"Wir kämpfen weiter"
Moratorium und Runder Tisch zur Rathenower Straße abgelehnt

Der Einsatz der Initiative gilt in der Hauptsache dem Jugendzentrum im Flachbau des Komplexes.
  • Der Einsatz der Initiative gilt in der Hauptsache dem Jugendzentrum im Flachbau des Komplexes.
  • Foto: KEN
  • hochgeladen von Karen Noetzel

„Unsere Initiative kämpft weiter für den Erhalt des Jugendzentrums in der Rathenower Straße“, sagt Marina Kara von der Initiative „Wem gehört Berlin“. In der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses stand der Plan des Bezirksamtes, das Ensemble Rathenower Straße 15-18 zugunsten von neuen Wohnungen teilweise abzureißen, um- und neu zu bauen auf der Tagesordnung.

Gegen das Vorhaben opponiert die Initiative „Wem gehört Berlin“. Ihre besondere Sorge gilt dem Jugendzentrum und der Kiezküche. Werde der derzeit gültige Bebauungsplan (II-91) mit der „Gemeindebedarfsfläche“ für ein Jugendzentrum zugunsten Wohnen geändert, so die Initiative, bedeute das für viele Jahre Unruhe und die Veränderung und teilweise Verdrängung „sensibler Nutzungsstrukturen“. Seit der Ankündigung der Bebauungsplanänderung sprössen Projekte von Immobilieninvestoren an der Rathenower Straße „wie Pilze aus dem Boden“, meint die Initiative.

„Wenn der Bebauungsplan erst einmal zugunsten von Wohnen geändert worden ist, kann uns niemand davor bewahren, dass die landeseigene WBM Wohnungen nach Ablauf der Förderung wieder verkauft“, befürchtet Theresa Keilhacker. Die Moabiter Architektin trat in der Sitzung als Vertreterin der Initiative auf. Keilhacker weiter: „Ein Jugendzentrum jedoch wird auf dem Immobilienmarkt nie so interessant sein, dass man es mit einem gesicherten B-Plan für Gemeinbedarfe weiterveräußert.“

Kiezküche soll ins Hochhaus ziehen

Einer der jetzigen Mieter im Flachbau ist die Kiezküche. Dort werden täglich für Hunderte Obdachlose Essen gekocht und ausgeliefert. Für die Kiezküche sei zwar ein Ausweichstandort im Hochhaus des Ensembles vorgesehen. Aber für die Einrichtung einer Großküche dort müssten Wände zerschnitten, eingerissen und umgesetzt werden, ganz zu schweigen von der Neuinstallation der gesamten Ablufttechnik einschließlich Fettabscheider, Großkücheneinrichtung, Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung und anderem mehr. „Was für eine Verschwendung von Ressourcen“, heißt es von der Initiative.

„Wem gehört Berlin“ hat an die Ausschussmitglieder appelliert, den geltenden Bebauungsplan zu erhalten und für die Zukunft zu schützen. Sonst ginge langfristig der Schutz für „Gemeinbedarfe an solch zentraler und wichtiger Stelle in der Stadt“ verloren.

Auch Berlins Landeskonservator Christoph Rauhut plädierte, von der denkmalpflegerischen Warte aus, dafür, die „besonders erhaltenswerte Bausubstanz“ aufgrund ihres „kulturellen Wertes und ihrer sozialen Funktion vor Ort sehr sorgsam anzuschauen“.

Hingegen beharrten die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) und die gemeinnützige Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) sowie Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) darauf, den beabsichtigten Zeitplan einzuhalten. Den Antrag der Linken auf eine Moratorium des Teilabrisses und auf die Einberufung eines Runden Tisches zur Rathenower Straße 15-18, um über den Denkmalwert des Ensembles und künftige Nutzungen zu beraten, lehnten die Ausschussmitglieder mehrheitlich ab.

Von der Entscheidung lässt sich die Initiative nicht entmutigen. „Wir kämpfen weiter für den Erhalt dieser soziokulturellen Einrichtung“, so Marina Kara.

Zum Hintergrund: 2011 wurde das Gebäudeensemble der Liegenschaftsfonds Berlin GmbH übertragen. 2015 kündigte der Senat an, stadtweit 30 Millionen Euro in kostengünstigen und experimentellen Wohnungsbau zu investieren. Für die Rathenower Straße 15-18 gab es im Rahmen des Investitionsprogramms Siwa (Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt) für „Experimenteller Geschosswohnungsbau in Berlin“ mit „Besonderen Wohnformen“ einen Entwurf des Büros SEK Architektinnen. Er blieb in der Schublade. Für das jetzt von der GSE vorgelegte Konzept wurden Fördermittel in Höhe von mehr als fünf Millionen Euro bewilligt.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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