Schwarzer Tag oder Feiertag?
Der offizielle Baustart für die Dresdner Bahn ist erfolgt

Hier wird das letzte Element der Schallschutzwand zwischen dem Bahnhof Lichtenrade und dem Bahnübergang Wolziger Zeile eingesetzt.
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Sie ist 350 Meter lang und Vorbotin eines der größten Bauprojekte Berlins in den kommenden Jahren. Mit dem Einheben des letzten Elements der Schallschutzwand südlich des S-Bahnhofs Lichtenrade ist am 5. Februar der Ausbau der Dresdner Bahn offiziell gestartet.

„Auf diesen Tag haben wir lange gewartet. Endlich können wir mit dem Wiederaufbau beginnen“, zeigte sich Ronald Pofalla, Vorstandmitglied der Deutschen Bahn im Bereich Infrastruktur, zufrieden. „Diese Verbindung ist für den Flughafen BER, für schnellere Fahrzeiten nach Dresden und Prag sowie für die Entlastung der Strecke von Berlin Richtung Leipzig und München wichtig“, sagte er bei der Zusammenkunft am Bahnübergang Wolziger Zeile. Bis Dezember 2025 werden zwischen Südkreuz und Blankenfelde auf einer Strecke von 16 Kilometern zwei neue, elektrifizierte Fernbahngleise einschließlich einer Verbindungskurve zum Großflughafen entstehen. Hauptbahnhof und BER sollen dann in einer Fahrtzeit von 20 Minuten miteinander verbunden sein. Zwischen Berlin und Dresden sind Fahrgäste statt zwei Stunden nur noch 80 Minuten unterwegs. Rund 560 Millionen Euro wird dies kosten.

Die bauvorbereitenden Arbeiten südlich des Bahnhofs Lichtenrade und an der Säntisstraße in Marienfelde begannen 2017. In diesem Jahr starten auf dem Abschnitt von Marienfelde bis zur Landesgrenze nach und nach die Hauptarbeiten, unter anderem mit dem Neubau der Fußgängerunterführung an der Wolziger Zeile und einer Straßenunterführung an der Säntisstraße. Eine Lärmschutzwand wie in Lichtenrade wird zwischen den Bahnhöfen Attilastraße und Schichauweg errichtet. Insgesamt löst die Deutsche Bahn neun Bahnübergänge auf und baut stattdessen Brücken oder Unterführungen. „Damit der Verkehr auf der Straße dabei nicht zum Erliegen kommt, wird so gebaut, dass von zwei benachbarten Bahnkreuzungen eine als Umleitungsstrecke offenbleibt“, teilt das Unternehmen mit.

Dass der Ausbau sinnvoll ist, darin sind sich fast alle einig. Die Art und Weise stößt jedoch seit Langem auf heftige Kritik. „20 Jahre haben wir gemeinsam für eine Tunnellösung gekämpft. Heute wird unser Ortsteil durch meterhohe Schallschutzwände in zwei Teile gespalten, Lärm und Erschütterungen werden die Lebensqualität der Menschen massiv beeinträchtigen. Das ist ein schwarzer Tag für Lichtenrade“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak. Im Juni 2017 hatte das Bundesverwaltungsgericht die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss abgewiesen. „Ich hätte nie gedacht, dass durch unseren Ortsteil einmal mehr eine Mauer verlaufen würde“, so der CDU-Bezirksverordnete und Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Bahnhofstraße, Hagen Kliem. „Es gab von Bahn und Bund keinen Willen für eine Tunnellösung. Sie wollten keinen Präzedenzfall schaffen. Ich finde es grauenvoll, dass so etwas gebaut wird“, erklärte die SPD-Abgeordnete Melanie Kühnemann-Grunow. Auch Anwohner waren zum Baustart gekommen. Sie machten mit Trillerpfeifen und Protestbannern ihrem Ärger Luft.

„Der Schallschutz ist gut ausgerechnet. Die Bürger müssen sich keine Sorgen machen“, bekräftigte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister. „Den Menschen hier sage ich, dass wir Verständnis haben für Proteste. Es gehört in einem Rechtsstaat dazu, dass Bürger klagen können. Hier hat es jetzt Verfahren über 20 Jahre gegeben und es ist höchstrichterlich entschieden worden, dass das, was wir hier machen, rechtmäßig ist. Ich wünsche mir jetzt, dass die Menschen, die protestiert haben, auch den Frieden finden mit dieser Maßnahme“, ergänzte Ronald Pofalla. „Wir werden den Bauprozess kritisch begleiten und darauf achten, dass die Bahnhofstraße wie auch die anliegenden Seitenstraßen verkehrstechnisch nicht kollabieren. Sie muss weiterhin eine funktionierende Einkaufsstraße bleiben“, so Kliem.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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