Fliegende Bilder
Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" als genreübergreifendes Kunstwerk im Hamburger Bahnhof

Vartan Bassil und Udo Kittelmann.
  • Vartan Bassil und Udo Kittelmann.
  • Foto: Koone
  • hochgeladen von Karen Noetzel

Ein Museum der Gegenwart wie der Hamburger Bahnhof soll interdisziplinär wirken, so sein Direktor Udo Kittelmann. Ab April ist dazu ein interessantes Experiment zu bestaunen: „Flying Pictures“, fliegende Bilder.

Der russische Komponist Modest Mussorgsky schuf 1874 seinen Programmmusik-Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Es ist ein musikalischer Rundgang durch eine Gedächtnisausstellung, die an Mussorgskys im Jahr zuvor verstorbenen Freund, den Maler Wiktor Alexandrowitsch Hartmann, erinnerte. Die Sätze des Klavierzyklus beschreiben Gemälde und Zeichnungen, die Mussorgsky in der Ausstellung gesehen hat.

Mussorgskys Landsmann, der Maler Wassily Kandinsky, wiederum schuf über 50 Jahre später sein erstes und einziges Theaterwerk nach dem Klavierzyklus, nämlich Entwürfe für eine szenische Aufführung der „Bilder einer Ausstellung“ 1928 in Dessau.

Bilder von Tänzern zum Leben erweckt

Wie Bilder klingen, wenn sie Musik wären, hat Mussorgsky beantwortet. Auf die Frage, wie Bilder aussähen, wenn sie von Tänzern zum Leben erweckt würden, gibt die Urban-Dance-Truppe „Flying Steps“ im Hamburger Bahnhof jetzt eine Antwort. „Wir führen den Zuschauer tänzerisch durch die Ausstellung und erwecken so Mussorgskys Werk zum Leben“, erläutert Creative Director Vartan Bassil.

„Flying Pictures“ ist die neueste Produktion der Compagnie, die sich dem Urban Dance verschrieben hat. Diesem Tanzstil, der es mittlerweile von den Rändern US-amerikanischer Großstädte auf die große klassische Bühne geschafft hat und neben Graffiti, DJing und Rap Bestandteil der Hip-Hop-Kultur ist.

Partner der „Flying Steps“ bei den „Flying Pictures“, wo Kunst über Genregrenzen hinweg verschmilzt, sind das brasilianische Streetart-Künstlerduo Os Gêmeos (die Zwillinge), Otavio und Gustavo Pandolfo, sowie das Komponisten-Brüderpaar Vivan und Ketan Bhatti. Eigens für das Projekt haben die Pandolfo-Brüder Figuren und raumgreifende Elemente entworfen. Sie orientierten sich dabei an den Werken Wiktor Hartmanns oder imaginierten sie; Hartmanns Bilder sind leider größtenteils verschollen.

Vivan und Ketan Bhatti haben Mussorgskys Komposition modern interpretiert. Ihre Musik ist auf den Urban Dance von „Flying Steps“ abgestimmt. Sie wird von einem akustischen Ensemble gemeinsam mit dem deutsch-argentinischen Beatboxer Mando live aufgeführt. Zu den gewöhnlichen Öffnungszeiten des Museums werden die Werke der Os Gêmeos in einer Ausstellung gezeigt.

„Flying Pictures“ im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Invalidenstraße 50-51, feiert am 5. April, 20 Uhr, Premiere; bis 2. Juni mittwochs, freitags und an den Wochenenden. Karten von 28,50 bis 63,50 Euro (VIP-Package: 99,90 Euro) sind erhältlich unter www.eventim.de, telefonisch unter 47 99 74 77 und 01806 57 00 99 sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen; www.smb.museum/hbf.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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