Besudelter Bismarck: Farbbeutelattacke auf Nationaldenkmal der Kaiserzeit

Vor allem der Sockel der Bismarck-Statue wurde von den Farbbeuteln getroffen.
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Tiergarten. Hoppla, da war jemand am Werk, der Schwierigkeiten zu haben scheint, sich mit der deutschen Geschichte seriös auseinanderzusetzen.

Das Bismarck-Nationaldenkmal am Großen Stern wurde mit Farbbeuteln beworfen. Das Rot – ein Hinweis auf die politische Verortung des oder der Täter? – traf aber „nur“ den Sockel Bismarcks, dessen rechte Schuhspitze und das rechte Hosenbein sowie den Weltkugelträger davor.

Von der über sechs Meter hohen Bronzefigur des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815-1898) dürfte sich die Farbe leichter entfernen lassen als vom Sockel aus poliertem roten Granit. Dort droht die Farbe tiefer einzudringen als in die Kupferlegierung, wenn der Stein nicht mit einer Schutzschicht versehen sein sollte.

Nach Auskunft des Bezirksamts ist die Bismarck-Statue inzwischen eingerüstet worden. Eine beauftragte Firma arbeitet daran, die Schäden zu beseitigen. Das 1901 eingeweihte, monumentale Denkmal des ersten deutschen Reichskanzlers steht unter Denkmalschutz. Bei der Polizei war der Fall indes noch nicht bekannt. „Wir bestreifen den Ort nicht so häufig“, sagte eine Polizeisprecherin. Eine Funkstreife wollte hinfahren, den Fall in Augenschein nehmen und gegebenenfalls eine Anzeige schreiben.

Die insgesamt 15 Meter hohe, 20 Meter breite und zwölf Meter tiefe Denkmalanlage ist das letzte große Werk des Schöneberger Bildhauers Reinhold Begas (1831-1911). Sie wurde 1897 bis 1901 vor dem Reichstag errichtet und am 16. Juni 1901 feierlich eingeweiht. Symbolisch zum Heros erhöht wird der „Eiserne Kanzler“ durch vier Figuren zu seinen Füßen: Atlas, Siegfried, eine Sibylle und Germania mit einem Leoparden – ein Frühwerk August Gauls, eines Schülers von Reinhold Begas.

Ursprünglich gehörten zum Ensemble zwei Wasserbecken mit Springbrunnen und eine Tritonen- sowie Najadengruppe aus Sandstein von Ludwig Cauer (1866-1947). Im Zuge der Pläne von Hitlers Architekt Albert Speer für die „Welthauptstadt Germania“ wurde das Denkmal 1938 an den Großen Stern versetzt, zusammen mit der Siegessäule und den Denkmälern von Albrecht von Roon und Helmuth Karl Bernhard von Moltke. Die Nazis planten an der Stelle ein „Forum des Zweiten Reichs“, das heißt für das 1871 gegründete Kaiserreich. Das Bismarck-Nationaldenkmal wurde 1958 bis 1960 restauriert. KEN

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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