Im Sommer 2020 könnte der Bau beginnen
Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Annedore und Julius Leber hofft auf Lottomittel

Die geschichtsträchtige Steinbaracke von Süden aus gesehen. Davor die aktuelle "Ausstellung hinter dem Zaun" zu Julius Lebers Wirken als Journalist und Politiker während der Weimarer Republik.
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  • Die geschichtsträchtige Steinbaracke von Süden aus gesehen. Davor die aktuelle "Ausstellung hinter dem Zaun" zu Julius Lebers Wirken als Journalist und Politiker während der Weimarer Republik.
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Am 7. und 8. September war Tag des offenen Denkmals. Im 2014 entstandenen Annedore-Leber-Park an der Torgauer Straße konnte man sich über den Fortgang der Bemühungen informieren, hier einen Lern- und Gedenkort einzurichten.

An der Stelle befand sich die Kohlenhandlung „Bruno-Meyer-Nachf.“ In dem Holzbau arbeitete der ehemalige sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Journalist Julius Leber (1891-1945) nach seiner KZ-Haft. Hier traf Leber bis zu seiner Festnahme, Verurteilung zum Tode und Hinrichtung Gleichgesinnte aus dem zivilen Widerstand.

Das Holzgebäude wurde im Krieg zerstört. Lebers Ehefrau Annedore (1904-1968) betrieb die Kohlenhandlung weiter. 1950 ließ sie einen steinernen Flachbau errichten. Dort gründete sie ihren Mosaikverlag. Seine Veröffentlichungen wollten das demokratische Bewusstsein und das Verständnis für die Notwendigkeit des Widerstands gegen die Nazis fördern. Auf der östlichen Seite kam später ein Anbau hinzu.

Seit vielen Jahren bemüht sich der Stadtteilverein Schöneberg und sein 2012 gegründeter Arbeitskreis „Lern- und Gedenkort Annedore und Julius Leber“ erst um den Erhalt, dann um die Herrichtung dieses Erinnerungsortes. Er ergänzt die authentischen Orte in der Schöneberger Geschichtslandschaft. Das sind der Schwerbelastungskörper, der ehemalige SA-Folterkeller in der Papestraße, das als „Volksgerichtshof“ genutzte Kammergericht im Kleistpark und die Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ über das Bayerische Viertel im Rathaus.

Der Stadtteilverein hat zur Torgauer Straße 24/25 einen Nutzungsvertrag mit dem Bezirk geschlossen. Im Dezember 2018 wurde ein Lottomittelantrag über 500 000 Euro gestellt. Die Summe ist so beträchtlich, weil beim Anlegen des Parks gekappte Versorgungsleitungen neu gelegt werden müssen und der massive Schimmelbefall im Gebäude zu beseitigen ist.

In Verein und Arbeitskreis ist man zuversichtlich, dass die Lottomittel gewährt werden. Dann könnten womöglich schon im Sommer 2020 die Bauarbeiten beginnen. Vorgespräche mit der bezirklichen Bauverwaltung haben ergeben, dass der geplante Umbau genehmigungsfähig ist.

Im westlichen, von Annedore Leber erbauten Teil sollen ein Ausstellungs- und Informationsbereich zu Ortsgeschichte, Personen und Hintergründen sowie ein „Geschichtskiosk“ benannter Aufenthaltsbereich, Toiletten und der behindertengerechte Zugang entstehen. Im östlichen Anbau ist ein Veranstaltungs- und Seminarraum für Arbeitsgruppen und Klassen geplant. Die heute erforderliche Raumhöhe wird mit dem Einziehen eines Lichtbandes aus Glasbausteinen erreicht. Das Band sorgt zudem für ausreichenden Tageslicht. Das kleine Außengelände lädt zum Verweilen ein. Derzeit wird dort in der "Ausstellung hinter dem Zaun" das Leben Julius Lebers als Journalist und Politiker während der Weimarer Republik gezeigt.

Die Außenmauer soll ebenfalls restauriert werden. Ein einfacher moderner Zaun soll das Gelände vom Park abgrenzen, ohne es von ihm zu trennen.

Zur Deckung laufender Betriebskosten hat der Arbeitskreis die Kleinspenderaktion „100 Menschen für einen Ort“ ins Leben gerufen. Immerhin konnten mit eingegangenen Spenden jetzt anfallende Unterhaltskosten und die Kosten für die Erstellung der Pläne bereits finanziert werden.

Der Arbeitskreis trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Stadtteilladen Halk Kösesi, Crellestraße 38.

Infos unter www.gedenkort-leber.de.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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