Monologe der Hoffnung
Autoren schreiben Texte auf Wunsch

195 Wunschtexte schrieben die Autoren in der Vorweihnachtszeit – gegen eine Spende für Menschen auf der Flucht.
  • 195 Wunschtexte schrieben die Autoren in der Vorweihnachtszeit – gegen eine Spende für Menschen auf der Flucht.
  • Foto: Brecht-Haus
  • hochgeladen von Ulrike Kiefert

195 Texte, fünf Schreibmaschinen, mehr als 10 000 Euro: Das ist das Ergebnis des Literatur-Pop-Up-Stores im Literaturforum des Brecht-Hauses.

"Literatur für das, was passiert": Unter diesem Motto schrieben 13 Autoren fünf Tage lang täglich einen Text auf Wunsch und gegen eine Spende. Die Nachfrage war so überwältigend, dass die Autoren schon einen Tag vor dem Aktionsende Mitte Dezember keinen Auftrag mehr entgegen nehmen konnten. „Wir haben bis in den frühen Morgen 195 Texte geschrieben. Über wütende Anthropologinnen, künftige Modedesigner und pensionierte Radiologen, für Herzkranke und Erblindete oder für Mütter, die mit 80 zum ersten Mal umziehen“, erzählt Autorin Paula Fürstenberg. Ihre Schriftstellerkollegen waren Donat Blum, Christian Dittloff, Daniela Dröscher, Anna Hetzer, Yael Inokai, Maruan Paschen, Caca Savic, Lea Schneider, Tillmann Severin, Lorena Simmel, Isabel Wanger und Ron Winkler.

Was an Textwünschen eintrudelte, erzählt viel über die aktuelle Lage. Die meisten Leute wünschten sich laut der Autoren ermutigende, tröstliche, ablenkende, heitere, lustige, aufbauende und allgemein positive Texte. Darunter waren beispielsweise ein Monolog der Hoffnung, eine Geschichte über Heizungsthermostate, ein gymnastisches Gedicht und eine Schmährede auf eine Schraubenmutter. An Spenden sammelten die Autoren insgesamt 10 370 Euro ein. "Obwohl die jetzige Situation vielen Menschen einiges abverlangt, war die Spendenbereitschaft überraschend hoch", sagt Christian Hippe, kommissarischer Leiter des Literaturforums im Brecht-Haus an der Chausseestraße. "Die im Vorjahr gesammelten Spenden konnten mehr als verdoppelt werden.“

Das Geld geht nun zu gleichen Teilen an Ärzte ohne Grenzen, die unter anderem medizinische Hilfe in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln leisten, und an die Berliner Initiative "Neue Nachbarschaft" in Moabit.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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