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Politische Klasse, „Respekt“ und Olivaer Platz

Wo: Rathaus Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 100, 10585 Berlin auf Karte anzeigen

Wenn man das Stichwort „Respekt“ in die Suchfunktion eingibt, sieht man en masse, welcher Politiker gerade welchem Politiker jede Menge Respekt zollt. Nur einer einem nicht: der Schulz dem Gabriel, weil der erstere dem letzteren seinen schönen Ministerposten wegnehmen wollte. Gemein, wenn man bedenkt, daß der letztere dem ersteren doch vor Jahresfrist erst seinen schönen Posten als Parteichef und Kanzlerkandidat angedreht hatte (wohlwissend, daß der erstere nach Verlust seines sehr schönen EP-Postens postenlos war und das wegen seiner großen Wichtigkeit natürlich nicht ertrug und daher blindlings zugriff und so den letzteren von einer großen Last befreite, denn das mit Kanzlerkandidat war ja eine Lachnummer). Empört jammerte daher letzterer, „wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist“.

Ach ja, Respekt. Steht auch immer bei den Fußballern auf dem linken Ärmel – und dann säbeln sie den Gegner um. Und wie ist das mit dem Respekt der politischen Klasse für die Wünsche der Bürger? Als Beispiel der Olivaer Platz: Wo respektieren SPD und Grünpartei und Linkspartei die über 2.000 Bürger, die 2014 einen Bürgerantrag zugunsten des Erhalts des Platzes stellten? Oder die fast 5.000 vom Herbst letzten Jahres in einer Onlin-Petition mit demselben Anliegen (gegenüber 632 für die Schaffung eines „Metropolenplatzes“ à la New York und Paris)? Nicht nur kein Respekt, als jetzt am 12. Februar mit der Beseitigung begonnen wurde, sondern die SPD-Fraktion verhöhnte die Bewahrer schon mal im voraus am 19. Januar mit einem Flugblatt, auf dem es heißt: „DAS HABEN WIR FÜR SIE ERREICHT: Der Olivaer Platz wird nun wieder ein Platz für alle!
Gleichzeitig räumt die SPD-Fraktion ein, daß es noch gar keinen Bebauungsplan gibt: „Der Bebauungsplan für diese Fläche [zwischen Kiosk und Parkplätzen] wird bis April erarbeitet und dann der Öffentlichkeit vorgestellt.“ Gelebte Demokratie nach Art der politischen Klasse! Denn wie sollen Bürger noch Einfluß auf den zukünftigen Bebauungsplan nehmen, wenn er jetzt schon vollzogen wird?

P.S. Am Ende des Flugblatts heißt es noch sinnigerweise: „Sollten Sie Wünsche oder Anregungen haben, wofür wir uns demnächst einsetzen können, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

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