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Ruinen der Gegenwart: Neue Ausstellung im Kindl-Zentrum

Wo: Kindl - Zentrum für zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, 12053 Berlin auf Karte anzeigen
"After the Earthquake" (nach dem Erdbeben): Ryuji Miyamoto hat 1995 in Kobe spaktakuläre Aufnahmen gemacht. Foto: R. Miyamoto
"After the Earthquake" (nach dem Erdbeben): Ryuji Miyamoto hat 1995 in Kobe spaktakuläre Aufnahmen gemacht. Foto: R. Miyamoto (Foto: R. Miyamoto)

Neukölln. Zehn Künstlerinnen und Künstler stellen unter dem Titel „Ruinen der Gegenwart“ im Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, aus. Bis zum 11. Februar sind die Werke zu besichtigen.

Die weltweite politische Instabilität hinterlässt heutzutage immer neue Ruinen. Die Frage nach ihren Ursachen bildet den roten Faden der Ausstellung. Es geht um die Folgen von Kriegen, wirtschaftlichen Krisen oder schlicht um den Wandel in den Städten. So fiel in den letzten Jahrzehnten in Deutschland weit mehr Bausubstanz der Abrissbirne zum Opfer als während der beiden Weltkriege. Mit solch unterschiedlichen Facetten beschäftigen sich die Künstler.

Botho Goldbach geht es um die verheerenden Auswirkungen von ökonomischen Spekulationen im Städtebau. In seinem Projekt „Euruin“ hat er zum Beispiel die Portikus-Architekturen, die den 50-Euro-Schein zieren, großformatig mit Sperrholz nachgebaut – nicht zuletzt ein Verweis auf die Brüchigkeit des politischen Gebäudes der Europäischen Union.

Francis Alys’ Film „The Silence of Ani“ entstand in den Resten der seit mehr als drei Jahrhunderten verlassenen, ehemaligen armenischen Hauptstadt Ani. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen stecken voller poetischer Verweise auf die kulturellen und kriegerischen Konflikte, die es dort bis heute gibt.

Morehshin Allahyari beschäftigt sich mit Kulturgütern, die der sogenannte Islamische Staat zerstört hat. „Material Speculation“ heißt ihre Arbeit: Sie hat im 3D-Druckverfahren Objekte geschaffen, die zwar nicht die verlorenen Originale ersetzen, sie aber im digitalen Gedächtnis bewahren können.

Gordon Matta-Clark, der bereits 1978 gestorben ist, ist für fast alle Künstler wichtig, die sich heute mit Ruinen beschäftigen. Der US-Amerikaner protestierte seinerzeit mit „Gebäudeschnitten“ gegen die „Containerisierung“ in modernen Städten. In der Ausstellung sind ein Film und Fotografien zu zwei seiner Projekte zu sehen.

Manit Sriwanichpoom hat mit Schwarz-Weiß-Fotos dokumentiert, wie Ende der 1990er-Jahre in Südostasien viele angefangene Bauten von einem zum anderen Tag liegen blieben. Schuld war der Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften. Seine Serie „The Bloodless War“, die auch bekannte Aufnahmen aus dem Vietnamkrieg neu inszeniert, vergleicht ökonomische und militärische Kriege.

Arata Isozakihat hat als Jugendlicher die atomare Zerstörung Hiroshimas erlebt. Dieses „Ruinentrauma“ führte dazu, dass der japanische Architekt bis heute auch eigene Entwürfe in einem imaginären ruinösen Zustand zeigt.

Dorothee Albrecht setzt Ruinen aus verschiedenen Zeiten und Schauplätzen in Beziehung: Bilder der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg oder der heutigen Ruinen in Syrien werden den zerstörerischen Folgen von Braunkohleabbau, Atomunfällen oder Naturkatastrophen gegenübergestellt.

Katya Gardea Browne wandelt auf den Spuren des in den 1970er-Jahren gestorbenen Land-Art-Künstlers Robert Smithson. Sie bereiste die Relikte der Maya-Kultur in Yucatán und konfrontiert die antiken Stätten auch mit dem modernen Mexiko.

Ryuji Miyamoto ist mit seinen Fotografien der japanischen Stadt Kobe bekannt geworden, die 1995 von einem Erdbeben verwüstet wurde. Die Bilder leugnen nicht die Dramatik der Naturkatastrophe, die 5500 Menschen das Leben kostete, sind aber auch von einer faszinierenden Schönheit.

Marike Schuurman hat Findlinge für ihre Serie „Kohle“ mit einer Sofortbildkamera fotografiert. Sie erinnern an viele der Orte, die dem Braunkohletagebau in der Lausitz weichen mussten. Daneben lösen sich die entstandenen „landschaftlichen Ruinen“ in ihre abstrakten Strukturen auf. sus

Geöffnet ist montags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr. Eintritt: fünf, ermäßigt drei Euro,  83 21 59 12 16. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

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