Zaun an der East Side Gallery ist nicht schön, aber bewährt sich

Katia Mühlenbach bei ihrer Ausbesserungsarbeit an der East Side Gallery.
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  • Katia Mühlenbach bei ihrer Ausbesserungsarbeit an der East Side Gallery.
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Friedrichshain. An einem Bild hat es jemand geschafft, einen Liebesschwur anzubringen: "Serenda und Jano" ist dort zu lesen. Solche Hinterlassenschaften sind aber inzwischen die Ausnahme an der East Side Gallery.

Denn seit vergangenem Jahr sorgt ein Zaun für Abstand, der sich nahezu durchgehend entlang der Mühlenstraße zieht. Wo er fehlt, wie auf den ersten Metern nach der Oberbaumbrücke, bietet sich der Anblick, der einst auf der gesamten rund 1,2 Kilometer langen Strecke zu sehen war: vollgekritzelte und mit Tags versehene Bilder.

Die Maschendrahtbarriere sei zwar nicht unbedingt eine Augenweide, aber sie erfülle ihre Zweck, meint auch Adalbert Klees. Der Technische Leiter des Grünflächenamtes will bei diesem Vor-Ort-Termin zeigen, was sich inzwischen an der East Side Gallery verändert hat. Noch immer gebe es zwar einige Besucher, die trotz Zaun an der einstigen Hinterlandmauer "übergriffig" werden.

Regelmäßig reinigen

Aber eine regelmäßige Reinigung, die mittlerweile ebenfalls stattfindet, entferne die Botschaften normalerweise binnen einer Woche, sagt Klees. Wobei es bei "Serenda und Jano" etwas länger dauert. Denn diese Aufschrift datiert, nach ebenfalls angebrachtem Datum, vom 29. Mai. Aber insgesamt scheinen der erzwungene Abstand und das schnelle Abwaschen die früheren Zustände an der East Side Gallery jetzt ein für allemal zu beenden.

Was zu der Frage führt, warum das erst jetzt passiert. Denn den Ärger über den Vandalismus an der 1990 von Künstlern aus aller Welt bemalten Berliner Mauer gibt es seit vielen Jahren. 2009 fand eine aufwendige Restauration statt, einschließlich einem Neuauftragen vieler Bilder. Nur kurze Zeit später waren darauf erneut Schmierereien angebracht. Und weil sie niemand wegmachte, wurden es immer mehr.

Ohne entsprechende Sicherung ist jede Sanierung umsonst, war nicht nur die Erkenntnis von Adalbert Klees. Das zeigte sich auch im vergangenen Jahr, als die aktuelle Ausbesserung der East Side Gallery begann: Kaum war ein Bild von Schmutz befreit, folgte der nächste Mal- und Sprühangriff. Deshalb wurde der Zaun installiert.

Gitter kommt nächstes Jahr

Bei ihm handelt es sich aber nur um ein Provisorium, das im kommenden Jahr durch ein fest installiertes Gitter entlang des Gehwegs abgelöst werden soll. Das wird einer Gartenumrahmung ähneln und etwa einen halben Meter hoch werden.

Der Einbau des Zauns wird ebenso wie die Reinigung aus den Mitteln der derzeitigen Instandsetzung finanziert. 230 000 Euro stehen dafür bereit. Je zur Hälfte kommt das Geld vom Land Berlin und aus dem Topf der Staatsministerin für Kultur des Bundes. Bezahlt wird davon auch das Restaurieren einzelner Mauersegmente. Katia Mühlenbach erledigt mit einigen anderen diese Aufgabe. Die Restauratorin für Wandmalerei und Architekturoberfläche trägt vorsichtig Linien nach, wo Farbe abgeblättert oder ausgebleicht ist. Das passiere in der Regel nicht direkt auf dem Bild, sondern auf der Graffitischicht, macht sie klar. Eingriffe in das Kunstwerk gebe es nur, wenn sich Schmutz nicht anders entfernen lasse oder der Beton angegriffen sei. Letzteres ist auch beim bekannten Kussgemälde von Leonid Breschnew und Erich Honecker der Fall. An den Gesichtern der einstigen kommunistischen Genossen bröckelt der Putz.

Finanzierung bis 2017 sicher

Nach Angaben von Adalbert Klees müssen rund 40 der insgesamt 78 Bilder an der East Side Gallery dieser Handarbeit unterzogen werden. Bei etwa der Hälfte sei das bereits passiert.

Selbst Jörg Weber ist von den Fortschritten angetan. Er gehört zum Verein East Side Gallery, der sich schon lange für den Bestand und die Pflege des Kunstdenkmals einsetzt und bisher vor allem das zaghafte Vorgehen des Bezirks kritisiert hat. Allerdings könne er nicht für alle Künstler sprechen, sagt Weber, der zufällig mit einer Touristengruppe vorbeikommt. Dort gebe es teilweise auch Einwände und kritische Stimmen.

Bis zum nächsten Jahr ist das Projekt noch finanziert. So lange braucht sich Adalbert Klees um das Säubern keine Sorgen machen. Aber auch danach müsse die Reinigung sichergestellt sein, sagt er. Bis dahin setzt er vor allem auf den Lerneffekt. Der zeigt Wirkung: etwa bei einem Paar, das sich einem der Gemälde nähern will. Wegen des Zauns gehen sie aber einige Schritte zurück und machen von dort ein Foto. tf

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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