Besondere Atmosphäre lockt Gäste an
In einer Remise in der Wilhelminenhofstraße hat sich eine kleine Galerie etabliert

Angela Käther (links) und Sandra Neumann haben die Galerie "Wilhelmine5" am 3. Oktober 2021 eröffnet. In wechselnden Ausstellungen präsentieren sie dort zeitgenössische Kunst und historische Fotografien.
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  • Angela Käther (links) und Sandra Neumann haben die Galerie "Wilhelmine5" am 3. Oktober 2021 eröffnet. In wechselnden Ausstellungen präsentieren sie dort zeitgenössische Kunst und historische Fotografien.
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In einem liebevoll bepflanzten Innenhof an der Wilhelminenhofstraße 5 befindet sich eine Remise. Dort haben Angela Käther (49) und Sandra Neumann (45) im Oktober vergangenen Jahres eine kleine Galerie eröffnet, die „Wilhelmine5“.

Obwohl sich entlang der Wilhelminenhofstraße bereits viele Kultureinrichtungen wie der Industriesalon, die Rathenau-Hallen, Reinbeckhallen und MaHalla Berlin befinden, hat sich dieser versteckte Ort inzwischen schon herumgesprochen.

Viele der Besucher, so erzählt Sandra Neumann, kämen vor allem wegen der Atmosphäre zu ihnen. „Wir wollen nicht 30, 40 Leute vor der Tür stehen haben. Es ist gewollt, dass noch Platz für ein Gespräch bleibt“, sagt sie zum Konzept. „Das ist schon etwas anderes als in den großen Reinbeckhallen.“ Der Galerieraum war früher Teil einer Mietwohnung. Auf der Suche nach einem neuen Standort für ihre Praxis für Osteopathie zog Angela Käther aus Karlshorst in die Remise. Mit Sandra Neumann ist sie seit Langem befreundet. Gemeinsam entschieden die beiden Frauen, einen der Räume so umzugestalten, dass sie dort nun Besucher empfangen können.

Die "Wilhelmine5" befindet sich in einer Remise in einem idyllischen Innenhof an der Wilhelminenhofstraße.
  • Die "Wilhelmine5" befindet sich in einer Remise in einem idyllischen Innenhof an der Wilhelminenhofstraße.
  • Foto: Philipp Hartmann
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Sandra Neumann ist Historikerin und Hüterin eines gewaltigen Fotoarchivs. Die Rahnsdorferin hat Geschichte und Bibliothekswissenschaften an der Humboldt-Universität studiert. Danach arbeitete sie für das Jüdische Museum, wo sie ihre Leidenschaft zur Fotografie entdeckte. Jahrelang sammelte sie Erfahrungen in der redaktionellen Aufarbeitung historischer Fotoarchive mit den Schwerpunkten Nationalsozialismus und DDR und im Presseagenturbetrieb bei dpa-Zentralbild. Über die Deutsche Presse-Agentur kam Neumann mit dem Berliner Verlag in Kontakt. 2017 erfuhr sie von dessen Dokumentationsleiter, dass der Verlag kein Interesse mehr an seinem riesigen Fotoarchiv habe. „Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir das retten können. Ich habe es dann übernommen und kümmere mich seitdem darum“, erzählt sie. Die Sammlung umfasst laut ihrer Schätzung etwa eine Million Fotos, vor allem aus Ostberlin, der gesamten DDR und dem sozialistischen Ausland. Davon seien gerade einmal 30 000 digitalisiert. Dieser Schatz, auf dem sie seit fünf Jahren sitzt, habe ihr auch den Anschub gegeben, eine eigene Galerie aufzumachen. Sie wusste, es ist genug Material vorhanden, um Besuchern immer wieder etwas Neues zu zeigen.

2017 hat Sandra Neumann die Sammlung des Berliner Verlags übernommen. Seitdem kümmert sie sich um das rund eine Million Fotos umfassende Archiv. Einige der Aufnahmen werden in der Galerie präsentiert.
  • 2017 hat Sandra Neumann die Sammlung des Berliner Verlags übernommen. Seitdem kümmert sie sich um das rund eine Million Fotos umfassende Archiv. Einige der Aufnahmen werden in der Galerie präsentiert.
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In der aktuellen, noch bis zum 9. Juli laufenden Ausstellung „Damals in Köpenick. Historische Fotografien aus der DDR“ präsentiert sie alte Schwarz-Weiß-Fotos, die zum Beispiel die Bölschestraße in Friedrichshagen und die Köpenicker Altstadt samt Schlossinsel zeigen. Viele von ihnen hat der bekannte DDR-Pressefotograf Helmut Peter Fieweger gemacht, der unter anderem für die Frauenzeitschrift „Sibylle“ gearbeitet hat. Dessen Witwe gab die Nutzung der Fotos für die Ausstellung frei. Auch vom ehemaligen Berliner-Woche-Reporter Ralf Drescher sind Aufnahmen zu sehen, zum Beispiel von einem früheren Fährmann der Ruderfähre in Rahnsdorf.

„Die DDR ist nach wie vor ein großes Thema für die Menschen, gerade im Osten der Stadt, und sehr emotional belegt“, hat Sandra Neumann beobachtet. Obwohl ihr vor allem wichtig ist, die DDR-Fotografie zu bewahren, sodass dieser Teil der deutschen Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, sei die Galerie nicht darauf festgelegt. In wechselnden Ausstellungen werden auch zeitgenössische Werke regionaler Künstler präsentiert. Außerdem finden Veranstaltungen statt, zum Beispiel Lesungen mit musikalischer Begleitung. Geplant ist im September in Kooperation mit dem Industriesalon Schöneweide und den Reinbeckhallen eine Ausstellung historischer Fotos, die die Wilhelminenhofstraße aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen.

Der Eintritt zur Galerie, Wilhelminenhofstraße 5, beträgt 3,50 Euro. Geöffnet ist bis 9. Juli sonnabends 14 bis 17 Uhr, danach ist Sommerpause. Individuelle Termine können unter Telefon 50 17 93 69 vereinbart werden. Kontakt auch unter post@wilhelmine5.de. Infos zur Galerie unter wilhelmine5.de.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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