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Afghanische Künstlerin stellt in der Schwartzschen Villa aus

Wo: Schwartzsche Villa, Grunewaldstraße 55, 12165 Berlin auf Karte anzeigen
"Zum Geschirrspülen braucht man keine Sprache" steht auf Porzellan und Servietten der Installation von Jeanno Gaussi.
"Zum Geschirrspülen braucht man keine Sprache" steht auf Porzellan und Servietten der Installation von Jeanno Gaussi. (Foto: K. Rabe)

In der Schwartzschen Villa, Grunewaldstraße 55, ist derzeit eine Ausstellung der afghanischen Künstlerin Jeanno Gaussi zu sehen. Unter dem Titel „Geflecht“ zeigt sie zwei Rauminstallationen, die sich mit den Auswirkungen politischer Veränderungen und Entscheidungen auf einzelne Biografien von Geflüchteten beschäftigen.

Die erste Installation „For Sitara Hamza“ befasst sich auch mit der eigenen Migrationserfahrung der 1973 in Kabul geborenen Künstlerin. Bestimmende Elemente der Installation sind lange schwarze Wollzöpfe, die mit bunten Tüchern kombiniert sind. Die Stoffe erwarb die Künstlerin in Karachi, fasziniert von der Entdeckung, dass sie einen Schriftzug mit der titelgebenden Widmung tragen.

Die Zöpfe wiederum gehen auf ein Kindheitstrauma zurück: Das Abschneiden des langen Haares der damals Fünfjährigen in Verbindung mit dem Abschied von den Eltern und Kabul. Verbundenheit und Verlust, Erinnerung und Verschwinden verweben sich in dieser Arbeit, die sich buchstäblich wie metaphorisch als Geflecht darstellt.

Mit der zweiten Installation „No language“ wendet sich die Künstlerin der unmittelbaren Gegenwart zu. Im kleinen Balkonzimmer der Schwartzschen Villa ist eine festliche Tafel für sechs Personen aufgebaut. Was zunächst als Referenz an die Geschichte der ehemaligen Sommerresidenz des Bankiers Carl Schwartz erscheint, erweist sich als kritische Beleuchtung der Ankunftsländer von Geflüchteten. Porzellan und Servietten tragen einen Satz in afghanischem Dari: „Zum Geschirrspülen braucht man keine Sprache“. Dabei handelt es sich um die Antwort eines aus Schweden abgeschobenen Afghanen auf die Frage, wie er ohne Sprachkenntnisse zwei Jahre lang seinen Lebensunterhalt sichern konnte.

Zur Ausstellung erscheint im März ein Katalog mit Texten von Burcu Dogramaci, Dorothea Schöne und Brigitte Hausmann.

Die Ausstellung ist bis zum 1. April zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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