Ex-Polizeidirektor und Ex-Häftling drehen Film

Ex-Polizeidirektor Peter Glaser (links) und Ex-Häftling Lothar Berg ziehen heute an einem Strang, um Gewalt zu verhindern.
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Tempelhof. Es gibt Geschichten, die würde man kaum glauben, würde nicht das wirkliche Leben sie schreiben. Solch eine Geschichte haben Lothar Berg und Peter Glaser zu erzählen. Zwei Männer, deren frühere Lebenswege kaum unterschiedlicher hätten sein können.

Polizeidirektor a.D. Peter Glaser (64) war sozusagen jahrzehntelang mit Blaulicht unterwegs, Lothar Berg (62) währenddessen auf der anderen Seite des Gesetzes im Rotlichtmilieu aktiv. Heute sind die beiden ein gutes Team. Der Ex-Polizist aus Lichtenrade brilliert als Maler und Dichter, der Ex-Häftling aus Tempelhof als Autor und Regisseur. Zusammen veranstalten sie schon seit einiger Zeit nicht unbedingt alltägliche Lesungen mit szenischen Einlagen und haben den als Sozialthriller angekündigten Spielfilm "70 Grad - wenn das Blut kocht" gedreht. Unter der Regie und nach einem Drehbuch von Berg hat Glaser die Seiten gewechselt und spielt eine tragende Rolle als Gangsterboss. "Der Film ist bewusst in der Nische zwischen Milieu und Bürgerlichkeit angesiedelt, um lebensnahe Entscheidungen und Konsequenzen glaubwürdig zu zeigen. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, deshalb sind Sprache, Handlung und Orte weitestgehend authentisch", so der Regisseur zur Berliner Woche.

Der eineinhalbstündige, absolut professionell in Berlin in Kinoqualität gedrehte Streifen mit insgesamt rund 150 Mitwirkenden vor und hinter den Kameras ist in rund 18 Monaten praktisch ohne nennenswertes Geldausgeben entstanden. Schauspieler verzichteten auf Gage, Helfer auf Freizeit, Maskenbildner, Ausstatter und Handwerker auf Entlohnung. Schließlich ging und geht es den quasi ehrenamtlich Beteiligten um ein gemeinsames gesellschaftliches Ziel: Verhinderung von Gewalt. "Deshalb ist das auch kein Erklärfilm, sondern eine Aufforderung zum Nachdenken", betont Berg.

Der Mann weiß aus eigener Erfahrung, wovon er redet und erklärt, wie wichtig es sei, Gefühle, Ängste und innere Konflikte auszudrücken, um tragische Entscheidungen zu vermeiden beziehungsweise nicht blindlings zuzuschlagen. Eine Faust ballt Berg heute allenfalls noch, um den Stift zu halten. Der Film soll künftig in Schulen zur Prävention sowie in Justizvollzugsanstalten zwecks Resozialisierung gezeigt werden.

Aber zunächst steht am 31. Mai um 20 Uhr im Kinosaal des Restaurants "Richards", Bayernring 29a/Ecke Boelckestraße, die Premiere auf dem Programm. Die Plätze sind begrenzt. Weitere Informationen und Karten zu drei Euro unter 78 89 77 22
Horst-Dieter Keitel / hdk

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