Großangelegte Unfallprävention der Polizei

Zur Kasse, bitte! Verkehrsdelikte beim Abbiegevorgang werden streng geahndet.
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Um die Zahl der Unfälle zwischen Radfahrern und abbiegenden Kraftfahrzeugen einzudämmen, hat die Berliner Polizei zehn Tage lang an fast 40 Unfallschwerpunkten der Stadt Kontrollen durchgeführt. Eine davon am 16. April an der Ecke Wexstraße und Bundesplatz. 

Oft ist es die gleiche Situation: Auto- oder Lastwagenfahrer wollen an einer Kreuzung rechts abbiegen, dabei übersehen sie den Fahrradfahrer auf dem Radweg rechts neben ihnen, der geradeaus fährt. Für den ungeschützten Radler haben solche Kollisionen meist verheerende Folgen. Im Januar dieses Jahres verunglückte eine 52-jährige Frau in Schöneberg tödlich, weil ein Lkw-Fahrer sie auf ihrem Fahrrad übersehen hatte. Die Radfahrerin, die im Februar von der Wexstraße nach links in die Prinzregentenstraße abbiegen wollte, trug nach einem Zusammenstoß schwerste Verletzungen davon. "784 Unfälle dieser Art gab es im vergangenen Jahr in Berlin", sagt Andreas Tschisch, Leiter des Verkehrsstabs der Polizei und heute für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. "Vier mit tödlichem Ausgang und mehr als 50, bei denen die Radfahrer schwer verletzt wurden."

Nach der Häufung der Unfälle drang der Ruf nach mehr Sicherheit aus allen Kehlen – von den Bürgern über Autofahrer- und Radfahrer-Verbände bis hin zum Senat. Umbau neuralgischer Verkehrspunkte, elektronischer Abbiegeassistent für Lkw, breitere Radwege – die Liste der Forderungen ist lang. Andreas Tschisch hält sie für berechtigt, einen aufmerksamen Fahrzeuglenker könne aber keine Maßnahme ersetzen. "Die Abbiegeassistenten etwa sind zum einen noch nicht ausgereift und zum anderen helfen sie nichts, wenn die Warntöne den Fahrer nerven und er das Gerät ausschaltet."

Mit der zehntägigen Kampagne wollte die Polizei also in erster Linie für mehr Aufmerksamkeit, das Einhalten der Verkehrsregeln und das richtige Verhalten beim Abbiegen werben. Es reiche eben nicht, nur den Blinker zu setzen und einen Blick in den Rückspiegel zu werfen, der Schulterblick sei zwingend notwendig. "Bei vielen Kraftfahrzeuglenkern hat sich ein Fehlverhalten eingeschleift. Sie denken darüber nicht nach, weil es ja bislang gutgegangen ist", sagt Tschisch. Die ersten Tage der Aktion dienten der Prävention. Erwischten die Beamten einen Autofahrer bei einer Ordnungswidrigkeit, winkten sie ihn zwar heraus, beließen es aber bei einer Verwarnung und Belehrung. In der zweiten Phase der in allen 37 Polizeiabschnitten der Stadt stattfindenden Kontrollen bat die Polizei dann auch zur Kasse. "Je nach Vergehen liegt die Strafe zwischen zehn Euro für kleinere Verstöße und 85 Euro plus Punkt in Flensburg, wenn es tatsächlich zum Unfall kommt", sagt Tschisch.

Zwei Stunden lang teilte am 16. April ein Zivilbeamter an der Kreuzung über Funk seinen Kollegen mit, wenn einer sich beim Abbiegen von der Wexstraße nach rechts auf den Bundesplatz falsch verhielt. Innerhalb der ersten 45 Minuten bekamen an diesem regnerischen Tag zehn Fahrzeuglenker 100 Meter weiter die Kelle zu sehen. "Bei schönem Wetter, wenn mehr Fahrradfahrer unterwegs sind, wären es sicher mehr gewesen. Aber selbst diese Zahl sagt doch schon einiges aus", so Tschisch.

Ein Autofahrer passierte die Ampel bei Rot, der Fahrer eines Transporters hatte das Handy am Ohr. Auch ein Fahrradfahrer wurde wegen des Tragens von Kopfhörern aufgehalten. "Viele sind einfach auch nur gedankenverloren", ergänzt Tschisch die Palette der Unfallursachen. Auch die Reaktionen der Fahrer seien mannigfaltig: "Manche sind einsichtig und geloben Besserung, andere bestreiten fast, überhaupt gefahren zu sein." Tschisch richtet noch einen Appell an alle Verkehrsteilnehmer: "Ob Kraftfahrzeugfahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger: Alle müssen wieder mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Darum geht es."

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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