Jubiläum für Steglitzer Bühne
Schlosspark Theater startet mit politischem Stück in die 10. Spielzeit

Mit der Inszenierung von Hochhuths "Der Stellvertreter" will das Schlosspark Theater Stellung beziehen. Als Papst Pius ist Georg Preuße erstmals am Steglitzer Theater zu sehen.
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  • Mit der Inszenierung von Hochhuths "Der Stellvertreter" will das Schlosspark Theater Stellung beziehen. Als Papst Pius ist Georg Preuße erstmals am Steglitzer Theater zu sehen.
  • Foto: DERDEHMEL/Urbschat
  • hochgeladen von Karla Rabe

Seit Dieter Hallervorden am 1. September 2009 das Schlosspark Theater nach einer intensiven Umbauphase und langem Leerstand aus dem Dornröschenschlaf erweckte, ist die Steglitzer Bühne aus der Berliner Theaterszene nicht mehr wegzudenken. Jetzt ist das Theater in seine zehnte Spielzeit gestartet.

Acht Monate hatte der Umbau gedauert. Doch dann konnten sich die Pforten zum komplett renovierten Theater wieder für die Zuschauer öffnen. Bis heute ist viel passiert. „Viel Positives glücklicherweise“, sagt Dieter Hallervorden. Immerhin wurden über 50 Eigenproduktionen, fast 150 Konzerte, mehr als 330 Lesungen und Gastspiele auf die Bühne gebracht. Der Theaterchef kann inzwischen auf mehr als 3000 Vorstellungen, Führungen durch das Theater, Kooperationen mit der LiteraturInitiative Berlin, mit der Jugendtheatergruppe YAS – Junges Schlosspark Theater zurückblicken. Viele außergewöhnliche Momente und auch so einige Sternstunden hätte es gegeben, so Hallervorden.

Zuschüsse reichen nicht

Doch leicht war es nie und ist es auch immer noch nicht. Das machte Hallervorden auf der Jahrespressekonferenz seines Theaters deutlich. Anfangs investierte er 1, 7 Millionen Euro aus seinem privaten Vermögen in die Renovierung des Theaters. Seit dem steckt der 82-Jährige pro Saison weitere 100 000 Euro aus der eigenen Tasche in sein Herzensprojekt. Er würde sich mehr Unterstützung aus der Politik wünschen, sagt er. Seit Jahren bekäme das Theater einen Zuschuss von rund 300 000 Euro. Das reiche bei weitem nicht aus. „Wir würden etwa 900 000 Euro jährlich brauchen“, sagt Hallervorden und ärgert sich, dass trotz der Inszenierungen von Stücken von Hauptmann und Molière das Schlosspark Theater in politischen Kreisen als reines Boulevardtheater gesehen wird.

Dass das Schlosspark Theater mehr kann als Boulevard, beweist Hallervorden auch in der Jubiläumsspielzeit. Am 8. September wird mit der Inszenierung von „Der Stellvertreter“ in die zehnte Saison gestartet. Das legendäre Stück von Rolf Hochhuth über Papst Pius XII. und seine umstrittene Rolle während des Dritten Reiches wurde 1963 am Berliner Theater am Kurfürstendamm von Erwin Piscator uraufgeführt. Es beleuchtet die passive Rolle der katholischen Kirche in der Zeit des Holocaust.

Philip Tiedemann hat das umfangreiche Doku-Drama für das Schlosspark Theater völlig neu inszeniert und von seinen ursprünglichen fast vier auf knapp zwei Stunden verdichtet. Die Kammerspielfassung umfasst jetzt acht Szenen mit sieben Schauspielern und einer Schauspielerin. Mit der Neuinszenierung dieses Stückes will das Theater an die unzähligen Berliner Juden, die deportiert und ermordet wurden, erinnern.

Intendant Dieter Hallervorden bezieht mit der Inszenierung an seinem Theater erneut politische Stellung. „In Zeiten, in denen AfD-Politiker unverblümt ihre dunkelbraunen Reden schwingen, ist es für ein heutiges Theater geradezu eine Selbstverständlichkeit zu zeigen, wohin solche Hetztiraden, solch eine rechtsradikale ,Alternative' schon mal geführt haben“, sagt er.

Rolf Hochhuth zeigt sich begeistert

Autor Rolf Hochhuth ist vom Engagement des Schlosspark Theaters beeindruckt und freut sich auf die neue Inszenierung seines Stückes. Sie sei ein Akt der Verpflichtung, sagt er. In der Rolle des Papstes ist übrigens Georg Preuße zu erleben. Er ist seit 50 Jahren auf nationalen und internationalen Bühnen unterwegs. Berühmt geworden ist er als Travestiekünstler unter dem Namen Mary. Preuße ist erstmal am Schlosspark Theater zu sehen.

Die neue Spielzeit bietet mit den übrigen Eigenproduktionen auch wieder Komödiantisches. Im Soloprogramm „Der letzte Raucher“ bespielt Johannes Hallervorden erstmals die Champagnerhalle des Theaters. Anatol Preissler inszeniert das Stück „Was zählt, ist die Familie!“ mit Anita Kupsch und Dagmar Biener. In einer weiteren Inszenierung adaptiert Philip Tiedemann den Film „Monsieur Claude und seine Töchter“. In der gleichnamigen Bühnenfassung sind unter anderem Brigitte Grothum und Peter Bause zu erleben.

Voraufführungen von „Der Stellvertreter“ sind am 6. und 7. September, die Premiere ist am 8. September, weitere Vorstellungen sind am 9. und 10. September sowie Oktober bis Januar. Vorstellungsbeginn jeweils 20 Uhr, Karten unter Telefon 78 95 66 71 00, E-Mail kasse@schlossparktheater.de oder www.schlossparktheater.de.

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