Kreativität entdecken und sich im Alltag behaupten

Leonardo und Madalin an den Trommeln.
  • Leonardo und Madalin an den Trommeln.
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  • hochgeladen von Kirsten Mieves

Neukölln. Darius, Leonardo und die anderen Jungs stürmen in die kleine Turnhalle in der Boddinstraße, toben um die Betreuer Fiona, Felix und Frieda herum und weiter zu den Instrumenten. Es gibt ein kleines Gerangel, dann sitzen sie bereit mit Trommel, Tamburin und Trompete und warten auf ihren Einsatz.

Sechs bis sieben Kinder kommen wöchentlich zusammen, um gemeinsam den Raum mit Trommelrhythmen und Melodica-Melodien zu erfüllen. Sie sind Teil eines Programms des Berliner Vereins Amaro Foro, einer transkulturellen Jugendselbstorganisation von Roma und Nicht-Roma. Der Verein unterstützt junge Menschen dabei, aktive Bürger zu werden und sich selbst zu organisieren.Das Programm, an dem Darius (9), Leonardo (11) und die anderen teilnehmen, richtet sich an Kinder bis zwölf Jahre, die in Neukölln leben. Zum Programm gehören nicht nur der Musiknachmittag, sondern auch ein Zeitungs- und ein Bibliotheksprojekt und ein Theaternachmittag. Insgesamt nehmen 25 Kinder teil.

Beim Trommelnachmittag in der Turnhalle machen vor allem Jungs mit. "Ihnen fehlt es im Alltag oft an Raum, um sich richtig auszuleben", sagt Felix. "Hier können sie mal so richtig freidrehen." Und das tun die Kinder mit Begeisterung. Beim Musikmachen lenken sie ihre Energie in kreative Bahnen.

Dabei trägt jedes Kind seinen Teil bei. Cornell (9) spielt gut Akkordeon, Leonardo hält den Rhythmus. Darius ist der Kreative und Ehrgeizige: Er übt auf der Gitarre, bis es klappt - auch wenn die Finger schmerzen. Sein Bruder Elvis (12) führt die anderen mit dem Bass durch das gemeinsame Stück. "Häufig sind die Kinder ganz versunken", sagt Fiona, "und merken dann plötzlich, wie wunderbar sie zusammen spielen. Dann freuen sie sich und lachen." Die Kinder erleben beim gemeinsamen Musizieren noch mehr. "Sie lernen zu warten, bis sie dran sind, hören, wann sie einsteigen können, treten in einen Dialog", sagt Fiona. Das nehmen sie mit und geben es weiter.

Die Betreuer arbeiten ehrenamtlich. Fiona (30) ist studierte Theater- und Literaturwissenschaftlerin sowie Pädagogin. Sie lernte die Kinder über ein Theaterprojekt kennen und war so angetan von ihrem Talent, dass sie bei ihnen blieb. Felix (27) studiert Sozial- und Kulturanthropologie sowie Geschichte und ist Musiker durch und durch. Er wirkt bei künstlerischen Projekten mit und kam über ein Kindertheaterstück zu Darius und den anderen. Frieda (25) ist Sängerin, Kontakt-Impro-Tänzerin und studierte Heilpraktikerin. Ihr Interesse an experimenteller Klang- und Musikforschung brachte sie zur Gruppe.

Alle arbeiten gern mit den Kindern: "Es ist toll zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln, wie sie aufblühen, wenn sie merken, wozu sie fähig sind. Wie sie wachsen und lernen", erzählt Fiona.

Damit Amaro Foro und die Kinder sich weiter positiv entwickeln können, ist der Verein auf Spenden angewiesen und freut sich über Unterstützung: amaroforo.betterplace.org.

Kirsten Mieves / kmi
Autor:

Kirsten Mieves aus Mitte

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