Auf den Spuren Rathenaus
Eine Villa, Fabriken, eine Straße und ein Friedhof

In die 1902 errichtete Villa Rathenau zog die Familie von Erich Rathenau nach dessen Tod nicht mehr ein. | Foto: Ralf Drescher
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Kaum ein Mensch hat den Ortsteil Oberschöneweide so geprägt wie Emil (1838-1915), Erich (1871-1903) und Walther Rathenau (1867-1922).

Vater Emil war der Begründer der Allgemeinen Electricitäts-Gesellschaft (AEG), die die Gegend um die Wilhelminenhofstraße über ein halbes Jahrhundert geprägt hat. Fast alle Industriegebäude an der Wilhelminenhofstraße waren einst Fabriken der AEG. Das Kabelwerk Oberspree (KWO), das Transformatorenwerk Oberschöneweide und das AEG-Röhrenwerk im Peter-Behrens-Bau gehörten dazu. Und eine zweistöckige Villa neben der heutigen Hochschule für Technik und Wirtschaft in der Wilhelminenhofstraße 75. Rathenau-Villa steht heute wieder am Gebäude. Das Haus war 1902 errichtet worden, weil Erich Rathenau in unmittelbarer Nähe zu seinem Werk wohnen wollte. Er leitete ab 1897 das Kabelwerk Oberspree, die damals größte Kabelfabrik Europas. Aufgrund seines frühen Todes zog die Familie nicht ein.

Mit dem Waldfriedhof Oberschöneweide haben sich die Rathenaus in ihrer privaten und beruflichen Heimat ein Denkmal gesetzt. Der Friedhof war 1902 ein Geschenk von Emil Rathenau an die Landgemeinde Oberschöneweide, auch für den Bau von Kapelle und Verwaltungsgebäude kam Rathenau auf. Hier liegen die drei erwähnten Rathenaus begraben, außerdem Emils Frau Mathilde.

Eine einzelne Namensplatte hat nur Walther Rathenau. Er ist der bekannteste Spross der Familie. Walther Rathenau wurde 1915 Präsident der AEG. Er war aber auch als Schriftsteller tätig und pflegte die Freundschaft mit Gerhart Hauptmann. Nach dem Ersten Weltkrieg war er Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei, im Januar 1922 wurde er Reichsaußenminister. Er schloss im April 1922 in Rapallo einen Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Sowjetrussland. Das stachelte den Hass der Rechtsextremen gegen den Unternehmer und Politiker an. Am 24. Juni 1922 wurde Walther Rathenau in Grunewald von Mitgliedern der rechtsradikalen Organisation Consul ermordet. Millionen Deutsche demonstrierten in den nächsten Tagen gegen den rechten Terror.

In Oberschöneweide erinnert die Rathenaustraße seit Beginn des 20. Jahrhunderts an den AEG-Gründer Emil Rathenau. Wegen seiner jüdischen Abstammung benannten die Nationalsozialisten sie 1934 in Irmhildstraße um, seit 1948 trägt sie wieder seinen Namen.

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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