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Der Stadterklärer: Für Historiker Eberhard Elfert ist Stadtgeschichte immer im Fluss

Eberhard Elfert und Reeder Vladimir Böttcher wollen mit ihrer Schiffstour „Stadtführungen auf den Kopf stellen“.
Eberhard Elfert und Reeder Vladimir Böttcher wollen mit ihrer Schiffstour „Stadtführungen auf den Kopf stellen“. (Foto: Dirk Jericho)

„Stadt-Plan-Fluss“ heißt die neueste Führung, die der Kulturmanager und Historiker Eberhard Elfert ab kommenden Jahr erstmals auf einem Schiff anbietet.

Die Stadt im ständigen Fluss, täglich werden Entscheidungen getroffen, die alles verändern. Der Mauerbau, die Wende und die wilden Zeiten der Clubs und Bars, der Ausverkauf der Stadt am Anfang 2000er-Jahren: Eberhard Elfert kennt die Geschichte und die Folgen und mischt sich als Kulturwissenschaftler und Historiker seit Jahren auch in aktuelle Projekte ein.

Auf Führungen zeigt der 59-Jährige gern alte Fotos, erklärt die Geschichte der Orte und zeigt auf Plänen vor allem die Zukunft. „Die Zeiten des Durchsetzens von Partikularinteressen sind vorbei", so Elfert. Die Gestaltung des Spreeuferweges, die Ideen des Märkischen Museums, die Zukunft der Alten Münze, das Flussbad-Projekt, der Planungsstillstand auf der Lohmühleninsel, die Konfrontation an der East-Side-Gallery und vieles, vieles mehr – der Stadterklärer will die „unterschiedlichen Aspekte und Orte zusammendenken“.

Bisher ist er mit seinen Teilnehmern meist per Rad umhergefahren, um zum Beispiel die vielen noch vorhandenen Grenzanlagen am Spreeufer zu zeigen. Der Wasserbunker für DDR-Grenzboote, Postenweg, Hinterlandsicherungszaun mit Stacheldraht sind Teil des Gedenkkonzeptes und stehen mittlerweile unter Denkmalschutz. Elfert hat sich dafür eingesetzt, dass es dort fünf Geschichtsinseln geben wird, wenn der öffentliche Spreeuferweg fertig ist. Um die Perspektive zu wechseln und alles im stadtweiten Zusammenhang zu sehen, bietet Eberhard Elfert jetzt gemeinsam mit dem Reeder Vladimir Böttcher eine Schiffstour an, auf der er vor allem die Pläne zur Stadtentwicklung zwischen Märkischem Museum und Rummelsburger Bucht beleuchten will. Die 1922 gebaute MS Vera soll dabei auch eine Art Debattierclub oder Forum sein. Elfert will mit Interessierten ins Gespräch kommen. „Gern halten wir an der einen oder anderen Stelle an und reden intensiver darüber“, sagt der Historiker.

Das Bezirksamt Mitte lobt er; da wäre in öffentlichen Workshops und Beteiligungsverfahren schon viel für den Spreeuferweg getan worden. Gleiches wünscht sich Elfert zum Beispiel beim Konflikt zwischen den Investoren und den Freunden der East Side Gallery. Nur ein Dialogverfahren könne zu Lösungen führen im Streit um das Bauprojekt im früheren Mauerstreifen an der East Side Gallery. „Am Ende verlieren sonst alle“, meint der Stadtführer, der solche Dialogverfahren und Veranstaltungen zur Stadtentwicklung moderiert.

Das Projekt Flussbad Berlin, bei dem der brachliegende Spreekanal zwischen Museumsinsel und Fischerinsel zum Schwimmbecken gemacht werden soll, ist für Elfert so ein Biespiel, „das nicht zu Ende gedacht ist“. Wie viel kulturhistorisches Erbe man für den ökologischen Umbau opfern sollte, muss öffentlich diskutiert werden, fordert der Historiker. Eine Bürgerbeteiligung hält er für zwingend notwendig, zumal es bereits erhebliche Bedenken von Anwohnern gibt. Auf den Schiffstouren ist das Flussbad am Historischen Hafen, wo Vladimir Böttcher mit seinem Passagierschiff dreht, ein wichtiges Thema. Bei Diskussionsbedarf bleibt der Reeder auch gern einen Moment stehen.

Die zweistündigen Schiffstouren „Stadt-Plan-Fluss“ starten im Frühjahr. Gutscheine als Weihnachtsgeschenk kann man schon jetzt bestellen. Tickets kosten 19 Euro. Alle Infos unter www.stadt-plan-fluss.de

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