Zum Umgang mit einem Chronisten
Freundeskreis gibt ein neues Heft mit Beiträgen zu Rudolf Dörrier heraus

Auf der Titelseite ist ein Bild vom Nordendkrankenhaus zu sehen. Dort wurde unter anderem Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, der im KZ schwer erkrankte, bis zu seinem Tode am 4. Mai 1938 behandelt.
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  • Auf der Titelseite ist ein Bild vom Nordendkrankenhaus zu sehen. Dort wurde unter anderem Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, der im KZ schwer erkrankte, bis zu seinem Tode am 4. Mai 1938 behandelt.
  • Foto: Bernd Wähner
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Wie geht man mit Geschichte um? Diese Überschrift trägt der erste Beitrag im neuen Mitteilungsblatt zur Pankower Heimatgeschichte, dass der Freundeskreis der Chronik Pankow herausgegeben hat.

Eigentlich ist es das Heft 4-2020. Aber wegen Corona hat sich die Herausgabe verspätet. Doch umso lesenswerter sind die Beiträge. Denn die Frage „Wie geht man mit Geschichte um?“ betrifft auch die Geschichte des eigenen Vereins. Im ersten und in weiteren Beiträgen geht es um Rudolf Dörrier (1899-2002). Dieser schrieb das Buch „Pankow – Kleine Chronik eines Berliner Bezirks“, das erstmals 1949 im Verlag Das Neue Berlin erschien. Seither gilt Dörrier als Nestor der Pankower Heimatforschung.

Rudolf Dörrier war Leiter der Pankower Stadtbibliotheken. 1965, nach seiner Pensionierung, wurde er zum Ortschronisten berufen. Ihre ersten Räume hatte die Pankower Chronik in der ehemaligen Wohnung des früheren Gemeindevertreters Heyn an der Heynstraße 8, dort, wo heute das Heimatmuseum seinen Sitz hat. 1972 brachte Dörrier seine zweite „Chronik Pankow“ heraus, in der er die jüngere Geschichte dokumentierte. Für sein Engagement für Pankow erhielt er 2000, da war er bereits 101 Jahre alt, das Bundesverdienstkreuz. Am 7. Dezember 2002 verstarb der Heimatforscher. Am Haus in der Hiddenseestraße 2 wurde 2008 für ihn eine Gedenktafel enthüllt. Dort wohnte er 70 Jahre. Und der Freundeskreis der Chronik Pankow machte ihn zum Ehrenmitglied.

„Als 2017 der Historiker Harry Waibel die Biografie von Rudolf Dörrier als Beispiel für eine gescheiterte Entnazifizierung in der DDR nutzte, haben wir uns mit dem Thema auseinandergesetzt“, schreibt die Vorsitzende des Freundeskreises, Heidemarie Fritzsching im neuen Heft. „Unser Vereinsmitglied Harald Broer hat umfangreiche Recherchen durchgeführt und dazu den Artikel ‚Der Mensch Rudolf Dörrier‘ verfasst.“

In seinem Text unternimmt Harald Broer keineswegs den Versuch, eine umfassende Biografie zu schreiben. Er versucht vielmehr Einblicke in Lebensumstände in einer Zeit zu geben, die die jüngere Generation nur aus Geschichtsbüchern kennt. Waibel fand nämlich heraus, dass Rudolf Dörrier von 1944 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs SS-Unterscharführer im Konzentrationslager Sachsenhausen war. Möglicherweise tat er dies, um seine Familie zu schützen. Doch darüber kann er keine Auskunft mehr geben. Fakt ist: Später verlor er kein Wort über diese Zeit. Wie geht man also mit dieser Geschichte um? Heutige Mitglieder des Freundeskreises der Chronik Pankow positionieren sich dazu im neuen Heft.

Außerdem finden sich weitere sehr lesenswerte Beiträge, unter anderem über die Geschichte des Grundstücks der einstigen Engelhardt-Brauerei an der Thulestraße, geschrieben von Hans Klockmann sowie über das „Nordendkrankenhaus des Dr. Dosquet“, geschrieben von Jutta Mach. Und wer wissen möchte, welche Jubiläen aus der Pankower Geschichte 2021 anstehen: Eine Zeitleiste gibt eine Übersicht. Das neue Heft ist für vier Euro im Buchlokal an der Ossietzkystraße 10 sowie an der Kasse bei Thalia im Rathaus-Center erhältlich.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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