Ranger Björn Lindner sieht viel Unvernunft im Landschaftspark Marienfelde
Trotz Waldbrandgefahr Grillen und Lagerfeuer

Verbrannte Holzstämme wie diesen musste Björn Lindner im Park einsammeln. Die vier überdachten Sitzbänke im Hintergrund wurden abgebaut, damit nicht mehr gegrillt wird.
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  • Verbrannte Holzstämme wie diesen musste Björn Lindner im Park einsammeln. Die vier überdachten Sitzbänke im Hintergrund wurden abgebaut, damit nicht mehr gegrillt wird.
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Der Sommer hat noch nicht einmal begonnen, da herrscht in Berlin und Brandenburg bereits seit Wochen akute Waldbrandgefahr. Auch im Landschaftspark Marienfelde sind Böden und Bäume ausgetrocknet. Ein Funke könnte zu einer unkontrollierbaren Situation führen. Ungeachtet dessen erwischt Björn Lindner immer wieder Menschen beim Grillen oder am Lagerfeuer.

Der Ranger der Naturwacht Berlin musste bereits mehrmals die Polizei hinzuziehen, um Gruppen aufzulösen. Nach dem Grünanlagengesetz ist Grillen in öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen sowieso verboten. Hinzukommt in der jetzigen Zeit, dass Menschenansammlungen aufgrund der Corona-Abstandsregeln generell unterlassen werden sollen. Einige Parkbesucher verstoßen daher gleich gegen mehrere Anordnungen. Als Björn Lindner die Berliner Woche am 24. April zu einer Rundfahrt durch den Park mitnimmt, muss er an einem der Eingänge eine Gruppe Jugendlicher stoppen. Einer von ihnen trägt einen Sack mit Grillkohle. Der nächste hat einen Grill dabei. Die anderen tragen Essen und Getränke. Lindner ermahnt die Jungen, die daraufhin umdrehen. Mit seinen Belehrungen dringt er jedoch nicht bei allen durch. Zur Sicherheit haben er und seine Mitarbeiter daher die vier im Park verteilten überdachten Sitzmöglichkeiten abgebaut. Sie stehen nun auf dem Hof der derzeit geschlossenen Naturschutzstation im Diedersdorfer Weg.

Dort präsentiert der Ranger außerdem einen Einweggrill, den Unbekannte im Park zurückgelassen haben, sowie angebrannte Äste. „Die Leute fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt“, sagt er. Verbote interessierten manche einfach nicht. Weil die Trockenheit der Natur schon im April zu schaffen machte, stellt Björn Lindner eine düstere Prognose für die kommenden Monate. Nach den beiden Hitzesommern 2018 und 2019 erwartet er, dass 2020 noch dramatischer wird. Ein einzelner Platzregen könne überhaupt nichts ausrichten. Der sei ganz schnell wieder verdunstet. Nur, wenn es mindestens zwei Wochen am Stück regnen würde, könnten die Böden wieder genügend Feuchtigkeit ziehen und sich Wiesen und Wälder erholen.

Krise lockt Menschen ins Grüne, ihr Müll bleibt liegen

Doch nicht nur das beschäftigt das Naturwacht-Team im Moment. Aufgrund des Sonnenscheins und der zusätzlichen Zeit, die viele in der Corona-Krise haben, lockt es noch mehr von ihnen nach draußen. Mit unschönen Folgen, wie an mehreren Stellen zu sehen ist. „In letzter Zeit wird extrem viel Müll abgeladen“, erzählt der Ranger. Kühlschränke, Autoreifen und Renovierungsutensilien gehören dazu. Lindner und seine Kollegen kommen teilweise kaum hinterher, das alles wegzuräumen. Auf dem Hof stapeln sich die entsorgten Geräte.

Anstatt sich jedoch über ein solches Verhalten permanent zu ärgern, konzentrieren sie sich lieber auf ihre Arbeit, die auch jetzt nicht stillsteht. Da die Naturschutzstation bis auf Weiteres nicht öffnen darf, wird gerade an allen Ecken gewerkelt. Zwei neue Biotoiletten für die Besucher werden ebenso gebaut wie eine Steganlage für den Teich im hinteren Bereich. Die Hochbeete werden überarbeitet und wieder bepflanzt. Wildschwein „Borst“, Liebling der Besucher, bekommt ein neues Gehege, wofür noch Geld benötigt wird. Außerdem entsteht eine Holzbox für ein Wiesen-Diorama, das Kindern die Natur näherbringen soll. Björn Lindner hofft darauf, dass er im Juni die Naturbildungsangebote mit begrenzter Teilnehmerzahl wieder aufnehmen darf. „Ich wünsche mir die Rückkehr in eine – sicherlich geänderte – Normalität. Dafür muss ich ein Hygienekonzept schreiben“, berichtet er. Seine Mitarbeiter tragen inzwischen Stoffmasken, die eine Ehrenamtliche aus dem Verein genäht hat. Die Arbeitszeiten wurden zudem auseinandergezogen, damit nicht zu viele Mitarbeiter an einem Ort beschäftigt sind.

Die Finanzierung der Naturwacht durch den Bezirk ist weiter gesichert. „Ich mache mir aber schon massive Sorgen fürs nächste Jahr, denn irgendwo wird gespart werden müssen.“

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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