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Schimmel, Asbest und Risse: Schulamt sperrt Carl-Kraemer-Schule

Wo: Carl-Kraemer-Grundschule, Zechliner Str. 4, 13359 Berlin auf Karte anzeigen
Die Carl-Kraemer-Schule in der Zechliner Straße 4 im Soldiner Kiez wurde komplett gesperrt.
Die Carl-Kraemer-Schule in der Zechliner Straße 4 im Soldiner Kiez wurde komplett gesperrt. (Foto: Dirk Jericho)

Bereits im Dezember mussten Mensa, Turnhalle, Computerraum, eine Lehrertoilette und ein Treppenhaus gesperrt werden. Jetzt hat Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) die Ganztagsschule in der Zechliner Straße 4 komplett dicht gemacht.

Überall Bauzäune, hinter denen Material liegt. Aus den schimmligen Kellerfenstern dröhnen Lüfter, oben aus den Dachboden-Fenstern flattern Entlüftungsschläuche. Kinder sieht man seit dem 21. Februar keine mehr. 15 Bauarbeiter der Sanierungsfirma Omni-Tec wuseln in den Etagen und Klassenzimmern. Sie sind damit beschäftigt, die maroden Deckenverkleidungen aus KMF zu entfernen. Die künstlichen Mineralfasern, auch Mineralwolle genannt, können krebserzeugend sein.

Doch das ist nicht der Grund der Entfernung. Bei einer Begehung haben Techniker eine KMF-Decke festgestellt, die schon einen Meter durchgehangen hat und drohte abzustürzen. „Aus Gründen der akuten Gefahrenabwehr“ und weil auch in den anderen Räumen die alten Deckenplatten hängen, hat sich Schulstadtrat Spallek für die Sperrung der Schule entschlossen. „Um ein Ereignis wie in Spandau zu vermeiden, werden die Deckenverkleidungen in mehreren Klassenräumen vorsorglich ausgetauscht.“ In der Spandauer Carlo-Schmid-Schule war in den Herbstferien ein Teil der Decke abgestürzt. Zum Glück war zu diesem Zeitpunkt niemand dort.

In Gesundbrunnen wurde unter einer Verkleidung nun auch noch ein Riss in der obersten Geschossdecke festgestellt, wie Spallek sagt. Ein Gutachter soll klären, ob dies Einfluss auf die Statik hat. Während derzeit in der obersten Etage alle Decken komplett erneuert werden und neue Verkleidungen per Schrägaufzug nach oben rauschen, kratzen Arbeiter auf dem gesperrten Dachboden die Asbestverkleidungen von den Balken. Der Dachboden darf wegen massiven Taubenkots schon länger nicht betreten werden. Auch der feuchte Keller ist schon lange gesperrt und abgeklebt, damit keine Schimmelsporen ins Gebäude gelangen. Und doch wurden im Dezember bei Raumluftmessungen Sporen entdeckt und Gebäudeteile daraufhin gesperrt. Weil die Schule jetzt komplett leer ist und die Arbeiter Baufreiheit haben, wurde bereits „hinsichtlich der Schimmelproblematik die Reinigung aller kontaminierten Flächen und Gegenstände beauftragt“, so Spallek. 

Die 500 Schüler der Carl-Kraemer-Schule werden bis zum Ende der Osterferien am 6. April in anderen Schulen untergebracht. Dann soll alles schimmelfrei sein und es kein Risiko mehr geben, dass jemand von einer herabstürzenden Decke erschlagen wird. Den weitesten Weg haben die 277 Schüler der zwölf Klassen, die per Busshuttle zum neuen MEB in die Chausseestraße gekarrt werden. Dieser Modulare Ergänzungsbau (MEB) an der Ecke Boyenstraße ist gerade erst fertig geworden und erster Bauteil der zukünftigen Grundschule Europacity. Eigentlich sollten vorerst Schüler der Humboldthain-Grundschule den Fertigteilbau als Filiale nutzen. Die Kinder aus der maroden Carl-Kraemer-Schule werden den längeren Schulweg vielleicht gern in Kauf nehmen. Denn die Legoschulen aus dem Baukasten sind kein Provisorium, sondern hell, modern und technisch bestens ausgestattet.

Sieben Klassen mit 137 Schülern pendeln bis Ostern zur Gebrüder-Grimm-Schule in die Tegeler Straße; vier Klassen mit 86 Schülern haben fortan Unterricht in der Rudolf-Wissell-Grundschule in der Ellerbeker Straße 7. Das Bezirksamt rechnet mit einem „mittleren fünfstelligen Betrag“ für den Busshuttle.

Den gibt es nicht zur Rudolf-Wissel-Schule, weil diese laut Spallek „fußläufig erreichbar“ ist. Von der Carl-Kraemer-Schule in der Zechliner Straße 4 im Soldiner Kiez sind es laut Routenplaner 1,9 Kilometer und 25 Minuten Gehzeit. Der Marsch geht über die Soldiner Straße und Freienwalder Straße zur Osloer Straße, die die Kinder auch überqueren müssen. Eine zwei Kilometer lange Wegstrecke würde wohl nicht jeder Erwachsene als fußläufig bezeichnen.

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