Langjährige Mieter müssen raus

Marianne Herms und Ekkehard Zimmermann vor dem Hauseingang Luckeweg 31.
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„Es war ein Schock. Ich war davon ausgegangen, dass man das Gebäude sanieren möchte und uns dafür ein paar Wochen in eine leere Wohnung umsetzt“, sagt Ekkehard Zimmermann. Bei einem Infoabend am 15. März aber wurde ihm plötzlich mitgeteilt, dass das Haus, in dem er seit Jahrzehnten wohnt, abgerissen wird.

„Ich musste das erst mal sacken lassen“, so Zimmermann. Der 74-Jährige wohnt im Luckeweg 31. 1972 war er einer der Erstmieter. Er und seine Frau Ingrid (68) hatten nicht vor, in ihrem Leben noch einmal umzuziehen. Nun bleibt ihnen keine andere Wahl. „Die ersten Tage konnte ich kaum schlafen“, erzählt Marianne Herms (68), die einen Aufgang weiter wohnt und ebenfalls Erstmieterin ist. Mit Leuten, die sie über Jahre immer nur gegrüßt habe, unterhalte sie sich seit neuestem regelmäßig. „Das Schicksal schweißt zusammen.“

So wie dem Ehepaar Zimmermann und Marianne Herms geht es insgesamt 40 Mietparteien im Luckeweg. Der Beamten-Wohnungs-Verein zu Köpenick (BWV) wird das Haus mit den Aufgängen 31, 33, 35 und 37 abreißen und durch einen sechs- bis siebengeschossigen Neubau ersetzen. Ursprünglich war lediglich eine Sanierung vorgesehen. „Die vorbereitenden Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass aufgrund der hohen Investitionskosten bezogen auf die Wohnfläche eine Sanierung nicht vertretbar ist. Die Nutzungsgebühren wären um zirka drei Euro pro Quadratmeter gestiegen“, erklärt der BWV. Daher sei beschlossen worden, die Wohnungen zurückzubauen.

Der Abriss im Luckeweg ist nur ein kleiner Teil eines umfangreichen Bauprojekts namens „Marienfelder Vielfalt“. Hierfür sollen zwischen Hildburghauser und Ahrensdorfer Straße drei neue Häuser mit 250 Wohnungen entstehen. Teile davon sollen für betreutes Wohnen für Senioren sowie für WGs junger Mieter genutzt werden. Zudem sind eine Kita und eine Gemeinschaftseinrichtung geplant. Zwei Tiefgaragen mit 270 Pkw- und 400 Fahrradstellplätzen sollen überirdisch Platz für größere Gartenflächen und Spielplätze schaffen. Der BWV geht davon aus, dass die Bauarbeiten nicht vor 2021 begonnen werden. Aktuell befinde man sich noch in einem sehr frühen Stadium des Planungsablaufs.

Leidtragende des sinnvoll klingenden Plans sind die Mieter im Luckeweg – und viele von ihnen sind älter als 60. „Das ist uns bewusst“, sagt eine BWV-Sprecherin. Daher habe sich die Genossenschaft ein „umfangreiches Unterstützungspaket“ überlegt. Die Betroffenen sollen Priorität bei der Wohnungsvergabe im Marienfelder Bestand und einen Dringlichkeitsstatus in allen übrigen Wohngebieten der Genossenschaft bekommen. Der BWV biete bei einem Umzug eine um 50 Cent pro Quadratmeter geringere Nettokaltmiete als der derzeit gültige Neuvermietungspreis, übernehme zudem die Umzugskosten und zahle Haushaltsanpassungshilfen, bei einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung beispielsweise eine Pauschale von 1500 Euro.

Zu wenig sei das, sagt Ekkehard Zimmermann, der eine hohe finanzielle Belastung auf sich zukommen sieht. „Was ist, wenn die Möbel nicht passen? Was ist mit der Küche? Da kommt schnell mal deutlich mehr Geld zusammen. Ich habe einen Parkettboden, TV-Leitungen und LAN-Kabel verlegt. Ich glaube nicht, dass die mir einen Handwerker stellen, der das alles wieder für mich macht“, sagt er. „Ich wollte hier meinen Lebensabend verbringen und jetzt muss ich gespartes Geld für die neue Wohnung investieren.“ Erbost ist er auch über ein Schreiben, in dem der BMV mitteilt, dass die genannten Angebote lediglich bis Ende 2019 gelten. „Was ist, wenn bis dahin keine freie Wohnung gefunden wurde?“, fragt Zimmermann.

Die Verunsicherung der Mieter ist groß, doch gegenüber der Berliner Woche versichert die Genossenschaft, jedem der 40 betroffenen Haushalte ein adäquates Angebot unterbreiten zu können. Man habe dafür Leerwohnungen aus direkt angrenzenden, bereits sanierten Gebäuden vorgehalten und gehe bei einer jährlichen Fluktuationsrate von erfahrungsgemäß vier Prozent davon aus, in Marienfelde pro Jahr mindestens 40 Wohnungen für die Neuvermietung zur Verfügung zu haben. „Kein Mieter der betroffenen Gebäude muss sich auf dem angespannten Berliner Wohnungsmarkt auf Wohnungssuche begeben“, schreibt der BWV.

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