"Alles niedergewalzt, was im Weg war"
Unmut über Rodungsarbeiten im Kirchhainer Wäldchen

Zwei Anwohnerinnen betrachten, was von den Bäumen liegen geblieben ist.
6Bilder
  • Zwei Anwohnerinnen betrachten, was von den Bäumen liegen geblieben ist.
  • Foto: Schilp
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Die Anwohner sind empört: Mitte Dezember rückten Arbeiter mit riesigen Maschinen an und legten breite Schneisen im Kirchhainer Wäldchen an, um Bäume zu fällen und Äste abzusägen. Informationen über die Rodungen hatte es im Vorfeld nicht gegeben.

„Vollkommen unverhältnismäßig“, so lautet das einhellige Urteil der rund 40 Nachbarn aus dem Bayerischen Viertel, die sich Ende Dezember zum Ortstermin im Wäldchen trafen, das im Dreieck zwischen Kirchhainer Damm und Landesgrenze liegt. Wolfgang Eberle, der seit 49 Jahren an der Augsburger Straße lebt, sagt, etwas Ähnliches habe er noch nie erlebt. Jeder, der auf dem eigenen Grundstück einen Baum fälle, müsse strenge Auflagen erfüllen. „Hier wurde dagegen alles, was im Weg war, einfach niedergewalzt“, ärgert er sich. Dabei sei vom Wäldchen noch nie ein Schaden ausgegangen. Ebenso wie Anwohner Bernd Richter hat er sich bei den zuständigen Berliner Forsten beschwert.

Dort heißt es, man sei lediglich der Verkehrssicherheitspflicht nachgekommen. Entlang des Kirchhainer Damms und an den Waldwegen hätten tote Äste und nicht mehr standsichere Bäume entfernt werden müssen. „Viele wiesen Wurzel-und Stammschäden auf, die als Folge der Dürrejahre durch Pilze und Insekten entstanden sind, sowie Risse und Beeinträchtigungen durch Wind und Stürme“, so Ilona Täge von den Berliner Forsten. Der Einsatz von schwerem Gerät in den geschaffenen Schneisen (sogenannte Rückegassen) sei notwendig gewesen, um Mitarbeiter vor herabfallenden Ästen zu schützen. Das Ganze sei eine „Aufgabe, die Sensibilität und Fachkenntnis“ erfordere, so Täge.

Genau das vermissen jedoch die Anwohner. Die Vorwürfe sind zahlreich. So beklagt eine Anwohnerin unzureichende Sicherheitsvorkehrungen, einem Spaziergänger sei während der Arbeiten fast ein Ast auf den Kopf gekracht. Gesunde Jungbäume seien gefallen, tote dagegen stehengeblieben, monieren andere. Ein vernünftiges Konzept habe es offenbar nicht gegeben. Bernd Richter sagt, die mächtigen Holzvollernter, auch „Harvester“ genannt, hätten den Boden zerstört und unzulässig verdichtet. Noch nie zuvor sei mit diesen Fahrzeugen im Kirchhainer Wäldchen gearbeitet worden.

Über einige der regulären Wege sind die Maschinen ebenfalls gerollt. Sie würden aber in diesen Tagen wiederaufbereitet, versichert Ilona Täge. Das kann die Nachbarn kaum beschwichtigen. Auch Biologielehrer Carsten Rasmus, der hier oft seine Joggingrunde dreht, ist schockiert. Beim Anblick der Schneisen fühlt er sich an den Wirbelsturm erinnert, der 2002 über Lichtenrade wütete. „Wie kann in einem Kleinod der Naherholung und der Natur so unsensibel gearbeitet werden?“, fragt er. Er wollte von den Berliner Forsten wissen, ob wenigstens auf Bäume Rücksicht genommen wurde, in denen Spechte, Kleiber und andere Vögel brüten. Eine Antwort darauf bekam er nicht.

Was alle aufregt, ist die Tatsache, dass niemand mit ihnen geredet hat. Und die meisten glauben, dass auch gesunde Bäume bewusst gefällt wurden, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Als Beweise dienen ihnen die riesigen Stapel an einem der Hauptwege. Ilona Täge widerspricht: „Die Berliner Wälder dienen der Erholung und nicht der Holzgewinnung, das legt das Landeswaldgesetz klar fest.“ Weiter teilt sie mit, Ersatzpflanzungen seien nicht geplant. Denn jetzt dringe mehr Licht auf den Boden, neu ausgesäte Laubbäume könnten besser wachsen, kräftige Kronen und besseres Wurzelwerk ausbilden.

Auch das trifft nicht den Nerv der Lichtenrader. „Die Natur soll nun im Nachgang sich selbst überlassen werden. So kann Waldschutz und Klimaverbesserung nicht erfolgen“, meint Bernd Richter. Immerhin hat der zuständige Revierförster Stefan Voigt ihm gegenüber inzwischen „Nachbesserungsbedarf“ bei der Bürgerinformation eingeräumt.

Wer mit dem Revierförster sprechen möchte: Ab dem 11. Januar ist er immer dienstags von 14 bis 18 Uhr unter Telefon 532 87 06 für die Bürger erreichbar.

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

16 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Arno Steguweit, Sommelier und echter Genusskenner, empfiehlt Ihnen gern den passenden Tropfen.
2 Bilder

Arnos Weinladen
Weine, Delikatessen und Gastlichkeit in Glienicke

Namensgeber von Arnos Weinladen ist Arno Steguweit, Sommelier und echter Genusskenner. Er war lange Zeit in der gehobenen Gastronomie in Berlin tätig und widmet sich verstärkt dem Nachwuchs, indem er für die IHK angehende Sommeliers prüft. Im November 2020 hat Arno nun seinen eigenen Weinladen in Glienicke direkt an der B96 eröffnet. "Unser Weinladen bietet eine Vielzahl von nationalen und internationalen Weinen. So können Sie nicht nur Riesling, Grauburgunder und Spätburgunder aus Deutschland...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 26.01.22
  • 37× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Die Patienten werden in der letzten Lebensphase liebevoll betreut.
6 Bilder

Gut betreut in der letzten Lebensphase
Pflegefachkräfte leisten wertvolle Arbeit im anthroposophischen Gemeinschaftshospiz

„Pflege ist nicht nur ein Job, Pflege ist eine Berufung!“ – Das ist die Einstellung der engagierten Pflegefachkräfte, die im Gemeinschaftshospiz Christophorus in Berlin-Kladow schwerstkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten, damit diese in Würde Abschied nehmen können. Arbeit unter erschwerten BedingungenSpätestens seit der Covid19-Pandemie ist der Öffentlichkeit bewusst geworden, dass die unermüdliche Arbeit von Pflegefachkräften mehr Wertschätzung verdient. Während viele...

  • Bezirk Spandau
  • 24.01.22
  • 70× gelesen
WirtschaftAnzeige
Ab dem 28. Januar finden Sie Ihre Parfümerie Gabriel in neuem Glanze endlich wieder im Tegel Quartier.

Parfümerie Gabriel
Ab 28. Januar 2022 wieder im Tegel Quartier!

Liebe Kundinnen und Kunden, ab dem 28. Januar 2022 finden Sie uns in neuem Glanze endlich auch wieder im Tegel Quartier. Ob Düfte, Pflegeprodukte, Make-up oder besondere Accessoires – bei unseren Beautyexperten finden Sie bestimmt das Richtige für sich oder Ihre Liebsten. Oder verschenken Sie doch einen unserer liebevoll verpackten Geschenkgutscheine. Gerne laden wir Sie auch wieder zu unvergesslichen Verwöhn-Momenten in unsere neue Beauty Lounge ein. Unsere Kosmetikerinnen freuen sich bereits...

  • Tegel
  • 20.01.22
  • 131× gelesen
WirtschaftAnzeige
Farbenfroh strahlt die Fassade am Tierpark Center.
3 Bilder

Temporäre Open-Air-Gallery als echter Hingucker
Tierpark Center Berlin präsentiert während des Umbaus urbane Kunst

Während des momentan laufenden Umbaus wird das Tierpark Center in Friedrichsfelde zur temporären Open-Air-Gallery. Sieben Berliner Künstler*innen für Urban Art gestalten einen Teilbereich der Fassade mit speziell für den Standort entwickelten Motiven. Der Eigentümer hat das Projekt gemeinsam mit der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Andrea Stöckmann sowie Ulrike Gohla von den Stadtpiraten initiiert. Anwohner neugierig machen Das Motto lautet „Farewell“. Es steht für die Restrukturierung...

  • Bezirk Lichtenberg
  • 20.12.21
  • 714× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen