Rückkehr der Riesen
Tierpark Berlin und WWF wildern Wisente aus

Ein Wisent im Shadag Nationalpark
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  • Ein Wisent im Shadag Nationalpark
  • Foto: Thomas Macholz
  • hochgeladen von Berit Müller

Seit 90 Jahren galten die massigen Wildrinder in der Natur als ausgestorben, bald aber ziehen wieder Wisente durch die Weiten des Kaukasus. Nicht zuletzt dem Tierpark Berlin ist es zu verdanken, dass Europas größtes Landsäugetier überlebt hat. Gemeinsam mit dem World Wide Fund For Nature (WWF) wildern Tierpark und Zoo in menschlicher Obhut geborene Wisente aus.

Schon im vergangenen Sommer haben die hauptstädtischen Zoos mehrere Wisente nach Rumänien gebracht und dort ausgewildert, vor Kurzem verließen nun vier weitere Exemplare die Spreemetropole. Diesmal ging es in Richtung Aserbaidschan. Zwei der Riesen hatten längere Zeit im Tierpark gelebt, die beiden anderen waren vor einigen Wochen aus den Zoos in Prag und Pilsen dazu gekommen. Bevor das Quartett die Reise in seine fremde Heimat antreten konnte, bekamen alle Tiere moderne GPS- beziehungsweise VHF-Halsbänder. Der Zoologische Leiter des Tierparks, Christian Kern, erklärt den Zweck: „Auf diese Weise wird es möglich sein, ihren Aufenthaltsort nachzuvollziehen und sie auf ihrem neuen Lebensweg zu begleiten.“

Noch in diesem Sommer soll die kleine Herde zusammen mit anderen Wisenten aus europäischen Zoos im Shahdag-Nationalpark, am Fuße des großen Kaukasus-Gebirges, ausgewildert werden. Bis dahin dürfen sich die Rinder in einem umzäunten Areal an ihr eigentliches Zuhause gewöhnen.

Aufgabe der Zoos heute

Der WWF übernimmt die Organisation, Koordination und wissenschaftliche Betreuung der Wisent-Auswilderung vor Ort. „Die großen Pflanzenfresser spielen eine wichtige Rolle bei ökologischen Prozessen“, erklärt Aurel Heidelberg vom WWF Deutschland. „Beispielsweise halten sie in den Wäldern Flächen offen, die dann von anderen Tier- und Pflanzenarten besiedelt werden können.“ Die Zusammenarbeit zwischen Tierpark Berlin und WWF leiste daher einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt im Kaukasus. „Die Wiederansiedlung von Tieren, die im natürlichen Lebensraum vom Aussterben bedroht oder sogar bereits ausgestorben sind, verdeutlicht die Bedeutung von Zoos in der heutigen Zeit“, sagt Tierpark-Direktor Andreas Knieriem.

Das gesamte Projekt wird im Rahmen eines grenzüberschreitenden Naturschutzprogramms der deutschen Regierung über die KfW Entwicklungsbank finanziert. Ins Leben gerufen haben es der WWF, der europäische Verband der Zoos und Aquarien (EAZA) und viele Partner vor Ort.

Im natürlichen Lebensraum schon ausgerottet

Hintergrund ist die Tatsache, dass der Wisent seit 1927 in der Natur gänzlich ausgerottet war – von Menschenhand. Etwa 70 Tiere überlebten in zoologischen Einrichtungen, nur so konnte die ganze Art vor dem Aussterben gerettet werden. Um sie zu sichern, war bereits 1923 die Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents im Zoo Berlin als Initiative europäischer Zoodirektoren und Wissenschaftler gegründet worden. Das Bündnis war quasi Vorläufer der heutigen Erhaltungszuchtprogramme für viele andere bedrohte Tierarten. Seit 1872 zählen Wisente zum Bestand des Berliner Zoos. Im Tierpark leben Exemplare seit dessen Eröffnung im Jahr 1955. Bis heute wurden in der Hauptstadt über 200 Wisente geboren.

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