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mein Stammtisch-Interview | Peter Bachstein

Wo: Restaurant Kirsons, Charlottenstraße 13, 10969 Berlin auf Karte anzeigen
Peter Bachstein (Foto: Vera Schwarz)
Peter Bachstein (Foto: Vera Schwarz)

Jahrgang '49, Blogger und Reiseredakteur der Zeitschrift Retina Aktuell. Nach dem Abitur (2. Bildungsweg) studierte er Geschichte und Wirtschaft, arbeitete als freier Autor für Reise und Kultur sowie als Dozent für Politische Bildung. Mit dem Fotografen Peter Homann brachte er die Bücher "Rüdersdorfer Tagebau" und "Berlin Marzahn" heraus. Trotz seiner angeborenen Sehbehinderung ist er zusammen mit seiner Gefährtin Vera Schwarz immer unterwegs um neue Stories auszubuddeln ;-)

Am 10. Februar veröffentlichte er unter dem Titel „Never Ending Reiserausch“ eine Auswahl von Reisegeschichten, die wenig mit Urlaub, aber viel mit verrückten Erlebnissen zu tun haben. Hier mein Interview mit dem Autor:

Peter Bachstein, vor zehn Jahren erschienen deine ersten „Großstadtwanderer“ Erlebnisse als Kurzkolumne im unseren Magazin. Hattest du damals schon vor, daraus ein Buch zu machen?
Peter Bachstein: Nein, die Idee kam erst, nachdem ich die „Schöne Ecke“ wie besagte Kolumne seinerzeit hieß, als Blog an den Start brachte. Da wurden die Geschichten etwas länger und der Großstadtwanderer zog mit der geheimnisvollen Besucherin auch außerhalb Berlins durch laute Städte und manchmal auch stille Wälder. Der gastronomische Schlussakkord blieb aber erhalten. Man braucht ja nach jeder Tour ein paar anständige Bissen plus Bier.

So ist also dein Buch eine Sammlung jener humorvollen Reise- und Wandergeschichten, die man auch von deinem Blog kennt?
P. B.: Keine Sammlung, nur eine kleine Auswahl. Sonst wäre das Buch dick wie ein Duden geworden.

Nenne uns mal ein paar Beispiele deiner Auswahl
P. B.: Nun, der Großstadtwanderer und die geheimnisvolle Besucherin sind ja immer mit dem Zug unterwegs weil sie aufgrund ihrer Sehbehinderung nicht Auto fahren können. Aber das ist auch ganz gut so denn das Reisen mit der Eisenbahn liefert diesen beiden nicht besonders ernsten Menschen köstliche Erlebnisse. Beispielsweise im neuen doppelstöckigen Intercity Schaukelzug, wo du gut beraten bist, wenn du vor Fahrtantritt mal den Seemannsgang übst, denn das Vehikel schwankt wie ein oller Äppelkahn auf den Wellen eines wilden Meeres. Spannend auch die Fahrt in Zügen mit modernen High Tech Toiletten, die von künstlicher Intelligenz überwacht werden. Du kommst problemlos rein, kannst aber nicht sicher sein, ob die digitale Verriegelung dich wieder raus lässt. Da ist dann jede Menge Zeit für philosophische Gedanken über die Kulturgeschichte des stillen Örtchens. Auch Museumsbesuche können äußerst kurzweilige Geschichten liefern – vor allem wenn dir kein Mensch, sondern ein kleiner Roboter seine Dienste als Guide anbietet. Der ist dann plötzlich in den Tiefen der Ausstellung verschwunden ohne sich davon zu überzeugen, ob du ihm überhaupt folgen konntest. Nach solchen anstrengen Erlebnissen müssen die Beiden zum Stressabbau immer ein Restaurant aufsuchen.

Kling nach Reisesatire...
P. B.: Satire? Ach ich weiß nicht. So ist das reale Leben des Großstadtwanderers. An den Geschichten ist nichts Ausgedachtes – alles ist so passiert, wie es im Buch steht. Aber vielleicht ist ja das Leben des Großstadtwanderers permanente Reisesatire.

Also ich finde, der Titel „Never Ending Reiserausch“ hat zumindest einen satirischen Anklang. Wie bist du überhaupt darauf gekommen?
P. B.: Das war schon mit der „Schönen Ecke“ so, auch mit dem Großstadtwanderer oder der geheimnisvollen Besucherin. Und ich antworte auch diesmal, dass ich nicht weiß, wie und warum mir plötzlich dieser Titel zugeflogen kam. Er war einfach da als ich auf der vergeblichen Suche nach einem Titel vor lauter Verzweiflung schon in die Spree hüpfen wollte. Und ich finde, er passt bestens.

Du hast „Never Ending Reiserausch“ als eBook veröffentlicht. Warum nicht als Print?
P. B.: Keine Bange, Print kommt auch noch. Doch das eBook stand zunächst im Vordergrund, weil es bezogen auf blinde und sehbehinderte Leser ein barrierefreies Medium ist. Man kann auf den Readern die Schriftgröße einstellen und mit Smartphone oder Tablet sich das Buch sogar vorlesen lassen. Es sei hier übrigens darauf hingewiesen, dass „Never Endig Reiserausch“ auf einer unabhängigen Plattform erschienen ist. Das Buch ist also in allen einschlägigen Online Shops erhältlich und kann daher sowohl mit dem Kindle wie dem Tolino gelesen werden, aber auch mit Android- und iOS-Endgeräten.

Und wie sieht es mit der Zukunft aus? Sind weitere Bücher von dir zu erwarten?
P. B.: Mit Sicherheit. Aktuell arbeite ich an einem Krimi, was allerdings keine Abkehr vom Reisethema ist – ganz im Gegenteil. Der beginnt mit einer Fahrt im Liegewagen eines Nachtzuges, der im Bauch einer Fähre über die Ostsee schwankt. Mehr verrate ich nicht...

Peter Bachstein, Never Ending Reiserausch, ISBN: 978-3-7427-5121-8
erschienen 2018 als ebook bei neobooks | Preis: 2,99 €

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