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Fluch oder Segen? Weit über 10.000 Wahlplakate hängen im Bezirk

Fluch oder Segen? An diesen Laternenmast an der Ecke Gorkistraße und Ziekowstraße passt definitiv kein weiteres Wahlplakat mehr.
Fluch oder Segen? An diesen Laternenmast an der Ecke Gorkistraße und Ziekowstraße passt definitiv kein weiteres Wahlplakat mehr. (Foto: Michael Nittel)

Reinickendorf. Der Wahlkampf hat nun also auch das Straßenbild erfasst: Allein im Bezirk Reinickendorf wurden in diesem Monat weit über 10.000 Plakate aufgehängt und aufgestellt – kaum ein Laternenmast wurde verschont. Doch tragen diese Plakate tatsächlich zur Entscheidungsfindung bei?

„Nein, überhaupt nicht“, lautete die einhellige Antwort bei einer 90-minütigen Befragung von knapp 60 Bürgern an der Tegeler Gorkistraße, ob sie die Plakate bei der Wahlentscheidung in irgendeiner Weise beeinflussen würden. Na klar, nicht repräsentativ – aber interessant allemal.

Das haben aber auch längst die Parteien erkannt: Die Plakate sollten an die Bundestagswahl erinnern und nicht primär eine Wahlentscheidung herbeiführen, lautet die weit verbreitete Meinung. Auch drei der Reinickendorfer Kandidaten für den Bundestag – Frank Steffel (CDU), Thorsten Karge (SPD) und Hakan Taş (Die Linke) – sind sich in diesem Punkt einig. Der inhaltliche Diskurs fände vielmehr bei Veranstaltungen, an den Ständen und in sozialen Netzwerken statt, berichtet Taş. „Der wesentliche Teil unser Kampagne bezieht sich auf die direkte, inhaltliche Ansprache der Bürger“, weiß auch Steffel. Es gibt im Bezirk insgesamt 3500 Plakate, die mit dem Konterfei von Frank Steffel werben. Rund 1200 Mal schaut man in das Antlitz von Thorsten Karge, 200 Mal in das Gesicht von Hakan Taş.

Befragung ergibt: Geld für Plakate lieber spenden

Insgesamt haben die Parteien in Berlin mehr als 210.000 Plakate aufgehängt. Hinzu kommen rund 2600 Großtafeln. Damit investieren die Parteien allein in der Hauptstadt Hunderttausende Euro in den Plakatwahlkampf. Die unter den knapp 60 befragten Reinickendorfern vorherrschende Meinung war übrigens, dass die Parteien gut daran täten, dieses Geld lieber anderweitig einzusetzen, zum Beispiel für soziale Projekte, und auf die Plakatwerbung gänzlich zu verzichten.

Die Plakate seien ein wichtiger Teil der Kommunikation mit den Bürgern, die sich nicht regelmäßig mit Politik beschäftigen, sagt Steffel dazu. „Wir haben ein großes Interesse an einer hohen Wahlbeteiligung als Zeichen einer starken Demokratie.“

Wenn verzichten, dann alle

Ein Verzicht würde nur dann Sinn ergeben, wenn alle Parteien verzichten würden, betont Karge. „Wir haben uns jedoch in diesem Jahr dazu entschieden, deutlich weniger Plakate zu hängen, als noch zur Abgeordnetenhauswahl 2016“, sagt der SPD-Mann und verweist auf Frankreich: Dort dürften nur besondere ausgewiesene Stellen genutzt werden. Damit verhindere man dann die „Wälder voller Schilder“. Taş verweist auf andere Bundesländer, wo sich die Parteien darauf geeinigt hätten, nur Hauptverkehrsstraßen zu plakatieren und die Wohnsiedlungen unberührt zu lassen. „Durch die Konzentration der Ausstellungsflächen würde auch die Stückzahl der Plakate sinken, die die Parteien benötigen. Dieser Kompromiss wäre meines Erachtens gut für unsere Demokratie und für die Umwelt.“ min

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