Klaus Leutner wurde mit polnischem Verdienstorden ausgezeichnet

Klaus Leutner mit seinem polnischen Verdienstorden.
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Stolz zeigt Klaus Leutner (77) den Orden mit der rot-weißen Banderole und dem polnischen Adler. Damit hat die Republik Polen den Köpenicker 2017 für seinen Einsatz um fast vergessene polnische NS-Opfer ausgezeichnet.

Bis zum Ruhestand hatte der geborene Ostpreuße – 1940 in Königsberg – bei der Bahn gearbeitet. Vor 15 Jahren zog der Steglitzer dann in die Köpenicker Dammvorstadt. „Weil ich nach meinem vorzeitigen Ruhestand eine Aufgabe suchte, hatte ich 2001 den Verein Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde mitbegründet. Ich hatte im Gedenkstättenarchiv in Sachsenhausen erfahren, dass in Lichterfelde am Teltowkanal eines der Außenlager existierte. Damals gab es vor Ort keine Erinnerung an das Lager, obwohl seit 1984 ein entsprechender Beschluss der Steglitzer Bezirksverordneten auf dem Tisch lag“, erzählt Klaus Leutner.

Im Jahr 2001 wurde auf einem kleinen bezirklichen Grundstück dann ein Gedenkstein eingeweiht, erstes Ergebnis der Arbeit des neuen Vereins. Über seine Kontakte in ganz Europa erfuhr Klaus Leutner dann vom Schicksal des polnischen Bischofs Julius Bursche (1862-1942). Der deutschstämmige polnische Staatsbürger war seit 1937 Landesbischof der Polnischen Evangelischen Kirche. Nach dem Einmarsch der Deutschen 1939 wurde er am 3. Oktober verhaftet, zur Gestapo nach Berlin gebracht und von Reinhard Heydrich persönlich verhört. Ihm wurde vorgeworfen, dass er seine deutschen Wurzeln verraten und gegen die Interessen Deutschlands gearbeitet hätte. „Bischof Bursche wurde 1940 ins KZ Sachsenhausen interniert und dort im Zellenbau für prominente Häftlinge untergebracht. Als er 1942 schwer erkrankte, wurde er ins Polizeikrankenhaus Scharnhorststraße – heute Bundeswehrkrankenhaus – gebracht, dort starb er am 20. Februar 1942“, berichtet Klaus Leutner.

Das Schicksal des Bischofs hat den Köpenicker dann nicht mehr losgelassen. Im Einäscherungsbuch des Krematoriums Wedding fand er die entsprechenden Unterlagen. Daraus ging hervor, dass die Urne von Bursche zum Friedhof Humboldtstraße in Reinickendorf gebracht wurde. Weil die Ruhefrist abgelaufen war, wurde das Grab 1962 aufgehoben. „Aus der Grabkarte ging nicht hervor, dass Julius Bursche ein KZ-Insasse war. Vermutlich ist das 1942 mit Absicht verschleiert worden“, meint Klaus Leutner. Auch mit einem alten Lageplan wurde die Urne bisher nicht gefunden. Es gibt bereits Pläne, mit einem Gedenkstein am ursprünglichen Bestattungsort in Reinickendorf an den Bischof zu erinnern.

Für sein Engagement um das Schicksal von Bischof Bursche, der in Polen als Nationalheld gilt, hat Botschafter Andrzej Przybilski am 25. November 2017 Klaus Leutner das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen überreicht.

Die Auszeichnung ist für ihn Ansporn, sich auch künftig für das Gedenken an NS-Opfer zu engagieren. Derzeit befasst sich der Hobbyforscher mit dem Gräberfeld U 2 auf dem Friedhof Altglienicke an der Schönefelder Chaussee. Dort wurden bis 1943 über 1200 Urnen von NS-Opfern, darunter KZ-Insassen und Opfer der Euthanasieaktion T 4, regelrecht verscharrt. Im Jahr 1952 kamen dann noch 80 Urnen hinzu, die in der Charité gefunden wurden und die Asche von in Plötzensee Hingerichteten enthalten.

„Zu den dort Bestatteten gehören auch 18 katholische Priester aus Polen, die im KZ Sachsenhausen ermordet wurden. Ich finde, die Anlage soll als Kriegsgräberstätte neu gestaltet werden. Dann könnten sich dort Deutsche und Polen zur Versöhnung die Hände reichen“, erklärt Klaus Leutner. Bischof Julius Bursche.

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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