtigen, Ihr Gebäude sicherheitstechnisch aufzurüsten, setzen auch Sie auf erfahrene Spezialisten wie uns, damit Sie sich in Ihrem Gebäude sicher und geborgen fühlen.
5 Bilder

Rehbein – Ihr Spezialist für Sicherheitstechnik – seit 1890 in Berlin
Einbrechern keine Chance geben

Es hat seine Gründe, weshalb das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz die Firma Rehbein Sicherheitstechnik in Berlin mit der Installation mechanischer Schließanlagen bzw. mit der Anfertigung von Tresorschlüsseln beauftragt haben und auch das LKA Berlin die Firma Rehbein seit vielen Jahren kontinuierlich auf ihrer Empfehlungsliste als Einbruchsberatungsstelle führt. Sofern Sie beabsichtigen, Ihr Gebäude sicherheitstechnisch aufzurüsten, setzen auch Sie auf erfahrene Spezialisten wie...

  • Moabit
  • 28.10.20
  • 21× gelesen
WirtschaftAnzeige
Seit über 50 Jahren ist das Charlottenburger Unternehmen im Einsatz und schützt vor Einbruch.
Video 5 Bilder

Werner Sicherheitstechnik
So schützen Sie sich vor einem Einbruch

Ganz egal, ob Sie im 4. Stock eines Mehrfamilienhauses wohnen oder im Einfamilienhaus mit Garten. Einbrecher suchen zuallererst den geringsten Widerstand. Ungeschützte Türen und Fenster öffnen selbst Gelegenheitseinbrecher innerhalb von Sekunden. Mechanische Sicherheitstechnik, wie Zusatzschlösser und Riegel, ist die Basis für effektiven Einbruchschutz und verhindert, dass Unbefugte in Ihr Zuhause eindringen können. Individuelle Beratung für passende Lösungen Die Fachleute der Werner...

  • Charlottenburg-Wilmersdorf
  • 27.10.20
  • 51× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige

Jetzt mitmachen
Online-Coronastudie zu sozialem Zusammenhalt und psychischem Wohlbefinden

Werden Sie Teilnehmer*in an einer spannenden Studie und helfen Sie mit, zu verstehen welche Auswirkungen die Corona-Krise auf Wohlbefinden, Stress und sozialen Zusammenhalt hat! Wir Berliner Forschungseinrichtungen (Max-Planck-Gesellschaft, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin) wollen in Zukunft besser planen können, wer welche Form der psychologischen Unterstützung in so einer schweren Zeit benötigt. Dazu führen wir eine Online-Studie durch, bei der wir Sie...

  • Charlottenburg
  • 20.10.20
  • 314× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen