Kunst kennt keinen Ruhestand
Roswitha Hegewald steht als Seniorin noch auf der Bühne

Roswitha Hegewald am Eingang zum früheren WF-Kulturhaus in Oberschöneweide.
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  • Roswitha Hegewald am Eingang zum früheren WF-Kulturhaus in Oberschöneweide.
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Eigentlich könnte Roswitha Hegewald mit 66 Jahren den Ruhestand genießen. Allerdings nutzt die frühere Ingenieurin für wissenschaftlichen Gerätebau das Rentnerdasein für ihre Lieblingsbeschäftigung und steht mit Gesang und kabarettistischen Programmen vor Publikum.

„Das habe ich schon als Kind Ende der 50er-Jahre beim Urlaub in Zinnowitz getan und auf der Bühne des FDGB-Ferienheims ein paar Lieder geschmettert, berichte die Seniorin. Später beim Studium in Jena war sie einer der Mitbegründer des Studentenkabaretts „Die Technologiker“. Als sie 1976 der Arbeit wegen nach Berlin kam, suchte sie eine Bühne. „Im Haus der Jungen Talente an der Klosterstraße empfahl man mir das Kabarett des Werks für Fernsehelektronik (WF). Dort wurde ich mit offenen Armen aufgenommen“, erinnert sich Roswitha Hegewald. Während sie beruflich Medizintechnik entwickelte, stand sie in ihrer Freizeit immer öfter auf der Bühne des WF-Kulturhauses an der Wilheminenhofstraße.

Für die fachliche Beratung sorgte dort keine geringere als Helga Hahnemann (1937-1991). Die Schauspielerin und Kabarettistin hatte mit der Kulturabteilung des WF einen Betreuungsvertrag abgeschlossen.

„Dit is ja toll, endlich mal eene aus Sachsen“, waren die ersten Worte der Künstlerin zu der in Gera – also in Thüringen – aufgewachsenen Hobbykünstlerin. „Auf meinen entschiedenen Protest legte Big Helga fest, dass ich künftig berlinern oder sächseln soll. Ich habe mich für den Berliner Dialekt entschieden“, erinnert sich Roswitha Hegewald.

Einmal pro Woche traf man sich zu Proben, mehrmals im Jahr gab es Auftritte im WF-Kulturhaus. Helga Hahnemann hat auch Auftritte vor Berufskünstlern im Künstlerklub „Möwe“ organisiert. „Dann wurde das WF-Kabarett „Die Wetterfrösche“ 1980 zu den Arbeiterfestspielen delegiert. Dort muss das Programm bei einigen Kulturfunktionären nicht gut angekommen sein. Die Gewerkschaftszeitung „Tribüne“ hat es verrissen“, berichtet Roswitha Hegewald. Irgendwann nach dem Ende der DDR wollte Roswitha Hegewald dann wieder auf der Bühne stehen und ging zum Treptower Seniorenkabarett „Die Immergrünen“. Inzwischen präsentiert sie in Seniorenfreizeitstätten und Kiezklubs unter anderem „Freche Lieder aus Berlin“ oder Chansons zum Thema Liebe.

Die Unterlagen zu den Programmen, die einst mit Helga Hahnemann im Werk für Fernsehelektronik entstanden, hat sie aufgehoben. Beim Betrachten sieht man, dass damals allzu kritische Passagen von Kulturfunktionären bereits im Vorfeld gestrichen wurden. „Ich würde eine Auswahl aus diesen Programmen gerne vor Ort aufführen, natürlich in der ursprünglich geplanten Fassung. Da es das Kulturhaus nicht mehr gibt, vielleicht im Industriesalon, der sich ja die Bewahrung der WF-Geschichte auf die Fahnen geschrieben hat“, sagt Roswitha Hegewald. Roswitha Hegewald (Dritte von links) mit Kollegen des WF-Kabaretts "Die Wetterfrösche" um 1980.

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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