Große Pläne für das "Behrens-Ufer"
Neuer Eigentümer DIE AG will das Gelände zukunftsträchtig entwickeln

Der markante Peter-Behrens-Turm trägt noch das Firmenschild der Vorbesitzer.
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  • Der markante Peter-Behrens-Turm trägt noch das Firmenschild der Vorbesitzer.
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Nach der Schließung der Bildröhrenproduktion durch Samsung vor 15 Jahren war es um das ehemalige Werk für Fernsehelektronik am Spreeufer in Oberschöneweide ruhig geworden. Nun gibt es Pläne für eine Aufwertung des Areals.

Im Mai 2019 hatte der damalige Eigentümer, die irische Comer Group, das zehn Hektar große Gelände verkauft. Neuer Besitzer ist die Deutsche Immobilien Entwicklung AG (DIE AG). Und die hat im Gegensatz zu den Iren, die nur auf eine Gelegenheit zum gewinnbringenden Weiterverkauf gewartet hatten, große Pläne.

DIE-Vorstand Marcel Priefert hatte deshalb exklusiv die Berliner Woche zum Ortstermin geladen, um sein Projekt "Behrens-Ufer" vorzustellen. Im Eilschritt geht es über das 100 000 Quadratmeter große Areal, von dem viele Berliner nur den denkmalgeschützten, 1917 für eine Automobilfabrik errichteten Peter-Behrens-Bau mit dem 58 Meter hohen markanten Turm kennen. „Allein der Behrens-Bau hat 70 000 Quadratmeter umbaute Fläche. Zur Ostendstraße gibt es eine 600 Meter lange Gebäudefront. Rund 60 Prozent des Grundstücks sind bebaut“, erklärt DIE-Vorstand Priefert.

Fernab von den Fassaden an Wilheminenhof- und Ostendstraßen sieht man, wie Gelände und Gebäude in rund 100 Jahren industrieller Nutzung erweitert und verschachtelt wurden. Endlose Rohrleitungen und Leitungsbrücken verbinden die Gebäude miteinander. Hier flossen bis Anfang der 90er, als das Werk für Fernsehelektronik seine Tore schloss und von Samsung nur die Bildröhrenproduktion fortgeführt wurde, Kühlwasser und spezielle Gase, die für die Röhren- und Halbleiterproduktion gebraucht werden.

Dann schließt Marcel Priefert die Tür der sogenannten Mittelhalle auf. Die ist neben dem Behrens-Bau das einzige Gebäude, welches unter Denkmalschutz steht und soll deshalb auch erhalten werden. „Eine Nutzung ist nur nach dem Einbau verschiedener Brandschutzeinrichtungen möglich, derzeit dürfte das Gebäude eher die Feuerwiderstandsklasse 0 haben, sagt Priefert mit einem Blick auf das hölzerne, mit abblätternder Farbe versehene Hallendach.

Später gibt es noch ein Gespräch im Büro im eigentlichen Behrens-Bau. Der große Raum trägt den seltsamen Namen „Amanullah-Saal“. Und erinnert damit an Amanullah Khan (1892-1960), den König von Afghanistan. Der besuchte 1928 Deutschland und war auch in der damaligen AEG-Autofabrik zu Gast.

„Wir werden die denkmalgeschützte Bausubstanz selbstverständlich erhalten, nicht geschützte Gebäude abreißen und unter anderem durch fünf Hochhäuser ergänzen“, erklärt DIE-Vorstand Marcel Priefert und zeigt eine Videoanimation. Dabei erklärt er, dass die Fassaden der vier Gebäude am Spreeufer bisher nur als Platzhalter eingefügt wurden und noch keine tatsächlichen Entwürfe sind. Und den Begriff Hochhäuser sieht er eher im baupolizeilichen Sinne. „Die werden rund 50 Meter hoch und bleiben damit in der Höhe unter dem markanten Behrens-Turm“, erklärt er. Nach derzeitigen Plänen soll es acht Neubauten auf dem Grundstück geben.

An der Spree sehen die Pläne einen und zehn Meter breiten Uferweg vor, außerdem sollen zwei Kitas entstehen. Wohnbebauung schließt bereits ein vom Bezirk favorisierter Bebauungsplan aus, an dessen Aufstellung seit Frühjahr 2019 gearbeitet wird. Vorgesehen ist dagegen gewerbliche Nutzung und auch der Standort der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), die derzeit als Mieter Teile des Behrens-Baus nutzt, soll gesichert werden. Damit könnte auch Marcel Priefert leben. „Neben Hochschulnutzung wäre auch der Einzug von Behörden möglich. In der Mittelhalle könnte ich mir Gastronomie vorstellen“, so der DIE-Vorstand.

Einigen Bezirksverordneten hat er seine Pläne in den vergangenen Wochen bereits vorgestellt. Sie sollen überwiegend positiv aufgenommen worden sein. Seit einigen Tagen gibt es aber Gerüchte, dass das Landesdenkmalamt weitere, zu DDR-Zeiten errichtete und inzwischen marode Gebäude, darunter sogar das Farbbildröhrenwerk, unter Denkmalschutz stellen möchte. „Da wäre völlig kontraproduktiv und würde vermutlich die aktuellen Pläne der DIE AG torpedieren“, ärgert sich Stefan Förster, FDP-Abgeordneter aus Köpenick und Vorsitzender des Bezirksdenkmalrats. „Wir bringen das Thema Denkmalschutz auf dem AEG-Gelände an der Ostendstraße auf einer unserer nächsten Sitzungen auf die Tagesordnung“, sagt er.

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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