Karriere machen als zweifache Mutter
Jenny Koch, Vorständin bei Koch Automobile, erzählt von ihren Erfahrungen

"Ich kann mir vorstellen, dass es einige Frauen gibt, die das Gefühl haben, mehr leisten zu müssen als Männer", sagt Jenny Koch, Personalvorstand der Koch Automobile AG.
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  • Foto: Koch Gruppe Automobile AG
  • hochgeladen von Philipp Hartmann

In Deutschland verdienen Frauen noch immer durchschnittlich 19 Prozent weniger als Männer. Auf diese Ungerechtigkeit macht der internationale Aktionstag „Equal Pay Day“ am 10. März aufmerksam. Jenny Koch kennt die Probleme, die Frauen im Berufsleben erwarten. Die 36-Jährige ist Mitglied im Vorstand der Koch Gruppe Automobile AG und dort zuständig für das Personal.

Gegründet wurde das Unternehmen 1993 in Marzahn als „Autohaus Koch GmbH“. Inzwischen gibt es acht Standorte in Berlin und Brandenburg. Gründer Thomas Koch ist heute Vorstandsvorsitzender. Jenny Koch ist seine Tochter. Dass sie einmal in der Firma ihres Vaters arbeiten würde, war keinesfalls sicher, denn ursprünglich hatte sie ganz andere Pläne. „Ich wollte eigentlich Schauspielerin werden und hatte überlegt, auf eine Schauspielschule zu gehen“, erzählt sie. Im Alter von elf Jahren wurde sie Mitglied im Kinder- und Jugendensemble des Friedrichstadtpalastes, das sie erst mit 17 wieder verließ. Als sie nach dem Abitur eine Entscheidung treffen musste, ging sie dann aber zunächst nach Österreich. Dort machte sie eine sechswöchige Ausbildung zur Skilehrerin. Sie wollte „einen Tapetenwechsel, einfach mal raus aus Berlin“. Nach einer Skisaison zog es sie jedoch wieder in die Heimat.

Ausbildung und Studium

Zurück in Berlin absolvierte sie zunächst Praktika, unter anderem im Bereich Eventmanagement beim Booker (Künstleragent) der „Kelly Family“, und dann auch bei der Koch Gruppe. „Da habe ich gemerkt, das macht ja eigentlich Spaß.“ Sie absolvierte eine Lehre zur Automobilkauffrau und im Anschluss ein Studium zum Kfz-Betriebsfachwirt.

Zu ihrem Vater habe sie schon immer ein inniges Verhältnis. Er habe sie nie danach gefragt, ob sie in seinem Unternehmen arbeiten wolle. Die Initiative habe sie selbst ergriffen, womit ihr Vater wohl selbst nicht gerechnet habe. „Gleich danach war ich Filialleiterin in Köpenick. Mein Vater hat gesagt: ,Mach mal, ich stehe dir immer mit Rat und Tat zur Seite‘.“

Männer verkaufen sich besser

Bei der Koch AG seien Frauen nie benachteiligt worden, erklärt sie. „Wir sind ein total offenes Unternehmen. Mein Vater hat das immer vorgelebt.“ Bei der Bezahlung gebe es keine Unterschiede. Sie ahne allerdings, warum dies nicht überall so ist. „Ich kann mir vorstellen, dass sich Männer bei Einstellungsgesprächen tatsächlich besser verkaufen können. Sie haben andere Verkaufsargumente und bessere Durchsetzungskräfte. Der Mann ist eben der Pokertyp und hat ein größeres Ego. Ich glaube, dass sich manche Frauen unter Wert verkaufen. Das hat mit Selbstbewusstsein zu tun.“

Bei der Koch AG basiere die Unternehmenskultur auf Augenhöhe. Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich der Anerkennung gebe es somit nicht. Dennoch gibt Jenny Koch zu bedenken, dass viele Frauen, die beruflich vorankommen wollen, Abstriche machen müssten. „Ich kenne zwei sehr erfolgreiche Frauen, die Karriere gemacht haben, aber kinderlos sind. Das Thema Kinder ist, glaube ich, sehr schwierig.“

Das perfekte Familienumfeld

Ihr selbst ist es auch als zweifacher Mutter (der Sohn ist vier Jahre, die Tochter neun Monate alt) gelungen, erfolgreich im Beruf zu sein. Dafür mussten allerdings auch verschiedene Faktoren zusammenkommen, wie sie zugibt. „Ich habe den perfekten Mann gefunden, um Karriere zu machen und in dieser verantwortungsvollen Position zu sein. Mein Mann bringt hauptsächlich die Kinder zur Kita und holt sie auch ab. Außerdem wohnt meine Schwiegermutter gleich in der Nähe. Dass diese Umstände so glücklich zusammenfallen, gibt es nicht so oft.“ Zeitmanagement sei immer und besonders jetzt in der Pandemie ein großes Thema. Aktuell befindet sie sich in Elternzeit. In den vergangenen Jahren hat sie beobachtet, dass immer mehr Männer diese gesetzlich geregelte Möglichkeit wahrnähmen. In dieser Hinsicht habe es in den zurückliegenden Jahren Fortschritte gegeben.

In getrennte Umkleiden investiert

Ganz ohne Arbeit geht es für sie aber auch jetzt nicht, denn Jenny Koch kümmert sich im Unternehmen um das Personal und die Ausbildung von Nachwuchskräften. Dazu gehören Recruiting, Kündigungen, Weiterentwicklungen. Von den insgesamt 358 Mitarbeitern sind 67 Azubis. 20 Prozent der Mitarbeiter im Unternehmen sind Frauen. Im Vorstand der Koch AG sind es bei drei Männern und zwei Frauen sogar 40 Prozent. „Ich finde, dass wir schon sehr viele Frauen haben“, sagt Jenny Koch, denn die größte Berufsgruppe in der Firma seien Mechatroniker, bisher ausschließlich Männer. Um dies zu ändern, hat die Koch AG in Biesdorf ein neues Autohaus nach eigenen Vorstellungen gebaut. Dort gibt es nun auch erstmals getrennte Umkleiden und Toiletten. Weil diese in allen anderen Autohäusern immer gefehlt hatten, konnte das Unternehmen aufgrund gesetzlicher Vorschriften bisher keine Frauen ausbilden. In Zukunft könnte sich der Frauenanteil also erhöhen.

Alleinerziehende Mütter eine Herausforderung

Eine große Herausforderung sieht Jenny Koch noch immer bei der Integration alleinerziehender Mütter. „Ich selbst habe schon viele Frauen mit Kind eingestellt. Leider haben nur etwa fünf Prozent die Ausbildung geschafft. Frauen haben eben ein hohes Ausfallrisiko, ohne etwas dafür zu können. Wir sind im Unternehmen aber flexibel, können auch Arbeitszeiten anpassen. Ich bin total offen für die unterschiedlichsten Modelle. Gemeinsam finden wir eigentlich auch immer eine Lösung.“

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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